Offroad Fahrzeuge im Einsatz – Von Armee bis Zivilschutz

Offroader im Einsatz

Im heutigen Straßenbild dominieren sogenannte Sport Utility Vehicles (SUV’s) die Städte. Dir Urahnen wurden aber für den Offroad-Einsatz im Gelände für Militär, Hilfsorganisationen und Forst- und Landwirtschaftsbetriebe konstruiert. Ein Rückblick auf deren eigentliche Bestimmung.

Seit Jahren steigen die Zulassungszahlen von Geländewagen. Dabei wurden die teils raubeinigen Offroader immer mehr in Richtung Alltagstauglichkeit weichgespült, da die meisten Nutzer kaum ins Gelände fahren, sondern den Komfort und die hohe Sitzposition der SUVs schätzen. In den Anfängen ging es aber weder um bequemen Einstieg und den Rundumblick, sondern rein um das Vorwärtskommen auch bei widrigen Bedingungen abseits der Straße.

Nutzung von offroad-fahrzeugen beim Militär

Ein entscheidender Treiber der Geländewagen war von Beginn an das Militär. Neben den gepanzerten und bewaffneten Vehikeln waren dabei auch stets Aufklärungs- und Zivilfahrzeuge für den Truppentransport nötig.

So lancierte die Bundeswehr Anfang der 50er-Jahre eine Ausschreibung für einen leichten, allradgetriebenen Geländewagen in der 0,25 Tonnen-Klasse. Mit der Erfahrung des Horch Kübelwagens warf Auto Union mit dem Munga ein neues Fahrzeug in den Ring. Der Name ist nicht wie bei den anderen mehr oder minder passenden Namen für die Militärfahrzeuge dem Tierreich entnommen, es ist schlicht die Abkürzung für Mehrzweck-Universal-Geländewagen mit Allradantrieb.

Offroader im Einsatz

Munga, Iltis und Wolf

Neben Auto Union bewarben sich auch Borgward mit dem Goliath Jagdwagen Typ 31 sowie Porsche mit dem Typ 957 um den Auftrag. Bei den finalen Vergleichstests wurden 1956 elf DKW, zwölf Goliath und sechs Porsche vom Lehrregiment in Andernach auf Herz und Nieren getestet. Dabei setzte sich der Munga gegen die Konkurrenz durch, die nach der vergeblichen Bewerbung die Projekte nach nur wenigen produzierten Exemplaren nicht weiterverfolgten.

Vom DKW Munga wurden etwa 50.000 Einheiten gefertigt. Neben der Bundeswehr als größtem Abnehmer orderten auch die Polizei, der Bundesgrenzschutz, das Technische Hilfswerk sowie ausländische Streitkräfte Mungas. Die Entwicklung des Automobilbaus überholte aber ziemlich rasch den Munga, zu schwach, zu schwer und mitunter etwas anfällig präsentierte sich der DKW.

Ab Ende der 60er-Jahre suchte man daher einen Nachfolger. Dieser wurde von Audi in Ingolstadt als Typ 183 für Volkswagen entwickelt und teilweise produziert. Er sollte fortan als Führungs- und Fernmeldefahrzeug, zum allgemeinen Transport von Personen, als Träger-Kraftfahrzeug für Panzerabwehrwaffen und zum Verwundetentransport genutzt werden. Als Sanitätsfahrzeug wuchs der Iltis um etwa einen halben Meter. Der Antrieb mit permanentem Heck- und zuschaltbarem Frontantrieb und wahlweise einem 1,7 Liter Ottomotor oder 1,6 Liter großem Dieselmotor blieb gleich. Es wurde auch eine kleine Anzahl von zivilen Fahrzeugen gefertigt, die Resonanz auf dem Markt blieb aber aufgrund des sehr teuren Preises entsprechend gering.

Die mittlerweile längste Bauzeit und die meisten Abnehmer in Armeen rund um den Globus kann allerdings ein Modell vorweisen, dass in der damaligen Ausschreibung gegen den VW Iltis unterlag, der „Wolf“, die Militärversion der Mercedes-Benz G-Klasse.

Der Schah von Persien trieb die Entwicklung, die bei Mercedes-Benz und Steyr-Buch stattfand, voran. Die angedachte Bestellung für das iranische Militär wurde zwar storniert, aber die 400 bestellten Einheiten des Bundesgrenzschutzes waren nur der Anfang. Armeen von Norwegen, Argentinien bis Indonesien vertrauten auf den soliden Schwaben, bevor auch die Bundeswehr im großen Stil in Stuttgart einkaufte.

Den Wolf, Baureihe 461, gab es in zahlreichen Aufbauten und Karosserieformen, je nach den Bedürfnissen des Kunden. Die Militärversionen erhielten zumeist den 2,4 Liter Vierzylinder Diesel mit 72 PS. Nur wenige wurden als 300 GD mit 88 PS geordert. 1987 wurde der 240 GD durch den stärkeren Fünfzylinder-Diesel abgelöst und es war dann auch der 250 GD. der 1989 bei der Bundeswehr als Truppenfahrzeug eingeführt wurde.

offroad fahrzeuge im Katastrophenschutz

Es ist aber nicht nur das Militär, das Bedarf an geländetauglichen Fahrzeugen hat. Auch Hilfsorganisationen, Forst- und Landwirtschaftsbetriebe sowie Rettungsdienste müssen sich den Weg teils erst bahnen. Allein die Bergwacht Bayern zählte im Jahr 2020 fast 10.000 Einsätze, viele davon in schwer zugänglichem Gelände.

Offroader im Einsatz

Unimog – Der offroad Alleskönner

Je nach Einsatzzweck fanden unterschiedliche Fahrzeuge den Weg in die Flotten der jeweiligen Institutionen, von kleinen All Terrain Vehicles (ATV) bis zu schweren LKW. Für den Einsatz in besonders herausforderndem Gelände wird seit fast 80 Jahren auf die Kletterkünste des „Universal-Motor-Geräts“ von Mercedes-Benz, kurz Unimog gebaut.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begann man bei Böhringer in Göppingen mit der Entwicklung eines solchen Multifunktions-Gefährts. Ziemlich früh entschied man sich bei Böhringer und nach der Übernahme durch Daimler-Benz unter dem Stern für eine möglichst breite Angebotspalette, um allen Anforderungen gerecht zu werden. So entstanden unter anderem dem „Ur-Unimog“ der Baureihe 411, ab 1963 die mittlere Baureihe 406, die schwere Baureihe 425 (ab 1974) oder das bislang meistgebaute Modell, die Baureihe 404.

Mit diesem Portfolio – verbunden mit zahlreichen Karosserievarianten und Aufbauten – gelang es dem Unimog, in unzähligen Einsatzgebieten Verwendung zu finden. Von der Zugmaschine auf dem Acker bis zum Lebensretter im Hochgebirge.

Bleibt zu hoffen, dass man weder mit dem Militär-Wolf der Bundeswehr mehr als nötig zu tun hat oder gar mit dem Land Rover des Internationalen Roten Kreuzes oder dem Unimog der Bergwacht in Berührung kommt. Aber gut zu wissen, dass es zur Not Allradler gibt, die Helfern und Beschützern verlässlich zur Seite stehen.

Text Paolo Ollig Fotos Bundeswehr, DRK e.V., IKRK

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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