Nissan GT-R – Godzilla und der Kampf gegen die Platzhirsche

2011 Nissan GT-R Egoist

2007 kam der Nissan GT-R auf den Markt – die Zusatzbezeichnung GT-R hat jedoch eine deutlich längere Tradition. 1964 erhielt eine eigentlich recht biedere viertürige Nissan 2000GT Limousine einen Leistungs-Kit, den Beinamen GT-R und lieferte sich beim Grand Prix in Japan ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem Porsche 904. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Modelle, die die Buchstabenkombination GT-R im Namen tragen durften, immer potenter und sportlicher. Bis eben 2007 das aktuelle 2+2-sitzige Sportcoupé herauskam.

Mit dem NIssan GT-R starteten die JApanaer einen Angriff auf die Riege der Supersportwagen

Unter der vergleichsweise unauffälligen Coupé-Karosserie statteten die Japaner den Wagen mit geballter Technik für Spitzenleistungen aus. Der von zwei Turboladern aufgeladene V6-Motor mit 3,8 Litern Hubraum leistete anfangs 357 kW/485 PS. In mehreren Leistungs-Updates bringt die Nismo-Version 441 kW/600 PS. Ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe in Transaxle-Bauweise leitet das Antriebsmoment an alle vier Räder weiter.

Die Bewährung auf der Nordschleife

Reine Zahlen sind das eine – für den Erfolg eines Sportwagens entscheidend ist jedoch das Verhalten auf der Piste. Und da präsentierte sich der GT-R als würdiger Wettbewerber. Auf der Nürburgring Nordschleife, der Bewährungsprobe für jedes sportliche Auto, brannte der Nissan Zeiten in den Asphalt, die selbst die Platzhirsche von Porsche vorerst auf den zweiten Platz verbannten. Auch auf der eigenen Teststrecke des britischen Automagazins Top Gear schlug der Nissan GT-R die Konkurrenz von Lamborghini, Porsche und Chevrolet.

Damit hatte sich der Nissan GT-R Respekt und Anerkennung in der Szene sowie den Beinamen Godzilla verdient, aber reichte das auch, um beispielsweise in Italien die Käufer*innen von Ferrari und Lamborghini oder in Deutschland aus dem Porsche-Showroom zu locken? Die Antwort ist ein klares Jein. Es fanden sich in Europa genügend Interessenten, aber für den ganz großen Wurf sollte es etwas ganz Besonderes sein. So wie die Sonderserie „Egoist“.

Ein Egoist für Individualisten

Findige Marketing-Fachleute von Nissan skizzierten dort einen Plan, wie sie welche solventen Käufer gewinnen wollten. Mehr Leistung und vor allem mehr Exklusivität sollten der Schlüssel dazu sein.

Die Motorleistung wurde auf 530 PS erhöht und die Aerodynamik überarbeitet. Dazu kamen neue Bremsen zum Einsatz und auch das Fahrwerk wurde noch einmal verbessert. Im Innenraum wurden nur die edelsten Materialien verwendet. Rindsleder wohin man blickt, nicht nur Sitze und Mittelkonsole, sondern auch A- und B-Säule und die Türschwellen wurden mit dem feinen Material überzogen.

Ein Beispiel, wie viel Aufwand für das Besondere betrieben wurde, ist die Soundanlage von Bose. Kunden wurden extra für die Feinjustierung nach Japan eingeladen. Dort wurde die Anlage exakt auf die Körpermaße der Käufer in optimaler Position montiert und eingestellt.

Auch bediente sich Nissan bei allen Details vom Lenkrad-Emblem, das mit der japanischen Lackkunst Urushi veredelt wurde, bis zum leichten Carbon-Heckflügel nur im obersten Regal. Der Erfolg am Verkaufstresen blieb aber hinter den Erwartungen. Die Idee, ein einzigartiges Sammlerfahrzeug zu schaffen, mag in der Theorie gut durchdacht gewesen sein, ein eingefleischter 911- oder Corvette-Fahrer wechselt aber nicht so schnell seine Marke.

Es wurden nur 39 Egoisten gebaut, lediglich zwei davon als Linkslenker

Das macht diesen besonderen GT-R zum wahren Exoten. Und möglicherweise geht mit etwas Verspätung der Plan der Marketing-Abteilung auf.

Bei C.O.G. Classics aus Düsseldorf steht einer der beiden linksgelenkten GT-R „Egoist“ aktuell zum Verkauf. Auf der Retro Classics in Stuttgart im April war dieses Exemplar eines der Exponate auf dem C.O.G.-Stand. Ein ambitioniertes Unterfangen, einen japanischen Sportwagen von 2011 in Porsches Heimatstadt gegen die unterschiedlichen 911er antreten zu lassen. Aber Christian-Oscar Geyer, Geschäftsführer von C.O.G. Classics, hatte in diesem Punkt den richtigen Riecher. Der Egoist war einer der größten Eyecatcher der Messe. Zahlreiche Fotos wurden gemacht, Nach- und Anfragen gestellt und geschwärmt, gerade von den Jüngeren im Publikum.

Für die „Generation Playstation“ und Fans der Fast and Furious-Filme ist der GT-R ein Star

Schon als Serien-Variante hätten die meisten ihn als Traumwagen bezeichnet. Mit dem Stage 1 Leistungsupdate, das 441 kW/600 PS bringt, dem glänzenden Perlmuttweiß und der Einzelstück-Haftigkeit umso mehr. Der Nissan GT-R ist nicht nur in der Tuningszene eine Legende. Das tolle Design, die verspielte Innenausstattung, sowie die brachiale Leistung, machen ihn zum perfekten Alltagssportler. Der Egoist fühlt sich bei einem Trackday auf der Rennstrecke ebenso wohl, wie bei einer entspannten Fahrt auf der Landstraße.


Dieser seltene Nissan GT-R „Egoist“ von 2011 steht aktuell zum Verkauf.



Fotos Maximilián Balázs

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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