Morris Minor Convertible – Von führenden Ärzten empfohlen

Morris Minor Convertible Titel

Was wäre, wenn die Welt sich wieder etwas langsamer drehte? Wenn der Tag wieder echte 24 Stunden böte, statt uns in krankhaftem Übereifer zum Optimieren jeder Sekunde zu zwingen; wenn Autos wie der Morris Minor Convertible fester Bestandteil des Alltags wären? Sind wir mal ehrlich – wir alle sehnen uns nach etwas mehr Gelassenheit. Kontemplation statt Multitasking! Es mag viele Lösungen für dieses Problem geben. Doch nur wenige wirken so intensiv wie ein Morris Minor – am besten als offener Convertible. Der klapprige Oldie wirkt wie Wundermedizin: Er senkt innerhalb von Sekunden den Puls und sorgt für maximale Entschleunigung. Also, ab zur Kur nach Südengland!

Morris Minor Convertible – Minimaler Einsatz, maximaler Ertrag

Die größte Kunst des kleinen Briten besteht darin, mit wenigen Mitteln maximale Wirkung zu erzielen. Auf den engen Landstraßen Südenglands genügen seinem Motörchen 1000 Kubik voll und ganz. Das klapprige Fahrwerk, ungleichmäßig und wenig effizient verzögernde Trommelbremsen, das störrische Getriebe und so manch kleiner Regenschauer bremsen jede Form von Ambition ein. Hinterm großen, runden Bakelit-Lenkrad – weit entfernt vom Gedanken an eine Servolenkung – wird jede Steigung und jede Brise im Haar zu Erlebnis. Zeit wird wieder erfahrbar.

Die dunkelblaue Knutschkugel hat ihre besten Zeiten vielleicht schon hinter sich. Der bucklige Asphalt fordert das Allerletzte vom Morris, der als Äquivalent zum deutschen Volkswagen Käfer ab 1948 das Königreich in Massen mobilisierte. Unser Exemplar von 1962 hat matten Lack, dumpfen Chrom und ein vergilbtes Verdeck. Das Leder ist durchgesessen. Als „flimsy“ bezeichnet der Engländer gern solch betagte Klassiker. Es ist eine liebevolle Umschreibung für: Klappert höllisch, aber fährt. Nicht perfekt, aber authentisch. Und genau darum geht es doch: Wer schert sich um Concours-Standards, wenn einen auch altersschwache B-Ware zuverlässig ans Ziel führt? Eben!

Der Morris Minor Convertible in seiner natürlichen Umgebung

Im Morris Minor Convertible durch Südengland zu reisen – das müsste es eigentlich auf Rezept geben. Ab durch die Cotswolds, zurecht zur „Area of Outstanding Beauty“ erkoren. Hinauf ins Dartmoor, wo schlummernde Schafe auf der Straße im Nebel für so manche Überraschung sorgen. Weiter nach Cornwall, wo die keltische See im Sommer fast schon mediterranen Wind über den warmen Strand sausen lässt. Entlang der Steilküste von Lyme Regis, wo es die besten Fish & Chips gibt. Und vorbei an unendlichen Steinmauern durch überwucherte Wege, die wie Gräben sattgrüne Wiesen durchziehen. Dabei schallt ständig das sympathisch Röhren des kleinen Convertibles als muntere Melodie von den dichten Hecken am Straßenrand zurück.

Natürlich gibt es bessere, solidere und seltenere Klassiker als einen Morris Minor Convertible. Entspannter, unprätentiöser und charmanter kann ein Automobil aber kaum sein. Wenn weniger mehr ist, dann ist der Minor als Schnäppchen für den Sommer das ultimative Therapeutikum. Ganz ohne Risiken und Nebenwirkungen.

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Text und Fotos Sven Wedemeyer

Autor: Sven Wedemeyer

Auf einem Bein kann man nicht stehen, weiß der Volksmund. Deshalb schreibt Sven Wedemeyer nicht nur spannende Berichte für Classic Trader oder Lifestyle- und Fachmagazine, sondern blickt als Fotojournalist auch gern durch den Sucher seiner Kamera. Im Fokus hat der Petrol Head vor allem automobile Klassiker und besondere Motorräder // Traum-Klassiker: Bugatti 35B // Aktueller Klassiker: MGB GT V8

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