Mit der Rallye-Pagode von Mechatronik bei der Passione Caracciola

Passione Caracciola Mercedes Pagode 1

Jeder Job bringt Routine mit sich, manchmal auch unangenehme Aufgaben, mitunter aber auch glückliche Momente. Ganz sicher unter die Kategorie Glück fällt es, mit der Rallye-Pagode von Mechatronik bei der Passione Caracciola teilzunehmen.

Die Passione Caracciola ist eine der zahlreichen Oldtimer-Rallyes. Zu den vielen Alleinstellungsmerkmalen zählt, dass sich die Veranstaltung ganz dem Andenken von Rudolf Caracciola verschrieben hat. Die Strecke fährt an wichtigen Orten des berühmten Rennfahrers der 20er- und 30er-Jahre vorbei und auch das Rahmenprogramm steht in Kontext mit „Karratsch“. In der diesjährigen vierten Ausgabe der Passione fuhr das Teilnehmerfeld beispielsweise über den Klausenpass, den Ort, an dem Rudolf Caracciola seinerzeit das dortige Bergrennen sechsmal gewann.

Ein W 113 im sportlichen Gewand

Als passendes Fahrzeug für diese Veranstaltung stand ein Mercedes-Benz SL 230 aus dem Jahr 1964 zur Verfügung. Die Pagode kam allerdings eher sportlich und rallye-erprobt daher. Von den Spezialisten von Mechatronik wurde der vormals elegante Roadster zu einem gedrungenen Renner mit Überrollkäfig und Zusatzscheinwerfern umgebaut. Der originale Motor wurde allerdings verhältnismäßig behutsam angepasst.

Mechatronik war als einer der bedeutenden Sponsoren der Passione Caracciola ohnehin wieder sehr präsent im Teilnehmerfeld. Zum einen durch die sechs Fahrzeuge, zum anderen durch das Serviceteam, das fachkundig und zuvorkommend markenübergreifend allen Teilnehmern mit Rat und vor allem mit Tat zur Seite stand. Die sechs Mechatronik-Autos deckten das komplette Spektrum des Fahrzeugbestandes ab, vom originalen W111 Cabriolet, über modifizierte Autos wie die „Rennflosse“ W108 bis zum New Tech-Modell, einem W 113-SL mit 4.3 Liter AMG-Motor. Das weitere Feld war ähnlich abwechslungsreich, von seltenen Exoten wie einem FIAT 8V und einem Ermini 1100 bis zu geläufigeren, aber nicht weniger charmanten Oldtimern wie einem Porsche 911 Urmodell bis zum Citroën SM.

Anspruchsvolle Strecken und pittoreske Landschaften

Start der Rallye war traditionell Genf. Im Schatten der berühmten Fontäne im Genfer See ging es reichlich früh los, um dem Verkehrschaos durch den Besuch des Papstes zu entgehen. Die erste Etappe führte über 253 Kilometer nach Interlaken. Viel Zeit für die Teams aus Fahrer und Beifahrer blieb nicht, die erste Prüfung wartete bereits. Auch wenn für alle Teilnehmer der Spaß an erster Stelle stand, freiwillig möchte auch kein Team Strafpunkte bei den Zeitprüfungen kassieren. Verfahren wollte sich natürlich auch niemand, das Roadbook war aber akkurat ausformuliert, sodass kaum jemand einen großen Umweg in Kauf nehmen musste.

Die Königsetappe der Passione Caracciola war gewiss der zweite Tagesabschnitt von Interlaken nach Bad Ragaz. Auch wenn die Entfernung mit 229 Kilometern etwas kürzer als am ersten Tag war, hatte die Streckenführung schon etwas mehr majestätischer als am Freitag. Der eine Höhepunkt waren die Aufstiege über den Brüning- und den Klausenpass. Gerade letzteres war eines der Highlights der Passione 2018. An dem Ort, an dem Rudolf Caracciola in den 20er- und 30er-Jahren große Bergrennerfolge feierte, erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, was für Ansprüche solch ein Anstieg an Mensch und Maschine stellt. Je nachdem, welche Geschwindigkeit die Fahrerin oder der Fahrer anschlug, ob die Gangart eher beherzt oder gemächlich gewählt wurde, für einen Eindruck, wie es wohl für Rennfahrer vor 80 oder 90 Jahren gewesen sein muss, konnte man schon erhalten.

Der andere Höhepunkt lag eher neben der Strecke. Zur Mittagspause hatte sich der Rallye-Tross im Resort Bürgenstock versammelt. Hoch über dem Vierwaldstättersee hat man einen unübertroffenen Blick zum Pilatus, nach Luzern, Küssnacht und Schwyz bis zum Zuger See. Kein Wunder, dass die Pause von allen ausgereizt wurde, um auch keine Gelegenheit für ein Selfie auszulassen.

Der letzte Tagesabschnitt führte über 186 Kilometer von Bad Ragaz nach St. Moritz. Mit einem kleinen Abstecher über den Splügenpass nach Italien kehrte der Tross in den mondänen Wintersportort in die Schweiz zurück. Wie in den Tagen zuvor führte der Weg über enge Serpentinen und weite Berglandschaften.

Was von der Passione Caracciola 2018 bleibt

Die einzigartige Landschaft und die mondänen Rahmenbedingungen waren auch die Bestandteile der Passione Caracciola, die besonders in Erinnerung bleiben werden. Und natürlich die Fahrerlebnisse. Die Rallye-Pagode von Mechatronik war auf den Passstraßen genau in ihrem Element. Die ca. 160 PS in Verbindung mit dem straffen Fahrwerk sehnten sich förmlich nach dem nächsten Schwung in den Serpentinen. Die engen Schalensitze sorgten für den nötigen Seitenhalt in den kurvigen Passagen.

Rundherum eine sehr gelungene Veranstaltung, wenn der Organisator Paolo Spalluto nicht am letzten Abend beim Galadinner die Bombe hätte platzen lassen, dass die Passione Caracciola in dieser Form das letzte Mal stattgefunden hat. Wie man den findigen Macher aber kennt, werden er und sein Team gewiss schon andere Pläne in der Schublade haben. Wenn sich die Nachfolge-Veranstaltungen an der Passione Caracciola 2018 orientieren in Bezug auf Streckenführung, Fahrzeuge, Rahmenprogramm und Sponsoren, ist man auf jeden Fall auf einem sehr guten Weg.

Passione Caracciola Mercedes Pagode 4


Text und Fotos Paolo Ollig / Classic Trader

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL Roadster. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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