Mini-Serie „Die eilige Dreifaltigkeit“ – Lamborghini Countach

Sportlichkeit scheint in der DNA italienischen Automobilbaus zu liegen. Nicht umsonst kommen mit Ferrari, Lamborghini und Maserati drei der großen Sport-Marken aus Italien. Athlet ist aber nicht gleich Athlet, die größeren und kleineren Unterschiede machen eine Menge aus, wie man bei den drei Beispielen Maserati Merak, Ferrari 308 und Lamborghini Countach aus unserer Mini-Serie „die eilige Dreifaltigkeit“ sehen kann.

Lamborghini Countach – Der Extremist

Wer Ferrari sagt, muss auch den wilden, lauten Nachbarn erwähnen. Nachdem schon die Hawaiihemden beim 308 im Schrank gelassen wurden, sollen beim Namen Lamborghini auch die Legenden um die Rivalität von Enzo Ferrari und Ferruccio Lamborghini außen vor gelassen werden. Zumal der Wahrheitsgehalt ohnehin fragwürdig ist. Zweifelsfrei wählt man in Sant’Agata Bolognese stets einen anderen Ansatz als in Maranello. Der Lamborghini wirkt neben seinem Gegenstück mit dem „Cavallino rampante“ meist rauer, derber und extremer. Vielleicht am deutlichsten kann man den Extremismus Lamborghinis im Jahr 1974 bewundern, als der Countach erstmals ausgeliefert wurde. Das, was Marcello Gandini und Nuccio Bertone geschaffen hatten, brach mit vielen Konventionen und vielen althergebrachten Formen. Kompromisslos kantig, aggressiv und flach.

Ein Supersportler mit V12-Motor

Nur 1,07 Meter Höhe weist das erste Modell, der Countach LP400 auf. Über Scherentüren erreicht man das Cockpit unter der sehr flachen Frontscheibe. Dazu die großen Lufthutzen auf den hinteren Kotflügeln und die NACA-Lufteinlässe, die man ansonsten nur von Kampfjets und Raketen kennt. Und dort ist der Countach auch irgendwo zu verorten, wenn man ihn sieht und vor allem fährt. Angetrieben wurde der LP400 – der kurz zuvor erlittenen Ölkrise zum Trotz – von einem V12-Motor mit 3.929 cm3 Hubraum, der eine Motorleistung von 276 kW/375 PS erzeugte. Die zwölf Zylinder wurden längs im Heck eingebaut, daher die Abkürzung LP für „Longitudinale Posteriore“. Auch der Nachfolger LP400S hat den gleichen Motor unter der Haube, wegen geänderter Vorschriften sank die Leistung leicht auf 261 kW/355 PS.

Lamborghini Countach

Lamborghini Countach – Der einzig wahre kompromisslose Sportler?

Die Veränderungen an der Karosserie ebneten den Weg in die 1980er Jahre mit Kotflügelverbreiterungen und einem Frontspoiler. Optional wurde auch gerne der ausfallende Heckflügel gebucht, den man getrost in die Gattung der „Frittentheken“ einordnen kann. Fortan war es auch mit der Zurückhaltung im Bezug auf Leistung und Hubraum vorbei. Der Nachfolger LP500S kehrte zur Leistung von 276 kW/375 PS zurück, diesmal allerdings mit einem größeren V12 mit 4.754 cm3 Hubraum. 1985 kam mit dem LP5000S Quattrovalvole die größte und leistungsstärkste Variante auf den Markt. 5.167 cm3 Hubraum sorgten nicht nur für 335 kW/455 PS, sondern auch für Platzmangel im Motorraum. Die Haube musste etwas nach außen gewölbt werden, um dem Motor genug Raum zu bieten. Was für den stattlichen Aufritt aber durchaus zuträglich war.

Das Sondermodell zum 25. Jubiläum der Marke Automobili Lamborghini hat ebenfalls diesen Motor verbaut. In der Riege der Supersportler gehörte der Countach schon immer zu den raren, gefragten und teuren Modellen. Damals wie heute polarisiert der Countach. Für die einen ist er der einzig wahre kompromisslose Sportler, für die anderen der ungehobelte Versuch eines Traktorenherstellers mir Krawall für Furore zu sorgen.

Lamborghini Countach

Fotos: Automobili Lamborghini S.p.A.

Autor: Lennart Klein

Lennart Klein ist Redakteur beim Classic Trader Magazin. Seine Begeisterung gilt zwei- und vierrädrigen Klassikern gleichermaßen. Traum-Klassiker: Alfa Romeo GT 1300 Junior & Mercedes-Benz 600.

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