Mercedes-Benz G-Klasse: Unterschätzter Klassiker?

Mercedes-Benz G-Klasse

Unglaublich, aber wahr: Ohne den Schah von Persien hätte es wahrscheinlich nicht so früh einen Mercedes-Benz „G“-eländewagen gegeben! 1972 war die Welt für Mohammad Reza Pahlavi noch weitestgehend in Ordnung. Allerdings waren bereits Anfang der 70er nicht alle Nachbarländer dem Iran freundschaftlich verbunden, weshalb Reza Pahlavi eine starke Grenztruppe aufbaute. Diese sollten getreu dem Motto „das Beste, oder nichts“ in Mercedes-Benz Patrouille Fahrzeugen unterwegs sein…

Mercedes-Benz G-Klasse – Entwicklung & Produktion

Da es solche Fahrzeuge abgesehen vom grobschrottigen Unimog nicht gab, beauftragte der Schah, der damals Großaktionär bei der Daimler Benz AG war, diese mit der Entwicklung eines entsprechenden Geländewagens. „Bescheiden“, wie er war wollte er die Mercedes-benz G-Klasse übrigens auch zivil als Jagdwagen nutzen.
Da die Daimler Benz AG allerdings wenig Erfahrung im Bau von Geländewagen hatte, wurde Steyer-Daimler-Puch in Graz als Partner für Entwicklung und Produktion hinzugezogen, wo die Mercedes-benz G-Klasse seit 1979 bis heute nach unzähligen Modellpflegen noch gebaut wird.
Zu Projektbeginn hoffte man in Stuttgart Untertürkheim auf die Bundeswehr als zusätzlichen Abnehmer, die zwar bei Testfahrten großes Interesse an der Mercedes-Benz G-Klasse zeigte, letztendlich aber aus Kostengründen den von Audi entwickelten VW Iltis vorzog, obwohl der Mercedes G sich als zukünftig bester Geländewagen der Welt mit 3 zuschaltbaren Differentialsperren präsentierte.

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Die Zurückhaltung gegenüber dem G wich erst später; die Bundeswehr dachte der Mercedes-Benz G-Klasse dann aber sogar einen eigenen Namen zu: Im Bundeswehrjargon haben traditionell alle Fahrzeuge Wildtiernamen, weshalb der G dort „Wolf“ getauft wurde – ein diesem Meilenstein des Automobilbaus angemessener Name, wie hier angemerkt werden darf. (…die Frage, warum man dem VW allerdings den Namen eines harmlosen, possierlichen Kleintierjägers mit 1A Knuddel-Faktor gab, bleibt bis heute unbeantwortet)


Mercedes-Benz Classic G-Klasse


Mercedes-Benz G-Klasse – Kaufberatung

Wer heute einen G sucht, hat die Qual der Wahl vom restaurierungsbedürftigen 230 GE bis hin zum nagelneuen Mercedes-AMG 65 mit12-Zylinder Motor. Allerdings wird das „G-Modell“ heute nur noch mit langem Radstand und mit permanentem Allradantrieb angeboten.
Die „reine Lehre“ der Mercedes-Benz G-Klasse beschränkt sich für Liebhaber aber eher auf den klassischen, absolut puristischen W460/461 mit spartanischer Ausstattung. Das Problem: Bevor der SUV und Geländewagen-Boom in den frühen 90er einsetzte, wurden solche Fahrzeuge als Nutzfahrzeuge betrachtet – und auch so eingesetzt. Förster, Großbaustellenleiter, Jäger und Offroad-Abenteurer fuhren mit ihm jahrzehntelang über Stock und Stein, transportierten Felsbrocken, tote Wildschweine und jede Art von schwerem Gerät durch hüfthohes Wasser, Wüsten und über Schlammpisten. Der G konnte dies bei minimalem Wartungsaufwand klaglos verkraften – aber interessanter für Liebhaber wurde er dadurch nicht.
Nur wenige der frühen G´s haben daher in pflegender Hand überlebt. Meist als Behörden-, oder Feuerwehrfahrzeuge – die allerwenigsten aber in privater Hand. Z.B. rostfreie, kurze 280 GE´s mit Klimaanlage und Automatik trifft man daher in etwa so häufig im Markt an, wie die Blaue Mauritius beim Briefmarkenhändler um die Ecke.
Für welches Modell man sich entscheidet ist Geschmackssache; die Typenvielfalt ist groß. Hauptsache, der G wurde nicht zu hart rangenommen, ist rostfrei und komplett. Insbesondere Innenausstattungsteile sind kaum noch erhältlich. Fahrzeuge mit kurzem Radstand sind seltener, als 5-Türer mit langem Radstand.

Ein Modell der Mercedes-Benz G-Klasse fällt hier allerdings aus dem Rahmen: Das bis 2013 gebaute Cabrio der Baureihe 463 verzeichnete vor allem als G 500 seit Produktionseinstellung einen kometenhaften Wertzuwachs. Auch, wenn es das Potential zum Ritt durch die Kiesgrube hätte: Halb auf dem Bürgersteig der Kö parken dürfte das Maximum an Geländeeinsatz sein, was man einem G 500 Cabrio zutrauen würde.
P.S: Wer beim nächsten Stammtisch punkten will, kann ja mal in die Runde fragen, warum immer nur die Rede vom 460, 461 und 463 ist. Gab es keinen 462? …doch – als CKD Montage-Kit für den griechischen Markt.


Mercedes-Benz G-Klasse CabrioletMercedes-Benz G-Klasse Front


Fotos Daimler AG

Autor: Christian Nikolai

Christian schreibt regelmäßig für Classic Trader; in erster Linie über Klassiker mit Stern. Seit Ende der 90er arbeitete Christian im Marketing und Vertrieb der Daimler sowie für einige Mercedes-Benz Händler, wo er die dortigen Classic-Abteilungen aufbaute und führte. 2020 hat er sich mit seiner Automotive Unternehmensberatung "RaumLenker MotorConsult" selbständig gemacht, die sich mit der Entwicklung von Vertriebs- und Marketingkonzepten beschäftigt. Außerdem engagiert er sich für Kraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen. Auto-Enthusiasten steht er beim Kauf eines klassischen Fahrzeugs gerne zur Seite. Zum Abschalten steht eine klassische Blech-Vespa in seiner Garage.

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