Mercedes-Benz C 124 Kaufberatung

Mercedes-Benz C 124 Coupe (12)

Das Rezept, nach dem der Mercedes-Benz C 124 geschaffen wurde, hatte sich schon zweimal als überraschend verführerisch erwiesen: Sowohl beim „Strich-Acht“ als auch beim W 123, den beiden Vorgängerbaureihen des W 124 also, war es gelungen, reizvolle und durchaus erfolgreiche Coupé-Varianten auf die Räder zu stellen.

Mercedes-Benz C 124 123 Strich Acht Coupe (8)

Einfach umzusetzen ist eine solche Aufgabe nie, schließlich haben viertürige Limousinen grundlegend andere Aufgaben zu erfüllen als zweitürige Versionen, die mit dem Anspruch antreten, einer weniger dem schnöden Alltag verhafteten Klientel ein feines Fahrzeug für genussvolle Momente im Leben zu bieten. Das eine hat mit dem anderen nur begrenzt zu tun, auch wenn es durchaus Schnittmengen in den Anforderungen gibt: Ein unangreifbarer Nimbus, absolut zuverlässige Technik, gediegener Komfort und eine über alle Zweifel erhabene Solidität stehen auch einem Coupé gut, das qua Definition stets ein Stückchen näher an Dolce Vita und Jetset steht als rein nach pragmatischen Gesichtspunkten gewählte Fahrzeuge. Mercedes-Benz hatte früh erkannt, dass sich exakt aus dieser Kombination ein präziser Vorteil definieren lässt: Schönes kann auch richtig gut sein. Oder andersherum: Was richtig qualitätvoll ist, darf auch elegant sein.

Das Publikum sah die Lösung in der Baureihe 124 erstmals im März 1987. Auf dem renommierten Genfer Autosalon stellte Mercedes-Benz sein neues Coupé auf Basis der mittleren Baureihe vor – und konnte mit dieser dritten Karosserieversion sofort auch jene überzeugen, die gerne kritisierten. Der Applaus kam nicht von ungefähr: Bruno Sacco, damals Chefdesigner von Mercedes-Benz, war ein Meisterstück gelungen. Die klaren Linien, das austarierte Spiel mit Flächen, dazu der Verzicht auf schwülstiges Ornat verliehen dem W 124 Coupé eine moderne, sachliche Eleganz und optische Ruhe, die bis heute eindrucksvoll wirkt. Wie schon der Vorgänger blieb der Mercedes-Benz C 124 im Radstand exakt 85 Millimeter kürzer als der Viertürer, was zusammen mit dem niedrigeren Dach, den flacheren Scheiben und einem um 35 Millimeter tieferen Heckabschluss ein äußerst stimmiges Konzept bedeutete.

Marktwerte Mercedes-Benz C 124

Die Baureihe 124 ist bereits vor einigen Jahren spürbar in den Fokus der Liebhaber und Sammler gerückt. Nur wenige Fahrzeuge sind tatsächlich noch im Alltagseinsatz unterwegs, und tendenziell waren die sportlich-eleganten Vertreter der 124er-Modelle bereits als Neuwagen ein Fall für eher wohlhabende Menschen mit Hang zur arrivierten Ästhetik, die in den meisten Fällen genügend finanzielle Mittel zur Verfügung hatten, um ihren Wagen adäquat zu pflegen. Dass Coupés in Zustand 2 (und besser) besonders gesucht sind, beweist mittlerweile auch die sehr solide Preisentwicklung: Unter 10.000 Euro finden sich nur noch selten Angebote – es sei denn, der Interessent kann sich mit dem Einstiegsmodell E 200 Coupé begnügen, das tendenziell als einziges etwas preislichen Abstand von dieser Schwelle wahrt. Bei den anderen Modellen spielt für die Preisfindung die Motorisierung nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger sind eine belegbare Geschichte, die Ausstattung und insbesondere der Zustand.

Mercedes-Benz C 124 Coupe (1)

Die Blechteile erhielten die 124er-Coupés exklusiv, bei der Technik orientierten sie sich jedoch an den Limousinen, wenn auch nicht in vollem Umfang: Weder nagelnde Dieselmotoren noch voluminöse V8-Triebwerke fanden Platz in den serienmäßigen Coupés.
Zum Einstieg bot Mercedes-Benz mit dem 230 CE und dem 300 CE je einen Vier- und einen Sechszylinder an. Gut zwei Jahre später, im Herbst 1989, folgte mit der ersten Modellpflege nicht nur das optionale Sportline-Paket, sondern auch das neue Spitzenmodell 300 CE-24. 1990 rundete der zunächst für den Export vorgesehene 200 CE die Palette ab. 1992 folgte mit neuen Vierventilern eine moderne Motorengeneration, und im Juni 1993 benannte Mercedes-Benz seine Modelle um – der Buchstabe E rückte nun als Baureihen- Kennzeichen vor die Zahl. In die gleiche Zeit fiel die zweite Modellpflege, die neben einem Plakettenkühlergrill weitere Design-Details brachte. Ebenfalls ab 1993 krönte der E 36 AMG die Modellreihe, die in ihrer Gesamtbilanz auf rund 40 Prozent mehr Exemplare kam als ihr Vorgänger: Bis 1996 entstanden 141 498 Exemplare des 124er-Coupés.

Karosserie Mercedes-Benz C 124

Mercedes-Benz setzte das Coupé- Projekt gewohnt solide um: Trotz zweier fehlender Türen und nicht vorhandener B-Säulen liegt das Gewicht der Zweitürer – abhängig vom Modell – rund 20 bis 30 Kilogramm über dem vergleichbarer Limousinen-Modelle. Für dieses Plus sind umfangreiche Aussteifungen verantwortlich, die dem Coupé die gleiche Steifigkeit wie der Limousine verleihen.

Generell stehen die Modelle der 124er-Baureihe bis heute für hohe Verarbeitungsqualität und guten Rostschutz. Dennoch hat jedes Fahrzeug über die vielen Jahre seiner Existenz seine individuelle Wartungs- und Pflegegeschichte erfahren. Eine zentrale Prüfposition sollten vor einer Kaufentscheidung stets die Wagenheberaufnahmen darstellen, die als Indikator für den Gesamtzustand gelten können. Auch die beim Mercedes-Benz W 124 Coupé von Beginn an montierten breiten Schutzleisten, die sogenannten Sacco-Bretter, bergen Risiken. Hinter sie lässt sich nicht schauen, zumindest die Ränder sollten aber kritisch geprüft werden. Radläufe und -häuser dagegen sind leicht inspizierbar, ebenso das Blech hinter den vorderen Blinkern.

Mehr Aufwand erfordert ein belastbarer Check der Anlenkung der Hinterachsaufnahmen, der Bodenbleche sowie des vorderen Querträgers, der sich in der Tiefe des Motorraums verbirgt, dessen Reparatur jedoch im Zweifel einen erheblichen Aufwand erfordert.
Kritische Blicke auf die Tragstrukturen im Front- und Heckbereich können zudem Unfallschäden entlarven, die von außen kaum erkennbar sind.

Motor und Getriebe

Als über lange Zeit unauffällig und enorm solide haben sich die Motoren der Coupé-Modelle erwiesen, ganz unabhängig von ihrer Dimension. Das gilt zumindest dann, wenn ihnen ihre Vorbesitzer ein Mindestmaß an Pflege gönnten – eine belegbare Wartungshistorie mit konkreten Daten schafft hier zusätzliches Vertrauen. Treten Probleme auf, sind oft periphere Bauteile verantwortlich. So kann Verschleiß rund um die Zünd- und Einspritzanlage für Probleme im Betrieb sorgen. Profis stellen diese Themen jedoch vor kein unlösbares Problem: Sie finden heraus, ob Relais, Sensoren oder auch der Luftmassenmesser schwächeln. Gleiches gilt für überalterte Motorlager, die sich gerne mit dumpfen Schlägen oder Vibrationen bemerkbar machen, weil der Motorblock kaum gedämpft am Träger aufsitzt. Etwas tückischer verbergen sich Mängel in der Isolierung des Motorkabelbaumes. Mit einem handelsüblichen Messgerät lassen sich, eine gewisse Erfahrung und Sorgfalt vorausgesetzt, jedoch Fehler gut identifizieren. Kurzschlüsse zwischen einzelnen Kabeln können nicht nur Brände auslösen, sondern im Vorfeld auch Steuergeräte abschießen – ein teurer Defekt.

Als Serienausstattung erhielten alle Mercedes-Benz C 124 ein Fünfgang-Schaltgetriebe. Es harmoniert bestens mit den Motoren, allerdings können im Alter bei einzelnen Exemplaren Lagerschäden auftreten, auch können Gänge herausspringen. Generell gelten die Automatikgetriebe als unauffälliger und langlebiger. Sie können zudem, falls nötig, im Werk überholt werden.

Innenraum Mercedes-Benz C 124

Hier ist ein guter Eindruck viel wert. Denn von zu viel Sonne brüchig gewordene Oberflächen, aufgescheuerte Sitzwangen oder abgetretene Teppiche verraten nicht nur mangelnde Rücksicht des Vorbesitzers, sondern führen auch zu hohen Folgekosten, wenn ein vorzeigbares Interieur das Ziel ist. Dazu kommt, dass heute nur noch wenige Teile als Ersatz lieferbar sind – zu groß war die Vielfalt an Varianten.

Insbesondere gilt das für die aufwendigen Formstücke mit ihrem hochglänzenden Holzfurnier. Als sicherheitsrelevanter Punkt steht die Arretierung der beiden Sitzlehnen auf der Prüfliste. Sie wird über eine Hydraulik angesteuert.

Mercedes-Benz C 124 Coupe Interieur (5)

Instrumente und Bedienung

Ein Mercedes-Benz will nicht verspielt wirken und diesem Credo folgt auch der sachliche Aufbau der Instrumente des Coupés – trotz seiner exklusiven Note. Der Vorteil: Die in weit größeren Stückzahlen gefertigte Limousine sichert hier problemlosen Ersatz, wenn Bedarf herrscht. Was übrigens auch für das Radio gilt, das idealerweise dem Modell entspricht, das in der Datenkarte vermerkt ist.

In aller Regel gelten die Instrumente als langlebig, allerdings litten die frühen Exemplare oft unter dem ausgeblichenen Orange ihrer Zeiger – optisch störend, doch kein sicherheitsrelevanter Aspekt.

Ebenfalls nicht kritisch, jedoch enorm ärgerlich, sind Defekte an einer womöglich vorhandenen Klima- und Heizungsautomatik: Hier ergibt ein intensiver Check während einer längeren Probefahrt Sinn. Plötzliche Temperatursprünge sind Indizien für defekte Duoventile oder weisen auf einen Schaden an der Steuerung hin.

Getestet werden sollten aber auch alle anderen Optionen der Ausstattung, zum Beispiel das elektrische Schiebe-Hebe-Dach, falls vorhanden. Schäden können mitunter enorm aufwendig zu beheben sein. Ein unschönes Problem kann zudem das Zündschloss auslösen: Manche Exemplare neigen im höheren Alter zum Verhaken und dauerhaften Sperren. Die einzige Abhilfe schafft dann ein Austausch.

Räder und Fahrwerk

Es gilt als Plus bei der Bewertung, wenn das Coupé auf seinen originalen Rädern rollt, vorausgesetzt, ihr Zustand kann rundum überzeugen. Über Details zur Ausführung – zum Beispiel werkseitig montierte Leichtmetallräder – gibt die Datenkarte präzise Auskunft, die im Idealfall vorliegt.

Nennenswerter Verschleiß tritt bei höherer Laufleistung an den zahlreichen Buchsen und Lagern der hinteren Raumlenkerachse auf, die einst als fortschrittliche Konstruktion für Aufsehen sorgte. Ihre Überholung ist für Werkstätten jedoch Routine.

Ähnliches gilt für die Vorderachse: Hier fallen mitunter ausgeschlagene Traggelenke auf, zudem brechen nicht selten die unteren Windungen der Schraubenfedern weg. Weil dieser Bereich verborgen und damit schwer einsehbar liegt, wird dieser Fehler leicht übersehen.

Mercedes-Benz C 124 Coupe Aufhängung (16)

Spezialitäten des Mercedes-Benz C 124

Einen ersten Hinweis, ob wichtige Sicherheitsfunktionen wie Airbags oder das Automatische Sperrdifferenzial (ASD) funktionieren, geben die Kontrollleuchten. Sie dürfen keinesfalls dauerhaft brennen. Ebenso einfach zu kontrollieren ist die Funktion der aufwendigen wie charmanten Gurtbringer, die ihre Premiere zuvor in den großen S-Klasse Coupés feierten. Sie fahren bei eingeschalteter Zündung automatisch nach vorne, um das Angurten entscheidend zu erleichtern.

Wichtig ist zudem, dass sich die hinteren Seitenscheiben in ihrem kunstvoll-komplizierten Lauf ohne Unterbrechung öffnen und wieder schließen lassen.

Mercedes-Benz C 124 Coupe Gurt (6)


Modelle Mercedes-Benz C 124

230 CE
Fahrzeugdaten
Hubraum 2.299 cm3
Leistung 97 kW (132 PS)
V max. 200 km/h
Bauzeit 1987 – 1992

300 CE
Fahrzeugdaten
Hubraum 2.962 cm3
Leistung 132 kW (180 PS)
V max. 225 km/h
Bauzeit 1987 – 1992

220 CE / E 220 Coupé
Fahrzeugdaten
Hubraum 2.199 cm3
Leistung 110 kW (150 PS)
V max. 210 km/h
Bauzeit 1992 – 1996

320 CE / E 320 Coupé
Fahrzeugdaten
Hubraum 3.199 cm3
Leistung 162 kW (220 PS)
V max. 235 km/h
Bauzeit 1992 – 1996


Mercedes-Benz C 124 Clubs

Mercedes-Benz W 124-Club e.V. | Thomas Fietzke Pfaffenwaldring 15, 70569 Stuttgart | www.mbw124-club.de

Mercedes-Benz Interessengemeinschaft e.V. | Im Hang 16, 52428 Jülich | www.mbig.de

W 124CC-Club | Zum Bahnhof 24, 27404 Heeslingen | www.w124cc.de

Mercedes-Benz C 124 Bücher

Mercedes-Benz W 123-Club e.V., Kaufberatung W 124, Eigenverlag (ohne Jahr), 25,00 Euro (zzgl. 4,00 Euro Versand)

Heribert Hofner, Mercedes-Benz W 124: Eine Klasse für sich – Alles über den Urvater der E-Klasse, Heel Verlag (2014), 49,95 Euro. Hier kaufen.

Tobias Zoporowski, Praxisratgeber Klassikerkauf W 124: Alle Modelle von 1984–1997 – Limousine, Coupé, Cabrio & T-Modell, Heel Verlag (2015), 12,00 Euro. Hier kaufen.

Ein Beitrag in Kooperation mit dem Mercedes-Benz Classic Magazin und Looping Group.

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Text Thomas Wirth Fotos Götz von Sternenfels / Daimler AG

Autor: Looping Group

Looping Group ist ein Brand Publishing House mit den besten Storytellern auf allen Kanälen und Standorten in Hamburg, Berlin und München. Das Looping Studio Hamburg produziert auch das Mercedes-Benz Classic Magazin, aus dem wir diesen Text übernommen haben. Mehr Informationen über die Agentur finden Sie hier: www.looping.group

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