Le Mans Classic 2016

Le Mans Classic 2016

Mein erstes Mal… Days of Thunder! Ich habe verstanden! Aber mal von Anfang an. Ein freundlicher Geist hat mich zu Le Mans Classic 2016 eingeladen – Danke Sascha! Ein paar Tage vor der Veranstaltung bekomme ich die Nachricht. Ich nehme dankend an. Wellen freudiger Erwartung durchströmen meinen Körper, wie ein sechzehnjähriger Pennäler vor dem ersten Kuss, zumindest zu meiner Zeit, sehne ich meinen ersten Tag in Le Mans herbei. Was erwartet mich da, was kommt auf mich zu? Dresscode erforderlich – merkwürdig aber irgendwie auch gut. Ich begutachte also meine Garderobe, Stoffhose, Lederschuhe, Hosenträger, Hemden (gebügelt), Kappe und natürlich eine Sonnenbrille die Götz George alle Ehre gemacht hätte. Kurz: Ich bin ausreichend ausgestattet! Es kann also losgehen.
Eine lange Anreise, die ich für Besuche bei Händlern nutze, die ich einladen möchte auf Classic Trader ihre Fahrzeuge zu inserieren, bietet einen willkommenen Anlass die Anreise zu stückeln. So ist es entspannter, denn Le Mans ist dann doch knapp 1.300 km von Berlin entfernt. In Le Mans am Freitagnachmittag angekommen, hole ich meinen Bekannten ab, der mir die ein oder andere Logen Tür zu öffnen versprochen hat.

Le Mans Classic – Tag 1

Gegen 15.00 Uhr kommen wir an und betreten den Innenbereich der Strecke durch die Dunlop Brücke. Vor uns erstreckt sich bis zum sichtbaren Horizont ein gigantisches Feld voller Fahrzeuge, Menschen und Zelte, das in seiner Emsigkeit und wohlgeordnetem Chaos einem mittelalterlichen Heerlager in nichts nachsteht. Und plötzlich, während wir vom Hügel herabsteigen in das Getümmel, hören wir ein tiefes Brummen, das heranrast und auch schon wieder vorbei ist nur um gleich darauf wieder anzuschwellen. Ich weiß, dass diese Geräusche von der naheliegenden Rennstrecke herstammen, aber ich kann durch die Menschen und Absperrungen keine Fahrzeuge sehen. ABER ich kann sie hören. Und wie. Ein Donnergrollen schallt uns aus der Start und Zielgeraden entgegen. Eine Druckwelle aus infernalischem Röhren, Brüllen und Kreischen rollt auf uns zu und über uns hinweg. Ich schaue meinen Bekannten an und sehe mein Spiegelbild: ein strahlendes Leuchten in den Augen und ein breites – ein sehr breites Grinsen im Gesicht!
Wir schreiten also zielstrebig auf den Paddock zu, zu dem uns unsere Tickets berechtigen. Die Wege sind gesäumt von diversen Clubparkplätzen mit mal hier 30 Morgans, ein paar SM´s darunter zwei Rallyeversionen, Deutsch and Bonnet’s, unglaubliche Renntransporter wie der „Ecurie Ecosse“ säumen unseren Weg zu den Paddocks. Und hier stehen sie, die Fahrzeuge die sich in den nächsten Tagen das Vergnügen geben werden diese historische Strecke mehrfach zu befahren. Vorkriegs Talbots, Bentleys, Rileys, BMWs, Bugatti, Nachkriegs BMW, Ferrari, Porsche, Ford GT40, Jaguar, und viele mehr – alle stehen sie bereit für Ihre Rennen. Um sie herum arbeiten die Teams, schrauben, reparieren und optimieren. Ein Geruch von Benzin, Gummi und Adrenalin liegt in der Luft.
Wir begeben uns auf die Haupttribüne bis unters Dach. Von dort sehen wir das erste Mal die Monstren die hier über sie Start- und Zielgerade rasen. Von einem unglaublichen Schallpegel getrieben schießen diese Fahrzeuge im Rahmen der Trainingssessions über die Fahrbahn. Ich erkenne nur einige der Fahrzeuge und es wäre auch müßig diese hier aufzuzählen. Es ist eigentlich auch nicht in Worte zu fassen.
Für mich war es eine Offenbarung: Mitten im Gewitter zu stehen, und der Donner rollt über mich hinweg. Nicht einmal, nicht zweimal sondern geschlagene zwei Stunden lang knallt mir der Sound auf die Ohren. Ich spüre es körperlich. Das Vibrieren, das Heulen der Motoren. Was ein erster Tag…
Abends gehen wir noch in der Altstadt von Le Mans etwas essen – schwer genug war es einen Platz zu bekommen um die Uhrzeit – Es ist ja auch völlig irre, dass im Rahmen einer 24 Stunden Veranstaltung bei der ca. 150.000 Gäste erwartet werden die Gäste gern auch später zum Essen kommen wollen… Wie auch immer die Altstadt ist entzückend, es gibt noch ein wenig Kultur beim Rundgang um die Kathedrale in der mittelalterlichen Altstadt. Gern hätte ich ein bisschen Escargots oder mindestens Steak-Frites gehabt aber so wurde es nur ein Burger. Ein gewisses Unverständnis bleibt dennoch warum die hiesigen Restaurants so stur auf ihre Zeiten bestehen, wann wollen die denn Geld verdienen, wenn schon nicht zu den 24 Std. und den Le Mans Classic´s – von alleine können sie in diesem 150.000 Ort ja nicht überleben… Egal – Der Abend ist lau und der leichte Anflug von Ärger verraucht bei Bier und Burger. Was will man mehr nach diesem ersten Tag. Morgen ist ein zweiter Tag – Das will man!!


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Le Mans Classic – Tag 2

Um 11.00 Uhr wollen wir auf der Rennstrecke sein – eine halbe Stunde Anreise sollte reichen… Ich höre sie als Kenner förmlich lachen- wie auch immer, wir brauchen 2,5 Stunden bis wir endlich unseren Parkplatz finden. Nicht dort wie gebucht und bezahlt, sondern ein Ausweichparkplatz da alles andere überfüllt ist. Na immerhin können wir jetzt den Haupteingang nutzen!
Es ist 14.00 Uhr als wir endlich Bekannte treffen. Gemeinsam einen Drink nehmen und die Renault Racing Ausstellung betrachten. R8 Gordinis, Alpines und sogar einige R12 Gordinis (ich gebe zu ich bin Franzose und habe eine Schwäche für diese Autos – ganz im Gegensatz zu meinem Begleiter der seit frühester Jugend und berufsbedingt auf Porsche steht). Auf der Rennstrecke sehen wir nur ein paar ziemlich chancenlose Alpines…
Wir wandern aus der Hitze in eine gekühlte Loge, streifen auf dem Weg dahin durch die Paddocks und genießen die Atmosphäre – Le Mans Classic RACE DAY! Alles etwas hektischer aber dennoch geprägt von einer großen Gelassenheit.
Aus der Loge auf die Pits und die Start Zielgerade zu blicken ist dann ja noch einmal eine ganz andere Sache. Schön gekühlt bei einem leckeren Getränk in klimatisierter Umgebung… Hier könnte man länger verweilen. Ein paar gute Gespräche mit neuen Bekannten und nach einer guten Zeit in der Loge wandern wir zum Little Big Man in die Pits! Little Big Man: 100 Kinder starten in Maßstabsgetreuen Nachbauten im Le Mans Start auf die Rennstrecke. Auch hier wird schon gefightet wie bei den Großen. Ein Raunen und Lachen geht durch die Menge als die Little Big Men starten.
Im Anschluss daran dann die Vorkriegsoldtimer. Unglaublich mit welcher Chuzpe die Teilnehmer Ihre Autos um die Strecke steuern. Hier sind noch richtige Racer am Start. Da werden Talbots, Bugattis, Alfas, Rileys und noch viele andere klangvolle Marken über die Strecke gejagt als ob es kein morgen gäbe. Beeindruckend und wie immer LAUT!
Danach kommen die ersten Nachkriegsautos. Maseratis, Jaguar Typ C&D, Allard und Lotus jagen sich über die Strecke wie immer scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste. Mittlerweile betrachten wir das Rennen von der Terrasse des Porsche Experience Center Le Mans am Eingang der langen Start und Zielgerade. Hier führen zwei drei Kurven um das Center und ermöglichen die Sicht auf abenteuerliche Überholmanöver. Mit atemberaubendem Sound kommen die Fahrzeuge von einer längeren Gerade, schalten runter, überholen und schießen hinauf über die lange Tribünen gerade zur Dunlop Überführung oben auf dem Hügel. Welch ein Erlebnis das zu sehen. Hier werden wir den ersten Nachtrennen beiwohnen!
Le Mans Classic bei Nacht
Nachts ist das Treiben auf der Strecke noch beeindruckender. Lichter blitzen durch die Nacht, Flammen stoßen über hunderte von Metern aus den Auspuffrohren der Fahrzeuge, man sieht Funken sprühen, wenn sie über die Curbs rasen, Überholmanöver Seite an Seite, Sound bis zum Ohrenbersten. Großartiger Rennsport.
Leider ist dies unser letzter Abend beim Le Mans Classic – aber voller visueller, olfaktorischer und akustischer Reize wenden wir uns ab, in der Gewissheit beim nächsten Mal wieder dabei zu sein.


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Text Jan Engel // Fotos Classic Trader


Autor: Classic Trader

Die Classic Trader Redaktion besteht aus Oldtimer-Enthusiasten, die Euch mit spannenden Geschichten versorgen. Kaufberatungen, unsere Traum Klassiker, Händlerportraits und Erfahrungsberichte von Messen, Rallyes und Events. #drivenbydesire

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