Kolumne Zeitsprünge | Porsche 968 CS – Nur für den harten Kern

1993 Porsche 968 CS (1)

Abgespeckt, lauter und härter präsentierte sich der Porsche 968 CS 1993. Ein Erfahrungsbericht von Jürgen Lewandowski, erstmals erschienen in der Süddeutschen Zeitung 1993.

Ja, Porsche geht es nicht gut – obwohl sich mit dem neuen Carrera ein Silberstreifen am Horizont abzuzeichnen beginnt. Aber der 928 läuft nicht so, wie es dieser Grand Tourismo par Excellence verdient hätte, und der 968 ist trotz aller Qualitäten schlicht und einfach zu teuer – man will in diesen Preisregionen eben nicht 100.000 Mark für einen Vierzylinder ausgeben, wie gut er auch sein mag.

Exakt dies ist der Geburtsgrund für den Porsche 968 CS, der – in abgemagerter Version – nun zum Porsche Kampfpreis von 77.500 Mark für bessere Verkaufszahlen sorgen soll. Abgemagert bedeutet in diesem Fall aber nicht nur den Verzicht auf jeglichen Komfort-Unsinn wie elektrische Fensterheber oder eine Klimaanlage, sondern auch die Reduzierung von Eigenschaften wie Komfort und Bequemlichkeit. Um es klar zu sagen: Der 968 CS ist weder eine Familienkutsche für das Yuppie-Paar noch ein Alltags-Sportwagen für den alternativen suchenden Limousinenbesitzer – er ist das, was Porsche in den fünfziger und sechziger Jahren groß gemacht hat: ein kompromisslosen Sportwagen.

1993 Porsche 968 CS (3)

Keine Kompromisse im Porsche 968 CS

Das dokumentiert sich schon in den beiden engen und harten Sitzschalen, deren Kunststoffhüllen in Wagenfarbe lackiert sind und deren dünner schwarzer Stoffbezug jeden Rücken bei hochsommerlichen Temperaturen kürzester Zeit in Schweiß baden lässt. Und während der Restkörper durch die Saunaatmosphäre des Innenraums (auch hier überall schwarzes oder dunkles Tuch, das bereits beim Erahnen von Sonnenstrahlen Backofentemperaturen aufkommen lässt) aufgeheizt wird, weiß der Insasse sofort, warum Klimaanlagen in den letzten Jahren einen derartigen Aufschwung erfahren haben. Da es die engen Sitzschalen auch unmöglich machen, die Drehkurbel des rechten Seitenfensters zu erreichen, bläst der Wind nur durch das Fahrerfenster herein – was einen in der Meinung bestärkt, dass die Käufer dieses Gefährts zumindest über Basiserfahrung in der Masochistenszene verfügen müssen.

Doch genug der kleinlichen Kritik: Porschefahrer erwerben ihre Gefährte, um a) ein Fahrzeug mit außergewöhnlichen Fahrleistungen und einem ebenso außergewöhnlichen Fahrwerk zu erwerben und b) um sich mit einem immer noch attraktiven Namen zu schmücken. Beim 968 CS dürfte der erste Grund überwiegend, denn die Spar-Variante des 968 erreicht über 250 km/h und bewegt sich bereits nach knapp sechs Sekunden auf Landstraßen in dem Bereich, der Geld und Punkte kostet. Zusammen mit dem leicht und exakt zu schaltenden Sechsganggetriebe bietet der Fahrfreude im Übermaß, die spätestens dann Begeisterung auslöst, wenn man nach der Tankpause den Verbrauch ausrechnet: Zwischen neun und 13 Liter bleifreies Superbenzin fließen hier durch die Einspritzanlage.

Der Porsche 968 CS bietet – unter völligem Verzicht auf alles, was die Bezeichnung Federungskomfort verdient – großartige Fahrleistungen mit einem mehr als adäquaten Fahrwerk. Der bietet aber auch sehr wenig Ausstattung und manche Unbequemlichkeit, die heute bei keinem 30.000-Mark-Automobil mehr geduldet werden würde. Wer diese Diskrepanz zu schätzen weiß, kann mit dem 968 CS sehr glücklich werden – ansonsten wird Ihnen Ihr Porsche-Händler gerne seinen Vorführ-968 Komplett-Ausstattung zum gleichen Preis anbieten.

1993 Porsche 968 CS (2)


Dieser Text ist erstmals in der Süddeutschen Zeitung am 1. Dezember 1993 erschienen.


Fotos Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

Autor: Jürgen Lewandowski

Jürgen Lewandowski schreibt seit mehr als 40 Jahren über Menschen und Autos - und hat mehr als 100 Bücher veröffentlicht. Traumklassiker: Alfa Romeo 8C 2900 Touring Spider und Lancia Rally 037. Eigener Klassiker: Alfa Romeo R.Z. von 1993.

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