Kolumne Zeitsprünge | Opel OPC-Modelle – Emotionen sind gefragt

Opel Meriva OPC (3)

Sexy, stark und schnell – mit den OPC-Modellen versucht Opel, wieder an glücklichere Zeiten anzuknüpfen.

Der Name ist Programm: Wo Opel Performance Center drauf steht, muss auch Performance drinnen sein – und wenn man dann noch weiß, dass sich Hans Demant, der Vorstandsvorsitzende von Opel, sich alljährlich (sehr erfolgreich) beim 24 Stunden-Rennen am Nürburgring hinters Steuer setzt, um seine Marke erfolgreich ins Ziel zu bringen, ahnt man auch, dass sich hinter den OPC-Varianten eigenständige Modelle verbergen.

Modelle, die sich seit ihrer Markteinführung im Jahr 1999 nicht nur durch mehr Leistung von ihren Brüdern und Schwestern unterscheiden, sondern auch durch ein neues interaktives dynamisches Fahrsystem (IDSplus), eine deutlich sportlichere Optik mit ziemlich breiten Pneus sowie ein aufgewertetes Interieur mit Recarositzen und speziellen Instrumentarium. Und dass die beeindruckenden Fahrleistungen zu einem „exzellentem Preis-Leistungs-Verhältnis“ – so GM-Europe Marketing-Chef Alain Visser – auf den Markt kommen, wird die Attraktivität der „sportlichen Alltagsfahrzeuge mit hoher Variabilität“ (so Alain Visser) noch weiter erhöhen. Was nur wenige wissen: Der erste Astra OPC – damals noch mit 160 PS – wurde aus dem Zwang heraus, für den seriennahen Motorsport ein Basismodell in 2500 Exemplaren bauen zu müssen, geboren – dass letztlich 3000 Fahrzeuge geordert wurden, war dann der Startschuss für die offizielle OPC-Politik, bei der sich der 2001 vorgestellte erste Zafira OPC mit 12.000 verkauften Fahrzeugen bislang als Bestseller entpuppte.

Vier neue Modelle tragen die Bezeichnung OPC

Nicht weniger als vier neue Modelle stehen nun von Ende November an bei den Opel-Händlern: Der Astra OPC und der Zafira OPC mit dem auf 177 kW (240 PS) erstarkten 2,0-Liter-Turbo-Vierzylinder, der den Astra in 6,4 Sekunden auf 244 km/h und den Zafira in 7,8 Sekunden auf Tempo 231 beschleunigt – und wer es gerne etwas größer und noch schneller hat, kann nun den Vectra OPC als Limousine und als Caravan ordern. Hier sorgt ein neu entwickeltes 2,8-Liter-V6-Triebwerk mit zweiflutiger Turboaufladung für 188 kW oder 255 PS, die den Vectra zu 260 km/h (Limousine) und 254 km/h (Caravan) verhelfen.

Das sind beachtliche Werte, die der sonst eher bieder auftretende Marke zu einem Image-Schub verhelfen sollen – für Carl-Peter Forster, der als GM Vice President die Oberaufsicht hat, ist diese veränderte Wahrnehmung auch nötig: „Opel hatte dereinst mit Modellen wie dem GT, der ersten Manta-Generation oder dem Calibra hoch emotionale Modelle im Angebot – Modelle, die uns heute fehlen. Deswegen freuen wir uns auf die OPC-Varianten, die mit ihrem Temperament und der Opel-typischen Solidität zum fairen Preis verlorenes Terrain zurückgewinnen sollen.“

Opel Astra H OPC

Eine Symbiose aus Sportlichkeit, Komfort – und einem fairen Preis bei den Opel OPC-Modellen

Nach den ersten, kurzen Fahreindrücken muss man den Technikern rund um Hans Demant bescheinigen, dass die Modelle richtig gut gehen – was bei den PS-Zahlen kein so großes Wunder ist – und dass sie auch über ein mehr als adäquates Fahrwerk verfügen, das eine bemerkenswerte Symbiose aus Sportlichkeit, Komfort und problemloser Handlichkeit eingeht. Besonders stolz sind die Techniker auch auf die gute Bremsanlage sowie den satten Klang der Triebwerke, der seinen Teil zum Fahrspaß beiträgt.

So setzt man sich gerne in die sportlichen Recarositze und gewinnt rasch Zutrauen zu der Leistung – schließlich gibt es nur wenige Fronttriebler mit derart viel PS (auch wenn man beim Astra unter Volllast die mächtigen Kräfte von 177 kW und 320 Nm durchaus spüren kann). Diese OPC-Versionen lassen sich problemlos langsam und schnell bewegen – wobei sich die schnellere Gangart nahezu zwangsläufig einstellt, dafür vermittelt das Paket aus Motor, einem sehr gut abgestuften Sechsganggetriebe, Fahrwerk und gut zupackenden Bremsen zu rasch Vertrauen.

Wie bereits erwähnt: Die OPC-Modelle kommen dazu noch zu durchaus fairen Preisen auf den Markt – für den Astra OPC müssen als Basispreis 39.750 SFr. auf den Tisch gelegt werden, während der Zafira OPC als stärksten Van im Angebot für 44.950 SFr. zu bekommen ist. Etwas teurer ist natürlich der Vectra OPC, bei dem nicht nur der 188 kW starke Sechszylinder zum Einsatz kommt – das maximale Drehmoment liegt übrigens bei 355 Nm –, sondern auch eine reichhaltige Serienausstattung im Preis von 51.500 SFr. enthalten ist. Für den Caravan sind nochmals 450 SFr. draufzulegen. Bei diesen Preisen – und der dafür gebotenen Leistung und Ausstattung wundert es dann auch nicht weiter, dass die Schweiz – nach Großbritannien und Deutschland – der drittgrößte Markt für die OPC-Varianten ist.

Keine Frage: Diese OPC-Modelle tragen einen wichtigen Teil zur Reanimierung des Hauses Opel bei – und in ein paar Jahren werden es gesuchte Klassiker sein.


Dieser Text ist erstmals in der Neuen Züricher Zeitung am Sonntag vom 27. November 2005 erschienen.


Fotos FCA Germany GmbH

Autor: Jürgen Lewandowski

Jürgen Lewandowski schreibt seit mehr als 40 Jahren über Menschen und Autos - und hat mehr als 100 Bücher veröffentlicht. Traumklassiker: Alfa Romeo 8C 2900 Touring Spider und Lancia Rally 037. Eigener Klassiker: Alfa Romeo R.Z. von 1993.

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