Kolumne Zeitsprünge | Mazda RX-7 – Der letzte Wankelwagen

Mazda RX-7 (10)

„Das Mazda RX-7 Aggregat ist die wohl beste Verwirklichung meiner Ideen“, dieses Lob stammt aus berufenem Munde, von Dr. Felix Wankel – dem Mann, ohne den das neueste Geschöpf des Hauses Mazda, eben der RX-7 nicht möglich gewesen wäre.

Und Felix Wankel ist auch jederzeit bereit, die Vorzüge des von ihm erfundenen Wankel-Motors am Objekt zu demonstrieren – er stellt dann Markstücke auf den laufenden Motor und erfreut sich der Tatsache, dass sie stehen bleiben. „Wo sonst können Sie solch eine Laufruhe erleben?“ pflegt der Erfinder aus Lindau dann zu fragen, und dem Besucher fällt es schwer, darauf zu antworten.

Dabei ist der Motor nicht das einzige geglückte Teil dieses Wagens. Hier kommen noch mehr erfreuliche Dinge zusammen: eine formschöne, aerodynamisch günstige Karosserie – ein gutes, ausgeglichenes Fahrverhalten – ein für zwei Personen ausreichender Innen- und Kofferraum. Ein Fahrzeug also, dass auf den immer noch vorhandenen Sportwagenmarkt zugeschnitten ist.

Mazda RX-7 (15)

Mazda RX-7 – Gewohnte Laufruhe, ungewohnte Lebensdauer

Der interessanteste Teil des in Hiroshima entwickelten und gebauten Wagens ist aber der Kreiskolbenmotor, der unter der Leitung des „Wankel-Papstes“ Kenichi Yamamoto eine noch nicht gekannte Laufruhe und Lebensdauer erreicht haben soll. Hierfür spricht auch die Drei-Jahres- oder 80.000-Kilometer-Garantie, die Mazda auf das 105 PS- (77 kW-) Triebwerk gibt. Die Japaner haben aber auch von allen Herstellern die größte Erfahrung mit Kreiskolbenmotoren. Bereits 1961 unterzeichneten sie die Lizenzverträge und im Mai 1967 kam mit dem Mazda 110 S der ersten japanischen Wankelwagen auf den Markt. Mittlerweile wurden in Hiroshima über eine Million dieser Motoren gefertigt, und während der Rest der Welt sämtliche Wankelprojekte in die Schubladen geschoben hat, wird bei Mazda weiter voll auf diese Karte gesetzt.

„Natürlich hat dieser Motor auch Schwächen, seinen gegenüber Ottomotoren leicht erhöhten Verbrauch beispielsweise, aber die Vorteile wie gutes Abgasverhalten, der turbinenartige Lauf und die Tatsache, dass dieses Triebwerk aus wesentlich weniger Teilen besteht als ein Kolbenmotor, spricht für dieses Triebwerk“, so Yamamoto. Und den höheren Verbrauch bekämpft man eben mit einer sehr strömungsgünstigen Karosserie.

Mazda RX-7 Wankelmotor (16)

Mazda RX-7 – Mit Kampfpreis gegen Porsche 924

„Wir haben dieses Sportcoupé um den Motor herumgebaut“, so ein Pressesprecher des Hauses, „die Hauptaufgabe der Designer war es, eine strömungsgünstige und attraktive Karosserie zu schaffen, die bei kleinen Abmessungen zwei Personen ausreichend Platz bietet.“ Diese Aufgabe wurde einwandfrei gelöst, der Mazda RX-7, dem man eine gewisse Ähnlichkeit mit den Porsche 924 nicht abstreiten kann, sieht attraktiv aus und bietet den Raum, den zwei Personen mit Gepäck benötigen. Überflüssig ist allerdings die – vom Gesetzgeber vorgeschriebene – Rücksitzbank, hier wird eine Tauglichkeit für vier Personen vorgegaukelt, die nicht gegeben ist.

Im Innenraum findet der Käufer eine sportliche Atmosphäre: vor sich große Rundinstrumente, eine breite Mittelkonsole mit dem kurzen Schaltknüppel, der die Verbindung zum Fünfganggetriebe schafft. Störend die teilweise schlampige Verarbeitung, angenehm die guten Sitze.

Mazda RX-7 Interieur (14)

Nach Anlassen des Motors fallen zwei Dinge auf: erstens die Laufruhe und zweitens der sportliche und dennoch nicht aggressive Klang der Auspuffanlage. Hier hat sich Mazda viel Mühe gegeben, die Auspuffgeräusche, die offensichtlich von einem Sportwagen erwartet werden, in den Auspufftöpfen „synthetisch“ zu erzeugen.

Das Fahrverhalten selber ist sehr gut. Durch die Lage des Motors hinter der Vorderachse wurde eine gute Achslastverteilung erzielt, dazu kommt eine Einzelradaufhängung vorne und die bei Japanern offensichtlich obligatorische Starrachse hinten. Sie wurde allerdings durch ein Wattgestänge und durch einen Stabilisator gezähmt und sorgt für ein neutrales Fahrverhalten, das erst bei höheren Kurvengeschwindigkeiten in ein gut beherrschbares Übersteuern übergeht.

Mazda RX-7 Front (9)

Der Verbrauch lag, je nach Fahrweise zwischen 13 und 17 Litern Normalbenzin auf 100 Kilometer – nicht gerade wenig, dafür wurden aber auch Fahrleistungen von zehn Sekunden von 0 auf 100 km/h geboten.

Der Mazda RX-7 ist ein attraktiver, kleiner Sportwagen, dessen Nachteile gegenüber den direkten Konkurrenten, den Porsche 924, im höheren Benzinverbrauch und in möglichen Schwierigkeiten beim Service liegen. Seine Vorteile: der Preis von 22.186 Mark, der knapp 5000 Mark unter dem Vergleich Porsche liegt, und die Tatsache, dass dieser Wagen seltener und damit exotischer ist.

Dieser Text ist erstmals am 27. Juli 1979 in der Süddeutschen Zeitung erschienen.


Fotos Mazda Motors

Autor: Jürgen Lewandowski

Jürgen Lewandowski schreibt seit mehr als 40 Jahren über Menschen und Autos - und hat mehr als 100 Bücher veröffentlicht. Traumklassiker: Alfa Romeo 8C 2900 Touring Spider und Lancia Rally 037. Eigener Klassiker: Alfa Romeo R.Z. von 1993.

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