Kolumne Zeitsprünge | Maserati Levante

Maserati Levante (7)

Wenn man – wie ich – in Zeiten aufgewachsen, als man einem Maserati Ghibli oder Khamsin sehnsüchtig hinterher sah und den Niedergang mit Modellen wie dem Biturbo und die Wiederauferstehung mit dem angsteinflößenden Shamal erleben durfte, musste man die Neuausrichtung der Marke mit Limousinen mit Dieselmotor und der Etablierung von Maserati-SUVs mit leichter Irritation verfolgen. Es dauerte deshalb auch einige Zeit, bis der Wunsch, einmal einen Maserati Levante zu bewegen, größer wurde und ein Exemplar vor der Tür stand. Und nun ein Maserati-SUV? Die Hersteller sind ja letztlich Sklaven ihrer Kundschaft – und wenn Jaguar, Bentley und sogar Rolls-Royce ihre SUV brillant verkaufen, dann will natürlich auch Maserati von dem stetig wachsenden Kuchen seine Sahneschnittchen haben.

Maserati Levante (4)

Hatte ich zunächst damit gerechnet, dass sich Maserati die für einen Geländewagen nötige Technik beim ebenfalls im Konzern angesiedelten Hause Jeep ausleihen würde, so stellte ich dann fest, dass der Levante prinzipiell auf dem Ghibli – der im Ex-Bertone-Werk in Grugliasco bei Turin gebaut wird – basiert. Das 4×4-System – wie bei den Jeep-Modellen – kommt zwar ebenfalls von Magna Industrial, ist aber komplett anders abgestimmt und hat mehr Gemeinsamkeiten mit den X-Drive-Modellen von BMW, als mit denen von Jeep. Und im edlen und mit reichlich Leder garnierten Interieur und unter der Motorhaube gibt es auch keine Gemeinsamkeiten.

Maserati Levante Interieur (2)

Äußerlich zeigt der Maserati Levante mit seinem dominierenden Kühlergrill seine Präsenz – und der sich auf Wunsch auch gerne lautstark gebende 3-Liter-Sechszylinder stellt mehr als ausreichende 430 Cavalli bereit, die hypothetisch 263 km/h ermöglichen. Ein Wert, der jedoch mehr für den Stammtisch relevant ist. 430 Pferdestärken, die Dutzende von kleinen elektronischen Helferlein permanent beaufsichtigen und prima im Zaum halten. Der Maserati Levante gibt sich die Aura eines italienischen Gran Turismo – nur eben etwas höher, mit bequemeren Sitzen und einem Kofferraum, der auch der Signora die Chance gibt, bei größeren Ausflügen die nötige Ausrüstung mit Stil und Eleganz mitzuführen, die dem Wagen entspricht.

Maserati Levante (1)


Fotos Maserati S.p.A.

Autor: Jürgen Lewandowski

Jürgen Lewandowski schreibt seit mehr als 40 Jahren über Menschen und Autos - und hat mehr als 100 Bücher veröffentlicht. Traumklassiker: Alfa Romeo 8C 2900 Touring Spider und Lancia Rally 037. Eigener Klassiker: Alfa Romeo R.Z. von 1993.

Weitere Artikel

BMW M1 – Bayerns wahrer Supersportler der 70er

Als BMW 2004 den Begriff 1er zur Einführung der ersten Kompaktklasse wählt, sollte die Zahl 1 in Abgrenzung zu den Limousinen bewusst klein sein. Fügt man den Buchstaben M hinzu, wird aus der kleinen Zahl der größte Wurf seiner Zeit, der 1978 mit dem BMW M1 gelingt. weiterlesen BMW M1 – Bayerns wahrer Supersportler der 70er

Brexit Removal Flag Brussels

Der Brexit und die Auswirkungen auf den Klassikermarkt

Jahrelang schwebte das Damoklesschwert des Brexit über allem. Es betrifft politische und gesellschaftliche Fragen, vor allem aber die Märkte. Auch der Markt für Classic Cars ist davon betroffen. Wie wirkt sich der Austritt von Großbritannien nun über den Kauf und Verkauf aus und in das Vereinigte Königreich nach der Trennung aus? weiterlesen Der Brexit und die Auswirkungen auf den Klassikermarkt

Mini-Serie „Die eilige Dreifaltigkeit“ – Lamborghini Countach

Sportlichkeit scheint in der DNA italienischen Automobilbaus zu liegen. Nicht umsonst kommen mit Ferrari, Lamborghini und Maserati drei der großen Sport-Marken aus Italien. Athlet ist aber nicht gleich Athlet, die größeren und kleineren Unterschiede machen eine Menge aus, wie man bei den drei Beispielen Maserati Merak, Ferrari 308 und Lamborghini Countach aus unserer Mini-Serie „die eilige Dreifaltigkeit“ sehen kann. weiterlesen Mini-Serie „Die eilige Dreifaltigkeit“ – Lamborghini Countach