Kolumne Zeitsprünge | Audi Q8 50 TDI quattro – Bullige Eleganz

Audi Q8 50 TDI quattro (19)

Braucht die Welt SUV-Modelle in Coupé-Verpackung? Eine Frage, die ich mir bereits vor vielen Jahren, lange vor dem Audi Q8 50 TDI quattro, beim BMW X6 als Vorreiter dieser Mode gestellt habe – und damals wie heute habe ich noch keine wirkliche Antwort auf die Frage. Dafür hat heute jeder Hersteller mindestens eines dieser Modelle im Angebot. Es scheint also Bedarf für dieses Genre zu geben – und ehrlich gesagt: Es gibt Modelle, die wirklich gut aussehen. So wie der Audi Q8, der seit Mitte des letzten Jahres als Sahnestückchen die Autohäuser schmückt, das – kürzer und flacher als der Q7 – bulliger und dennoch eleganter als der Q7 geraten ist. Das ist kein Widerspruch, denn der Q8 wirkt trotz seiner Ausmaße relativ filigran.

Nun haben es SUV-Modelle ja – obwohl sie sich wie geschnitten Brot verkaufen – kein so gutes Image: Groß, schwer, durstig seien sie. Und da ist etwas dran, denn ein Q8 5.0 TDI wiegt leer 2,2 Tonnen, stellt dafür aber einen permanenten Allradantrieb und das Drehmoment eines Lastwagens zur Verfügung, mit dem auch zwei Pferde mitsamt der reitenden Tochter entspannt von Turnier zu Turnier transportiert werden können. Und das mit einem überzeugenden Raumangebot und der in diesem Segment gebotenen Eleganz und Qualitätsanmutung.

Mildhybridtechnik im Audi Q8 50 TDI quattro

Interessanter ist, welche aufwändige Technik hier zur Verbrauchsreduzierung zum Einsatz kommt: Eine Mildhybrid-Technik und ein 48-Volt-Bordnetz sind Serie, dazu stellt sich der Motor beim Ausrollen und bei Tempi zwischen 55 und 160 km/h beim Ausrollen automatisch ab – und setzt sich beim Gasgeben im richtigen Gang mit der richtigen Drehzahl wieder in Bewegung. Das ist so spannend, dass man zum Benzinspar-Junkie wird und so weit wie möglich gleiten möchte – was zu Verbrauchswerten um die 10 Liter führen kann, aber nicht muss, denn ein schwerer Gasfuß kann den Verbrauch rasch oberhalb die 15-Liter-Grenze befördern. Interessant ist, dass es nur eine Benzin-Variante (3 Liter Hubraum / 340 PS), aber drei Diesel-Versionen gibt (V6-Motor 231 / 286 PS – V8-Motor 435 PS). Klar, dass man im Q8 komfortabel, luxuriös und smooth reist, als Interessent aber zu akzeptieren hat, dass die Aufpreisliste lang ist.


Fotos Audi AG

Autor: Jürgen Lewandowski

Jürgen Lewandowski schreibt seit mehr als 40 Jahren über Menschen und Autos - und hat mehr als 100 Bücher veröffentlicht. Traumklassiker: Alfa Romeo 8C 2900 Touring Spider und Lancia Rally 037. Eigener Klassiker: Alfa Romeo R.Z. von 1993.

Weitere Artikel

BMW M1 – Bayerns wahrer Supersportler der 70er

Als BMW 2004 den Begriff 1er zur Einführung der ersten Kompaktklasse wählt, sollte die Zahl 1 in Abgrenzung zu den Limousinen bewusst klein sein. Fügt man den Buchstaben M hinzu, wird aus der kleinen Zahl der größte Wurf seiner Zeit, der 1978 mit dem BMW M1 gelingt. weiterlesen BMW M1 – Bayerns wahrer Supersportler der 70er

Brexit Removal Flag Brussels

Der Brexit und die Auswirkungen auf den Klassikermarkt

Jahrelang schwebte das Damoklesschwert des Brexit über allem. Es betrifft politische und gesellschaftliche Fragen, vor allem aber die Märkte. Auch der Markt für Classic Cars ist davon betroffen. Wie wirkt sich der Austritt von Großbritannien nun über den Kauf und Verkauf aus und in das Vereinigte Königreich nach der Trennung aus? weiterlesen Der Brexit und die Auswirkungen auf den Klassikermarkt

Mini-Serie „Die eilige Dreifaltigkeit“ – Lamborghini Countach

Sportlichkeit scheint in der DNA italienischen Automobilbaus zu liegen. Nicht umsonst kommen mit Ferrari, Lamborghini und Maserati drei der großen Sport-Marken aus Italien. Athlet ist aber nicht gleich Athlet, die größeren und kleineren Unterschiede machen eine Menge aus, wie man bei den drei Beispielen Maserati Merak, Ferrari 308 und Lamborghini Countach aus unserer Mini-Serie „die eilige Dreifaltigkeit“ sehen kann. weiterlesen Mini-Serie „Die eilige Dreifaltigkeit“ – Lamborghini Countach