Glemseck 101 – Die verrückten Sultans of Sprint

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Am vergangenen Wochenende (31. August bis 2. September 2018) fand auf der ehemaligen Rennstrecke vor den Toren Stuttgarts Europas größtes Biker-Festival statt: Glemseck 101. Highlight und Besonderheit sind an diesem benzingetränkten Wochenende mit knapp 40.000 Besuchern die Sprints auf der 1/8-Meile. Classic Trader hat in diesem Jahr die Königsklasse unter die Lupe genommen, die „Sultans of Sprint“.

Es gleicht einem Gladiatoren-Einlauf in die Arena, wenn sich die Teilnehmer der Sultans of Sprint durch die Zuschauermassen den Weg auf die ehemalige Start-und-Ziel-Gerade der Solitude-Rennstrecke bahnen. Und da in der Wertung auch die Kreativität und die Verrücktheit belohnt werden, schreiten entlang der Bikes Teammitglieder als Monster oder geschmeidige Kätzchen verkleidet, sehr zur Überraschung der Besucher.

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Viele Sieger bei Glemseck 101

Diese eher ungewöhnlichen Kategorien ergeben zehn Punkte, also genau so viel wie für jeden gewonnenen Zweikampf. Natürlich aber stehen bei den Sultans of Sprint diese klassischen PS-Monster aus ganz Europa im Vordergrund. Der Sieger pro Rennveranstaltung erhält 35 Punkte, der Zweitplatzierte 34 Punkte und der Drittplatzierte 33 Punkte. Sach- oder Geldpreise gibt es für die Kategorien “Best Paintjob Award”, “Best Bodywork Award”, „Best Burnout Award” und “Style & Engineering Award”.

Die Serie fuhr in diesem Jahr bereits bei „The Reunion“ im italienischen Monza und bei der „Biker´s Classics“ im belgischen Spa Francorchamps. Regelmäßig gesetztes Saison-Highlight ist die Kultveranstaltung „Glemseck 101“. Es folgen noch das „Dandy Riders Festival“ in St. Raphael sowie die Intermot in Köln. Zugelassen sind nur „Dragster“ mit luftgekühlten Zweizylinder-Triebwerken bis 1600 Kubikzentimeter. Dafür prädestiniert sind BMW-, Moto Guzzi– und Ducati-Triebwerke.

Die Geburtsstunde der Sultan of Sprints

Zur Erinnerung: Die Sultans of Sprint gehen auf die Initiative von Sébastien Lorentz von der Lucky Cat-Garage zurück. Dieser stellte vor vier Jahren mit seinem pfeilschnellen „Sprintbeemer“ die Szene völlig auf den Kopf. Der Franzose startete mit einer flachen, langgezogenen und vollverkleideten BMW, welche mit dem von Edelweiss Motorsport getunten Triebwerk fast unschlagbar war. Im Folgejahr traten die jungen Schweizer „Young Guns“ (Speed Shop) an, um den Sprintbeemer zu schlagen. Eine eigene Klasse von 2016 an war deshalb nur folgerichtig. Das war die Geburtsstunde der Sultans of Sprint, in der sich inzwischen rund 23 unterschiedlichste Motorräder messen. „Wir sind ein internationaler Wanderzirkus und ziehen von Achtelmeile zu Achtelmeile“, erläutert Sébastien sein Konzept.
Neu hinzu kam als die von der Motorrad-Industrie unterstützte Kategorie „Factory Class“ für Viertakt-Motoren mit Luft- oder Wasserkühlung. Die Basismodelle für 2018 sind Yamaha (XSR7 oder MT07), BMW Motorrad (RnineT oder R 1200R), Triumph (Thruxton oder Bobber) sowie Indian Motorcycle (Scout 1200). Bei BMW Motorrad entstanden zwei Bikes, um der Achtelmeile den Kampf anzusagen. VTR Customs nahm eine R 1200 R als Basis und Krautmotors eine RnineT Pure. Beide Sprinter sind nicht wiederzuerkennen.

Im Gegensatz zu den Gladiatoren im Römischen Reich stellen sich bei den Sultans of Sprint auch Frauen der Herausforderung, allen voran Amelie Mooseder . Die BMW-Managerin für die Bereiche Markenerlebnis und Product Placement fährt bereits im zweiten Jahr ein Motorrad der VTR Motorrad AG. Für dieses Jahr baute die Custom-Abteilung des BMW-Spezialisten in Schmerikon die spektakuläre „Spitfire“ als Hommage an die Jagdflugzeuge. Die Aluminiumhaut ist handgedengelt und als Besonderheit befindet sich im Schalldämpfer eine Flammenwerfer-Anlage integriert. Ansonsten gibt es viele Details für die hübsche Pilotin wie einen Schminkspiegel und eine Merkliste. Auf dem runden Corpus der Spitfire ist aber auch eine Holzschatulle auszumachen, in der eine limitierte Uhr von TW Steel integriert ist.

Amelies Auftritt ist hoch professionell. Die Kombination aus diesem martialisch anmutenden Motorrad und dieser mädchenhaften Frau ist unschlagbar. Ist es nicht herrlich, dass Frauen in der Caféracer-Szene Frauen bleiben und auch bleiben dürfen und trotzdem mit ausgefahrenen Krallen antreten, um die Männerwelt aufzumischen?

Die Ergebnisse und die Ergebnisse der Sultans of Sprint werden unter www.sultansofsprint.com angezeigt, weiter Informationen über Glemseck 101 gibt es unter www.glemseck101.de.

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Glemseck 101-Macher Jörg Litzenburger gelingt es Jahr für Jahr durch Neuerungen und Modifikationen die Caféracer-Kultveranstaltung lebendig zu halten, seit 14 Jahren. Neuerung in diesem Jahr wäre das Kräftemessen der Schnellsten der jeweiligen Klassen gewesen, damit ein Gesamtsieger gekürt werden kann. Leider hat es am Sonntag geregnet, so dass die finalen Rennen nicht ausgetragen werden konnten. Neu war aber auch, dass ein Elektro-Motorrad aus Italien starten durfte. Dieses aber entpuppte sich als kraftlos, was aber nicht an der Technologie an sich, sondern vielmehr an der Bauart gelegen haben dürfte. Glemseck 101 lebt aber auch durch besondere Gäste. So stellte sich beispielsweise der fünffache Weltmeister Mick Doohan auf einer Honda Racing CB 1100 R Factory den Gegnern im international Sprint, ebenso wie der ehemalige Schweizer Rennfahrer und Macao-Sieger 1997 Andy Hofmann, der diese Kategorie mit der BMW S1000R auch gewann. Indian schickte Star-Designer Roland Sands mit der FTR 750 auf die Achtelmeile und Isle of Man TT-Star Conor Cummins kam direkt von der Isle of Man zum Glemseck. Noch am Montag vor Veranstaltungsbeginn belegte er einen beachtlichen dritten Platz beim gefährlichsten Motorradrennen der Welt. Das Eröffnungsrennen am Samstag absolvierte übrigens der Landrat des Kreises Böblingen, Roland Bernhard, gegen den neuen Leonberger Oberbürgermeister Martin Kaufmann. Es gab auch faszinierende Eigenbauten wie die Harley mit Dreizylinder-Triebwerk oder die Norsuki, also eine Norton mit Suzuki-Triebwerk, welchem durch Turbolader zusätzliche PS eingehaucht wurden.

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Text Tobias Aichele Fotos Solitude GmbH

Autor: Classic Trader

Die Classic Trader Redaktion besteht aus Oldtimer-Enthusiasten, die Euch mit spannenden Geschichten versorgen. Kaufberatungen, unsere Traum Klassiker, Händlerportraits und Erfahrungsberichte von Messen, Rallyes und Events. #drivenbydesire

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