Frank Ruge, Projektleiter der Bremen Classic Motorshow, im Portrait
In den Classic Trader Portraits stellen wir Ihnen regelmäßig ausgewählte Oldtimer-Händler und Personen aus der Szene vor. Diesmal mit Frank Ruge, dem Projektleiter der Bremen Classic Motorshow.
Bitte stellen Sie sich kurz vor. Was sind Ihre Tätigkeitsfelder?
Mein Name ist Frank Ruge und ich bin seit 24 Jahren Projektleiter der Bremen Classic Motorshow in der Messe Bremen. Seit 2003 starten wir die Oldtimer-Saison in Deutschland. Dabei vereinen wir die ganze Bandbreite klassischer Fahrzeuge und präsentieren auf 52.000 Quadratmetern Oldtimer, Youngtimer, Modern Classics und historische Motorräder. Zudem bieten wir eine Verkaufsausstellung, einen großen Ersatzteilemarkt, Markenclubpräsentationen und eine vielfältige Fahrzeugbörse. Wir haben unsere Veranstaltung in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt und uns als beliebter und fachlich anerkannter Treffpunkt und Marktplatz im Norden Europas etabliert.
Wann sind Sie dem „Virus“ klassischer Fahrzeuge verfallen? Gab es ein Schlüsselerlebnis in Ihrer Kindheit / Jugend, das Sie zum Oldtimer-Enthusiasten gemacht hat?
Im Grunde bin ich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. Mein Großvater hat früher für Borgward gearbeitet, so dass ich durch ihn eine gewisse Faszination für historische Fahrzeuge erhalten habe. Aber so richtig geweckt wurde die Leidenschaft erst durch meine Arbeit für die Bremen Classic Motorshow.
Was mögen Sie an Ihrem Job am meisten – was am wenigsten?
Mein Anspruch ist es, die Veranstaltung stetig weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu machen. Das macht mir großen Spaß und ist gleichzeitig die größte Herausforderung, denn natürlich können wir das Thema nicht jedes Jahr komplett neu erfinden und doch müssen wir es schaffen, es generationsübergreifend interessant zu gestalten.
Welche Marken haben es Ihnen besonders angetan?
Grundsätzlich schätze ich vor allem Klassiker. Marken und Modelle, die sich aus der Masse abgeben und hinter denen eine besondere Geschichte steckt – zum Beispiel Lancia und Citroën wegen ihrer Ingenieurskunst oder sportliche Alfa Romeo.

Gab es ein Fahrzeug, das Sie besonders ins Herz geschlossen haben?
Ich glaube, sein erstes Auto vergisst man nie. Bei mir ist das der Ford Escort. Mit diesem Fahrzeug verbinde ich viele Erinnerungen, Emotionen und ein Gefühl von Freiheit.
Thema Wertsteigerung / -erhalt: Auf welches Pferd sollte man jetzt setzen? Wie glauben Sie wird es mit der Wertentwicklung in den nächsten Jahren weitergehen?
Ich sehe die jüngeren Baujahre (1980 bis 2005) als besonders zukunftsträchtig. Diesen Fahrzeugen widmen wir seit vergangenem Jahr einen eigenen Bereich auf unserer Messe am Stand der „Modern Classics“. Zu sehen sind dort unter anderem ein BMW Alpina B8 4.6 (E36) Coupé, der AMG 300 CE 6.0 „The Hammer“, Baureihe C 124, ein Mazda RX-7 FD und ein der Ford Focus RS.
Welches ist der aus Ihrer Sicht am meisten unterschätzte oder überschätze Klassiker und warum?
Die Citroën DS ist meiner Meinung nach im Markt noch unterbewertet. Potential sehe ich auch bei den jüngeren sportlichen BMW-Klassikern.

Sehen Sie einen personellen Generationswechsel im Markt für klassische Fahrzeuge? Wenn ja, wie stehen Sie dazu?
Ja, absolut. Es wächst eine neue, jüngere Generation heran – mit anderen Vorlieben und Interessen, neuen Kommunikationsstrukturen und Informationsquellen. Diese Menschen sind vermehrt online unterwegs und vernetzen sich weniger in Clubs. Das führt natürlich zu einem Wandel in der Szene und stellt auch uns als Veranstalter vor neue Herausforderungen. Mit den „Modern Classics“ und dem „Klassiker-Nachwuchs“, einer separaten Fläche für junge Enthusiasten, Einsteiger und Nachwuchstalente, begegnen wir diesem Wandel.
Was ist für Sie ein absolutes „Tabu“ in Sachen Klassiker?
Unauthentizität ist für mich das größte No-Go, also unseriöses oder respektloses Verhalten gegenüber Klassikern und ihrer Community. Der Fall Kienle hat eindrucksvoll gezeigt, wie es nicht laufen sollte. Aber auch Click-Baiting auf dem Rücken der Oldtimer-Szene finde ich schwierig.
Wo hört für Sie das Thema „Klassiker“ auf und vor allem warum?
Für mich persönlich gibt es keine klare Grenze. Im Rahmen der Bremen Classic Motorshow orientieren wir uns an der offiziellen Definition von Youngtimern: Fahrzeuge, die zwanzig Jahre und älter sind, bezeichnen wir als klassisch. Alles bis zwanzig Jahre gilt als modern.
Welche modernen Fahrzeuge haben für Sie das Potenzial, in 30 Jahren ein wirklicher Oldtimer zu werden?
Der VW Beetle Dune überzeugt meiner Meinung nach durch zeitloses Design kombiniert mit Sportlichkeit (Strandbuggy reloaded). Weitere Kandidaten sind Hot Hatches wie der Mercedes-Benz AMG A 45 S oder der Audi A1 quattro.

Wie sehen Sie die Zukunft des Klassikerhandels und welche Herausforderungen gibt es?
In allen Bereichen ist ein Generationswechsel auszumachen – auf die damit einhergehenden, sich verändernden Bedürfnisse, Interessen und Ansprüche sollte sich die Branche einstellen.
Welches Fahrzeug möchten Sie unbedingt noch einmal fahren und vor allem warum?
Mein Wunschfahrzeug ist ganz klar eine klassische DS Pallas.
Was sind Ihrer Meinung nach die schönsten Strecken, die man mit einem Oldtimer „erfahren“ kann?
Eine konkrete Lieblingsstrecke habe ich nicht, aber ich mag generell Landstraßen. Hier kann man fahren ohne zu stoppen, kann seine Gedanken ganz ohne Hektik schweifen lassen.
Gibt es Veranstaltungen, die Sie Klassikerfreunden ans Herz legen würden?
Natürlich die Bremen Classic Motorshow, das nächste Mal vom 30. Januar bis 1. Februar. Die Veranstaltung ist Marktplatz und Treffpunkt, sie vereint Enthusiasten mit Experten, sie lädt zum Staunen, Stöbern und Netzwerken ein. Die Bremen Classic Motorshow ist mehr als eine Messe – sie ist ein Erlebnis, das Nostalgie, Fachkompetenz und automobile Leidenschaft in drei intensiven Tagen bündelt. Ein Pflichttermin für alle, die Klassiker lieben, sammeln und gestalten oder einfach den besonderen Charme historischer Mobilität genießen möchten.
Was würden Sie einem „Oldtimer-Neuling“ am liebsten mit auf den Weg geben?
Vernetzt euch! Tauscht euch mit Gleichgesinnten und Experten aus, geht aktiv auf die Community zu und ihr werdet herzlich empfangen.
Danke für das Gespräch, Frank Ruge.

Infos zur Bremen Classic Motorshow 2026
Datum: 30.01. – 01.02.2026
Ort: Messe Bremen, Findorffstr. 101, 28215 Bremen
Tickets ab 10,00 €
Weitere Informationen und Tickets unter www.classicmotorshow.de
Fotos M3B GmbH / dots & boxes, Studio Moin, Sven Wedemeyer
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