Ferrari Pinin – Eine einmalige Kreation

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Die Besucher des Turiner Autosalons im Jahr 1980 trauten ihren Augen nicht, ein viertüriger Ferrari war schließlich undenkbar. Das einmalige Experiment der Ferrari Limousine geht auf die italienische Designlegende Sergio Pininfarina zurück. Bis heute strahlt der italienische Exot Eleganz und Sportlichkeit aus. Auf der Basis eines Ferrari 412 wollte er ein italienischen Pendant zu Oberklasse-Limousinen wie dem Maserati Quattroporte, Mercedes 450 SEL 6.9 und Jaguar XJ etablieren. Das 50. Firmenjubiläum Pininfarinas schien ein passender Zeitpunkt, Enzo Ferrari von diesem recht experimentellen Konzept zu überzeugen.

Ferrari Pinin – Geschichte eines Unikats

Der Ferrari Pinin wurde vom italienischen Designer Leonardo Fioravanti entworfen, der für Pinfinarina bereits am Fiat 130 Coupé und dem Ferrari 365 GT4 2+2 mitgewirkt hatte. Unterstützt wurde Fioravanti durch Diego Ottina, der den Entwurf in einigen Details überarbeitete und einem Feinschliff unterzog. Ganz im Stile vorheriger Projekte war auch der Ferrari Pinin mit glattflächigen Linien und einer hoch aufgebauten Fahrgastzelle ausgestattet. Mit Hilfe der geschickt verbauten Seitenfenster erweckte man den Eindruck großflächiger Verglasung. Die Türgriffe des Wagens waren versenkt und gemeinsam mit den Türschlössern in die Sicke integriert. Vom klassischen Ferrari-Design inspiriert übernahm Opel beim Senator den vergitterten Kühlergrill, der durch die Stoßstange brach und bis zu den Frontspoilern hinabreichte. Die weiß verglasten Rückleuchten wurden erst bei der Aktivierung durch den Fahrer farbig – Pininfarina verwendete dieses Konzept einige Jahre später beim Cadillac Allanté. Der Innenraum war äußerst großflächig mit Leder ausgestattet, auf ein herkömmliches Armaturenbrett sollte zugunsten eines Displays verzichtet werden. Für die Serienproduktion plante Ferrari eine Kooperation mit Borletti, zu der es allerdings nicht kam. Der Ferrari Pinin sollte mit einem Frontmotor und Hinterradantrieb ausgestattet werden, vorgesehen war ein 5-Liter-V-12-Flachmotor, der auch im Ferrari 512 BB verbaut wurde.


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Ferrari Pinin – Warum es bei einem Unikat blieb

Die Entscheidung gegen eine Serienproduktion des Ferrari Pinin wurde 1981 gefällt. Enzo Ferrari war laut Fioravanti der Meinung, dass Ferrari den hohen Qualitätsansprüchen einer viertürigen Limousine nicht gerecht werden könne. Da bei herkömmlichen (zweitürigen) Ferraris stets die Sportlichkeit im Vordergrund stand, wurden leichte Qualitätsmängel hingenommen und toleriert – mit dem Vorstoß in das Oberklassesegment hätte man eine neue Zielgruppe erschlossen, die wohl weit weniger nachsichtig gewesen wäre. Um den Ruf des Unternehmens nicht zu gefährden, wurde die Idee einer Serienproduktion des Ferrari Pinin verworfen und der Wagen blieb ein Einzelstück.


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Das Unikat wurde nach seiner Präsentation in Turin in die USA verschifft, wo bei verschiedensten Events das Kundeninteresse untersucht wurde. Im Jahr 2008 wurde der Ferrari Pinin von einem privaten Käufer erworben, der den ehemaligen Ferrari-Mitarbeiter und Ingenieur Mauro Forghieri beauftragte, den Wagen fahrbereit zu machen. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte der Wagen nicht aus eigener Kraft bewegt werden. Forghieri und sein Konstruktionsbüro Oral Engineering nahmen sich dem Ferrari Pinin an und konstruierten verschiedenste Komponenten wie den Antriebsstrang und den Tank. Motorisiert wurde der Wagen wie vorgesehen mit dem Zwölfzylinder des Ferrari 512 BB. Seit 2011 ist der Wagen fahrbereit und steht nun zum Verkauf – eine einmalige Chance ein einmaliges Fahrzeug zu erwerben.


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Text Jan Fröhlich // Fotos Classic Trader


Autor: Jan Fröhlich

Jan Fröhlich ist Redakteur beim Classic Trader Magazin und begeistert sich leidenschaftlich für klassische Fahrzeuge. Traum-Klassiker: Mercedes Benz 300 SL & Porsche 356 Eigener Klassiker: Velo Solex 3800 von 1968

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