Erhard Schnell – Der Mann, der Opel Schwung verpasste

Erhard Schnell Opel GT Titel

Es gibt die weltberühmten Designer, deren Namen man auch über die Automobilszene hinaus kennt. Und es gibt diejenigen, die nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen, aber nach deren Autos man sich schon umgedreht hat oder den man schon gesessen hat. So wie bei den Autos von Erhard Schnell, der mehr als 30 Jahre das Design bei Opel leitete und dabei zahlreiche Fahrzeuge entwarf.

Kadett B und D, GT, Rekord C, Manta A, Ascona B, Vectra und Calibra, um nur einige zu nennen. Bei nahezu allen wesentlichen Modellen der Rüsselsheimer Marke hatte Schnell seine feinen Finger im Spiel und prägte das Erscheinungsbild der Fahrzeuge mit dem Blitz.

Mit 25 Jahre begann Erhard Schnell bei Opel als Absolvent der Offenbacher Werkkunstschule, der heutigen Hochschule für Gestaltung. Zunächst kümmerte er sich als „Gestalter“ – wie es damals hieß – um Schriftzüge, Logos und Innenraum-Design. Bis in die 60er Jahre hinein wurde das Design vom GM-Mutterkonzern vorgegeben. Für ein neues Modell kam der Basis-Entwurf aus Detroit, in Rüsselheim wurden dann nur die Zierelemente, Schriftzüge und das Interieur gestaltet. Also genau das, was Schnell zu Anfang seiner Karriere gestaltete.

1961 hospitierte Schnell selbst im GM Tech Center in Detroit, 1964 eröffnete schließlich das Opel Styling Studio in Rüsselheim unter der Leitung von Clare MacKichan. Dort entstand der vielleicht größte Wurf von Erhard Schnell: der Opel GT. Zunächst wurde am Experimental GT gearbeitet, der 1965 auf der IAA in Frankfurt präsentiert und gefeiert wurde. Drei Jahre später kam die Serienversion auf den Markt. „Rassig, edel, ästhetisch, harmonisch. Höcker vorne und hinten, ähnlich der damaligen Corvette“, sagte Schnell nicht ohne Stolz. Und das zurecht, bis heute strahlt der GT auf das gesamte Markenbild aus.

Erhard Schnell Opel Walter Röhrl (21)

Von Kadett bis Calibra – Design by Erhard Schnell

Aber auch den Fahrzeugen für die breite Masse gab Schnell neuen Schwung. Der Rekord C erhielt die schlanke Coke-Bottle-Linie. Und Jahre später stellte er mit den Corsa A einen sachlichen Kleinwagen auf die Straße, der mehr als zehn Jahre gebaut wurde. Sein „Lieblingswagen“ ist rückblickend etwas überraschend sein letzter Entwurf vor dem Ruhestand, der Calibra. Schnell gefällt an dem Coupé die „neue, moderne Formensprache. Hier hatte ich komplett freie Hand“.

Auch nach seinem Ausscheiden bei Opel blieb er der Marke eng verbunden. Auch wenn er nun nur noch privat zeichnete und entwarf. Am vergangenen Wochenende verstarb Erhard Schnell im Alter von 92 Jahren in seiner hessischen Heimat und hinterlässt weit mehr als nur Modelle wie GT, Kadett und Calibra.


Fotos Opel Automobile GmbH

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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