Emil Frey Classic Auctions im Classic Trader Portrait
In den Classic Trader Portraits stellen wir Ihnen regelmäßig ausgewählte Oldtimer-Händler und Personen aus der Szene vor. Diesmal mit Claudia Stiller von Emil Frey Classic Auctions.
Bitte stellen Sie sich und Ihr Unternehmen kurz vor. Was ist das Spezialgebiet Ihres Unternehmens?
Mein Name ist Claudia Stiller und ich bin für die Auktionsleitung der Emil Frey Classic Auctions zuständig. Wir sind auf die live Vermarktung von Oldtimern und exklusiven Fahrzeugen spezialisiert.
Wie ist die Auktionssparte innerhalb der Emil Frey AG positioniert?
Wir haben das Projekt im Sommer 2024 lanciert und sind nun im 2025 in das Emil Frey Classic Center integriert worden.
Wo liegen die Vorteile – für Verkäufer und Käufer – bei Auktionen gegenüber dem „klassischen“ Vertriebskanal?
Unser Fokus liegt auf der Auktion von seltenen und speziellen Fahrzeugen, die sowohl die Leidenschaft von Sammlern wecken als auch eine investitionswürdige Wertanlage darstellen. Unser Ziel ist es, den gesamten Verkaufsprozess transparent und professionell zu gestalten. Deshalb bieten wir den Verkäufern wie Käufern diese Plattform der live Auktion an.
Gibt es beim Auktionsgeschäft mit klassischen Fahrzeugen besondere Herausforderungen verglichen mit anderen zu versteigernden Gegenständen? Haben Sie den Eindruck, Käufer und Sammler nehmen Auktionen genauso gut an?
Ja, das Auktionsgeschäft mit klassischen Fahrzeugen bringt einige besondere Herausforderungen mit sich. Im Vergleich zu anderen versteigerten Gegenständen müssen wir bei Oldtimern oft mit sehr spezifischen Details und Zustandsbewertungen arbeiten. Käufer haben oft ein hohes Mass an Fachwissen und erwarten präzise Informationen zu Restaurierungen, Originalität und Historie des Fahrzeugs. Ein weiterer Aspekt ist die Marktvolatilität, da der Wert klassischer Fahrzeuge je nach Modell und Zustand stark schwanken kann.
Was den Verkauf betrifft, so sind Auktionen für Sammler und Enthusiasten von Oldtimern nach wie vor eine attraktive Möglichkeit, seltene Fahrzeuge zu erwerben. Sie schätzen die Transparenz und die Chance welche unser Haus bietet, um ein einzigartiges Fahrzeug zu einem fairen Preis zu ersteigern. Insgesamt denken wir, dass Auktionen sehr gut angenommen werden, besonders wenn sie mit der richtigen Expertise und einem klaren, transparenten Verkaufsprozess durchgeführt werden.

Welche Marke(n) und Modelle hat / haben es Ihnen persönlich angetan? Welches sind Ihre drei Lieblingsklassiker und warum?
Persönlich begeistern mich besonders englische Fahrzeuge, da sie in Sachen Anmut und Eleganz für mich unerreicht sind. Marken wie Aston Martin, Jaguar oder Bentley verkörpern für mich den Inbegriff von Luxus und Stil – sowohl in der Optik als auch in der Fahrweise. Diese Fahrzeuge haben eine ganz eigene Klasse, die schwer zu toppen ist. Andererseits hat mich Porsche schon immer fasziniert. Schon in meiner Kindheit war ich von diesen formschönen und kraftvollen Modellen begeistert.
Meine drei Lieblingsklassiker wären daher:
1. Aston Martin DB5 – Ein wahres Kunstwerk der britischen Ingenieurskunst und für mich ein Symbol für Eleganz und Luxus.
2. Jaguar E-Type – Die perfekte Mischung aus Performance und Schönheit, eines der ikonischsten Autos aller Zeiten.
3. Porsche 911 (1960er-1980er Jahre) – Ein Fahrzeug, das sowohl emotional als auch technisch begeistert.
Was war das außergewöhnlichste Fahrzeug, mit dem Sie es bisher zu tun hatten?
Das außergewöhnlichste Fahrzeug, mit dem ich bisher zu tun hatte, war der Bugatti Type 59/50 B Monoposto von 1936. Dieses Modell ist nicht nur ein Ingenieurskunstwerk, sondern auch ein absolutes Juwel der Automobilgeschichte. Es wurde für den Rennsport entwickelt und ist mit seiner Kombination aus technischer Raffinesse und historischer Bedeutung ein faszinierendes Fahrzeug. Die leistungsstarken Motoren und das einzigartige Design machen den Type 59/50 B zu einem der legendärsten Rennwagen dieser Ära.
Die Seltenheit dieses Modells und die Tatsache, dass es zu den frühen Meilensteinen der Bugatti-Geschichte gehört, machen es zu einem echten Highlight in meiner Karriere. Die Faszination für die Technik und die Geschichte, die dieses Fahrzeug ausstrahlt, ist wirklich unbeschreiblich.
Thema Wertsteigerung / -erhalt: Auf welches Pferd sollte man jetzt setzen? Wie sehen Sie den Klassikmarkt aktuell? Wie glauben Sie wird es mit der Wertentwicklung in den nächsten Jahren weitergehen?
Der Klassikmarkt hat sich in den letzten Jahren als stabil und oft sogar als wertsteigernd erwiesen, insbesondere bei seltenen und gut erhaltenen Modellen. Klassische Fahrzeuge sind nach wie vor eine attraktive Investition, besonders wenn es sich um limitierte Auflagen oder ikonische Modelle handelt.
Aktuell sehe ich Marken wie Porsche, Ferrari, Jaguar und Aston Martin als besonders vielversprechend. Besonders Fahrzeuge wie der Porsche 911 (ältere Modelle) oder Ferrari 250 GTO haben sich nicht nur als wunderschöne Autos, sondern auch als solide Wertanlagen erwiesen. Aber auch der Jaguar XK bis Jahrgang 1960, oder Fahrzeuge von Mercedes-Benz der 60er und 70er Jahre bieten Modelle, die in den kommenden Jahren weiter an Wert gewinnen könnten. Der Fokus auf Originalität, wenig gefahrene Modelle und gute Restaurierungen sind hier entscheidend.
Was die Zukunft des Klassikmarkts betrifft, so bin ich optimistisch, dass wir weiterhin eine positive Wertentwicklung sehen werden, insbesondere bei Fahrzeugen mit historischer Bedeutung oder einem gewissen Kultstatus. Gleichzeitig könnte sich die Nachfrage nach elektrischen Klassikern oder Restomod-Projekten in den nächsten Jahren verstärken, da immer mehr Sammler den Charme des klassischen Designs mit modernen Technologien kombinieren möchten.
Insgesamt bleibt der Klassikmarkt eine interessante Möglichkeit, sein Portfolio zu diversifizieren, aber natürlich hängt die Wertsteigerung immer auch von der Seltenheit, der Qualität und der Nachfrage ab. Ich denke, dass gerade die automobilen Ikonen der 60er bis 80er Jahre, die heute noch relativ erschwinglich sind, in den kommenden Jahren weiter an Wert gewinnen werden.

Welches ist der aus Ihrer Sicht am meisten unterschätzte oder überschätze Klassiker und warum?
Ein oft unterschätzter Klassiker aus meiner Sicht ist der BMW 3.0 CSL (E9). Obwohl er in den 70er Jahren als „Batmobile“ bekannt war und heute von vielen Sammlern geschätzt wird, wird er meiner Meinung nach immer noch unter seinem wahren Wert gehandelt. Der 3.0 CSL vereint alles, was ein klassischer BMW ausmacht: außergewöhnliches Design, Technik und Motorsportgeschichte. Da er ein Meilenstein für BMW und die Tourenwagen-Rennserie war, hat er meiner Ansicht nach noch das Potenzial, weiter im Wert zu steigen, vor allem bei gut erhaltenen oder originalen Exemplaren.
Auf der anderen Seite halte ich den Ford Mustang (erste Generation) für einen etwas überschätzten Klassiker, vor allem in den niedrigeren Preissegmenten. Natürlich ist der Mustang ein ikonisches Fahrzeug und bleibt ein Symbol für amerikanische Muscle-Cars, aber die Massenproduktion (mit Ausnahme des Mustang GT 350H) und die hohe Anzahl an wiederaufgebauten Mustangs führen dazu, dass der Marktwert in bestimmten Varianten nicht mit der Nachfrage und dem Hype übereinstimmt. Besonders nicht-originale oder schlecht restaurierte Modelle können den Marktpreis nach unten drücken und bieten daher oft weniger Wertsteigerungspotential.
Insgesamt ist es wichtig, sich auf seltene, gut erhaltene und historisch bedeutende Modelle zu konzentrieren, da diese am ehesten das Potenzial zur Wertsteigerung bieten.
Sehen Sie einen personellen Generationswechsel im Markt für klassische Fahrzeuge? Wenn ja, wie stehen Sie dazu?
Ja, ich sehe definitiv einen Generationswechsel im Markt für klassische Fahrzeuge. In den letzten Jahren hat sich die Käufer- und Sammlergeneration stark verändert. Während in der Vergangenheit vor allem ältere Generationen die treibende Kraft auf dem Klassikermarkt waren, sehen wir zunehmend, dass auch jüngere Sammler und Investoren Interesse an klassischen Fahrzeugen zeigen – insbesondere durch die digitale Vernetzung und den Zugang zu internationalen Auktionsplattformen.
Jüngere Käufer haben oft eine andere Herangehensweise: Sie legen nicht nur Wert auf die Historie und das Design, sondern auch auf die Nachhaltigkeit und die Möglichkeit, diese Fahrzeuge in modernen Kontexten zu nutzen. Einige sind daran interessiert, Restomods zu schaffen, also klassische Fahrzeuge mit modernen Technologien und Antrieben auszustatten, um eine Brücke zwischen klassischem Charme und innovativer Technik zu schlagen. Diese Entwicklung könnte den Markt sogar noch weiter verjüngen und dynamisieren.
Ich begrüße diesen Generationswechsel, da er dem Markt für klassische Fahrzeuge frischen Wind verleiht und neue Perspektiven eröffnet. Die Digitalisierung und die zunehmende Globalisierung des Marktes sorgen für mehr Transparenz und erleichtern es neuen Sammlern, sich in diesem Bereich zu engagieren. Es ist auch spannend zu sehen, wie sich der Markt in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird, vor allem wenn digitale Auktionen stärker in den Fokus rücken. Insgesamt bin ich zuversichtlich, dass dieser Generationenwechsel den Klassikermarkt bereichern wird und die Leidenschaft für Oldtimer in die nächste Ära überführt.

Welche modernen Fahrzeuge haben für Sie das Potenzial, in 30 Jahren ein wirklicher Oldtimer zu werden?
Dies ist zum heutigen Zeitpunkt eine sehr komplexe, wie auch schwierig zu beantwortende Frage. Sicher ist, dass Sportwagen der neuen Generation immer Potenzial für künftige Sammler und Enthusiasten haben werden.
Wie sehen Sie die Zukunft des Klassikerhandels und welche Herausforderungen gibt es?
Die Zukunft des Klassikerhandels sehe ich insgesamt positiv, da der Sammler- und Liebhabermarkt weiterhin stark ist und auch neue Generationen von Investoren und Fahrzeugenthusiasten angezogen werden. Der Handel mit klassischen Fahrzeugen wird zunehmend durch digitale Plattformen und Online-Auktionen bereichert, die den Zugang zu diesem Markt vereinfachen und internationalisieren. Das bedeutet mehr Transparenz, Sichtbarkeit und vor allem Konkurrenz, was zu einer spannenden Entwicklung des Marktes führen wird.
Allerdings gibt es auch einige Herausforderungen, mit denen der Klassikerhandel in der Zukunft konfrontiert sein wird. Eine große Herausforderung ist der Erhalt der Originalität und die Bewertung des Zustands von Fahrzeugen. Es wird immer schwieriger, originalgetreue Fahrzeuge zu finden, da viele klassische Autos über die Jahre hinweg restauriert oder modifiziert wurden. Für Sammler und Käufer ist es entscheidend, den historischen Wert eines Fahrzeugs zu erkennen und sicherzustellen, dass alle Modifikationen oder Restaurierungen dokumentiert sind.
Ein weiterer Punkt ist die Nachhaltigkeit. In einer Welt, die zunehmend auf umweltfreundlichere Lösungen setzt, könnte der Wert von Oldtimern durch Emissionen und Umweltaspekte beeinträchtigt werden. Für einige Käufer könnte dies eine abschreckende Wirkung haben, auch wenn klassische Fahrzeuge für viele weiterhin eine emotionale und ästhetische Bedeutung haben.
Zudem wird der Generationenwechsel im Markt ein Thema bleiben. Während ältere Generationen oft eine emotionale Bindung zu klassischen Fahrzeugen haben, sind jüngere Käufer häufig an den Young-Classics oder Restomod-Projekten interessiert, die klassisches Design mit moderner Technologie verbinden. Die Herausforderung wird darin bestehen, die Interessen der neuen Generationen zu verstehen und eine Brücke zwischen Tradition und Innovation zu schlagen.
Insgesamt glaube ich, dass der Markt für klassische Fahrzeuge weiterhin florieren wird, jedoch werden neue Herausforderungen und Möglichkeiten entstehen, die den Handel verändern und weiterentwickeln werden. Die Anpassung an neue Trends und die Integration moderner Technologien werden entscheidend sein, um wertvolle Klassiker zu erhalten und für die nächsten Generationen zu bewahren.
Was würden Sie einem „Young-Classic Enthusiasten“ am liebsten mit auf den Weg geben? Haben Sie Ratschläge für den Einstieg ins Hobby?
Für einen Young-Classic-Neuling würde ich vor allem raten, sich zunächst gründlich zu informieren und mit der Materie vertraut zu machen. Fahrzeuge aus verschiedenen Epochen und Marken haben sehr unterschiedliche Charakteristika, und es ist wichtig, das richtige Modell für die eigenen Bedürfnisse und Interessen zu finden. Es hilft, sich Zeit zu nehmen und sich mit Fachliteratur, Experten oder Foren auszutauschen, um ein Gefühl für den Markt und die verschiedenen Modelle zu bekommen.
Zusammengefasst: Informieren, geduldig sein, mit einem erschwinglichen Modell starten und sich mit der Community vernetzen – das sind die besten Schritte für einen erfolgreichen Einstieg in das faszinierende Hobby der Classics.
Vielen Dank für das Gespräch.

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5745 Safenwil AG
Schweiz
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