Sachsen Classic: Drei Tage in drei Oldtimern

Porsche Targa Seitlich

Schon am ersten Treffpunkt der Sachsen Classic war Benzin in der Luft. Wir trafen uns an der Spinnerbrücke, die über die legendäre AVUS Rennstrecke führt. An der ansässigen Tankstelle gab es die Fahrtverpflegung und einen kleinen Kanister Reserve-Öl.

Unsere Startaufstellung: Michele und Timo im BMW E30 Cabrio, Torsten, Fabrizio und ich im Lancia Beta Coupé. Den Lancia sah ich zum ersten Mal live und bei Tageslicht – bestechend schön, klare Linien und einen Innenraum, dessen vier Einzelsitze mit einem schlichten, grauen Stoff bezogen sind. Fast fühlt man sich beim Einstieg wie bei der Probefahrt eines Neuwagens. Die Rückbank im Lancia ist erstaunlich bequem – wenn man sich quer hineinsetzt und die Füße hochlegt. Gurte sind hinten ohnehin nicht vorhanden. Als ich kurz vor Zwickau die hinteren Sonnenrollos ausrollte, verteilte sich Neuwagengeruch im Fahrgastraum. Vermutlich wurden sie nach 37 Jahren zum ersten Mal benutzt. Beim Studieren der italienischen Betriebsanleitung verriet ein Blick auf die zahlreichen Instrumente, dass es die Bella Macchina nach Öl dürstete. Also kurz runter von der Autobahn und Öl nachfüllen. Bei der Gelegenheit haben wir gleich die Erfrischung für die Ankunft in Zwickau besorgt. Nach einer kurzen Orientierungsfahrt auf dem Gelände ging es bei einem kühlen Blonden an das Bekleben der Fahrzeuge, das Publikum soll ja wissen, welches Team da unterwegs ist. Erste Benzingespräche ergaben sich, unter anderem mit den Classic Trader Freunden Uli Fischer und Thomas Lundt, die jeweils eine eigene Porsche Werkstatt betreiben. Thomas ist auf dem Weg nach Zwickau leider die Motorhaube seines 104-jährigen Hudson abhandengekommen. Auch das dritte Fahrzeug im Classic Trader Racing Team war nun eingetroffen: Unser Beirat Christian Hupertz in seinem orangenen Softwindow Targa. Nachdem der kleine Wackelkontakt am Anlasser des Lancias beseitigt war, ging es über wunderschöne Landstraßen, die Lust auf mehr machten, Richtung Hotel. Klein, gemütlich und mit dem Flair eines alten Bauernhofes überzeugte das Hotel in ganzer Linie. Nach einem kurzen Abendbrot und der Vorbereitung der Roadbooks gab es – laut Gastwirtin – den weltbesten Gin-Tonic. Die perfekte Einschlafhilfe.


Lancia Beta Coupé


Donnerstag – Tag eins der sachsen classic

Gefrühstückt wurde bei schönstem Wetter und herrlichem Ausblick. Frisch gestärkt ging es Richtung Start. Dort bekamen wir einen Überblick über die schönen Teilnehmerfahrzeuge und wurden mit allerlei Getränken und Currywurst versorgt. Um 12:57 hieß es dann: „Start frei“. Anmoderiert vom Classic Trader Oldtimer-Experten Johannes Hübner ging es auf die erste Etappe. Diese war leider zu häufig von ampelbedingten Stopps begleitet. Landschaftlich war es stark durchwachsen, von Industriegebiet bis zu malerischen Ausblicken. Die Navigation klappte bei meiner Premiere als Beifahrer hervorragend und auch die Prüfungen ließen sich aus dem Roadbook gut herleiten. Nur an unserer Treffsicherheit an Lichtschranken und Druckschläuchen müssen wir noch arbeiten. Die Route führte uns von Zwickau über Mülsen, Ölsnitz, Limbach-Oberfrohna und das Nutzfahrzeugmuseum in Hartmannsdorf zum Leipzig-Altenburg-Airport. Leider versagte auf der ersten Prüfung am Flughafen unser Gefährt – Verdacht auf Motorschaden. Zwei der vier Zylinder hatten kaum noch Kompression. Die Stimmung war geknickt. Das schöne Wetter brachte uns wenig, als wir zwei Stunden in der prallen Sonne auf den Abschleppdienst warten mussten. Immerhin brachte er uns nach Zwickau, am dortigen Classic Center – betrieben von den Classic Trader Kunden Familie Dr. Roth – haben wir das Fahrzeug abgestellt. An dieser Stelle vielen Dank an Christian Hupertz, der uns in seinem 911 Softwindow Targa zum Brauhaus brachte. Es war ein Erlebnis hinten auf der Ablage zu sitzen und über den typischen Überrollbügel zu schauen, an dem man einen Porsche 911 Targa schon aus der Ferne erkennen kann. Im Brauhaus Zwickau gab es ein zünftiges Buffet, eine Maß Bier und lärmende Livemusik, die uns zur Rückkehr ins Hotel veranlasste. Ein letztes Bierchen auf der Terrasse und der erste Tag war vorbei.


Lancia Beta Coupé Seitlich


Freitag – Tag Zwei der sachsen classic

Frühstück, Notfallplan, neue Aufteilung. Fabrizio kümmerte sich um seinen Lancia und ich nahm bei Timo und Michèle auf der Rückbank Platz. Von allen Aufgaben entbunden konnte ich mich zurücklehnen und genießen. Sehr zugige und vor allem am Morgen eine frostige Angelegenheit. Über durchweg malerische Straßen mit abwechslungsreicher Landschaft ging es von Zwickau über Morgenröthe und Klingental nach Kraslice in Tschechien, wo uns die Ortsansässigen einen herzlichen Empfang bereiteten. Vor allem die vielen leuchtenden Kinderaugen sorgten für gute Laune. Überhaupt war die ganze Strecke von fröhlich winkenden Menschen gesäumt. Bei perfektem Wetter ging es weiter zur Mittagspause nach Kopanina. Gulasch mit Knödeln – hat mir schon als Kind geschmeckt. Die Strecken ließen viel Raum, um den 116 PS starken 320 ordentlich fliegen zu lassen. Tagesziel war Bad Elster, wo gleich ein kühles Radeberger ins Auto gereicht wurde. Nach einem Plausch mit Johannes Hübner überzeugten wir uns von der sächsischen Gastfreundschaft.


BMW E30 Seitlich


Samstag – Tag drei der sachsen classic

Früh aufstehen stand auf dem Programm und eine neue Mitfahrgelegenheit musste her. Nachdem Fabrizio alle Formalitäten mit seinem Lancia Beta geklärt hatte, wollte er es sich ebenfalls mit im E30 Cabrio gemütlich machen. Zu viert käme hier aber keine allzu große Freude auf. Die Rennleitung war bereits informiert und so erhielt ich am frühen Morgen die frohe Botschaft, dass sich Dieter Zens mit seinem 1936er Jaguar 2,5 Liter Saloon sehr über einen Beifahrer freuen würde. Das erste Mal im Vorkriegsauto –  abenteuerlich! Die Selbstmördertüren geben den Blick auf den luxuriösen Innenraum frei. Ich lauschte gespannt den Geschichten meines Fahrers, der trotz seines Alters, welches in etwa dem seines Jaguars entspricht, überaus sportlich unterwegs war. Vor allem auf den morgendlich nassen Straßen kamen wir hin und wieder ins Rutschen. Nach zahlreichen Überholmanövern auf den reizvollen Straßen kamen an wir am Mittelpunkt der Erde in Pausa, der Göltzschtalbrücke und dem Schloss Blankenhain vorbei. In den Prüfungen bewiesen wir Team- und Sportsgeist. Nach der Mittagspause und dem Erklimmen der Steilen Wand von Meerane – mein Fahrer ist dort einst einen Weltrekord gefahren – legten wir sportliche 3,33 Minuten auf dem Sachsenring hin – ein absolutes Highlight. Deutlich jüngere sportlichere Fahrzeuge hatten das Nachsehen. Danach ging es eher entspannt weiter. Auf dem Markt in Penig hatte ich Gelegenheit, einige Worte mit dem jetzigen VW- und ehemaligen Porsche Chef Matthias Müller zu wechseln, ein Selfie gab’s obendrein. Er war ja auch mal mein Chef. In Chemnitz würde uns von tausenden Schaulustigen ein toller Empfang bereitet. Wieder war das Radeberger-Team für die Erfrischung zuständig. Auf der anschließenden Siegerehrung wurde ein Buffet von Weltklasse aufgefahren. Auf der großen Bühne durfte ich dann noch die Übergabe des Preises für die Classic Trader Wertungsprüfung anmoderieren. Thomas Lundt sorgte für ein ausgedehntes Ausklingen des Abends.


BMW E30

Mario Kunz-Pfauch


Sonntag – Rückreise von der sachsen classic

Als ob ich nicht schon genug Abwechslung erfahren hätte, ging es zu viert und offen über die Autobahn zum Sachsenring. Dort holten wir den Trailer ab, der den Lancia sicher zurück nach Berlin brachte. Timo fuhr mich nach Potsdam – im Porsche 356 von Thomas Lundt. Was für ein Klang, was für ein Fahrwerk, was für ein Wochenende! Bis nächstes Jahr!


Sachsen Classic Überblick


Text Mario Kunz-Pfauch // Fotos Classic Trader, Mario Kunz-Pfauch, Motor Presse Stuttgart


Autor: Mario Kunz-Pfauch

Mario Kunz-Pfauch war Senior Account Manager bei Classic Trader und schreibt regelmässig für das Classic Trader Magazin. Traum-Klassiker: Porsche 964 C2 Coupé Aktueller Klassiker: Porsche 944

Weitere Artikel

Porsche 993 – 25 YEARS

Buchtipp | Porsche 993 – 25 Years 1994 – 2019 – Der Letzte seines Stammes

Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie oft Bücher zu dem Thema Porsche auftauchen. Porsche und Ferrari – und hin und wieder noch Mercedes-Benz – das sind (neben den Reparatur-Anleitungen) die klaren Bestseller. weiterlesen Buchtipp | Porsche 993 – 25 Years 1994 – 2019 – Der Letzte seines Stammes

Delahaye 135 M 1948 Titel

Delahaye – Die Eleganz vergangener Tage

Delahaye, für die Kundigen eine französische Automobilmarke, die sportliche Luxusfahrzeuge herstellte, die von den berühmtesten französischen Karossiers eingekleidet wurden. weiterlesen Delahaye – Die Eleganz vergangener Tage

Volkswagen Touareg V6 TSI (6)

Kolumne Zeitsprünge | Volkswagen Touareg V6 TSI 4Motion

Eigentlich ist es nur logisch: Damit Firmen Geld verdienen können, genügen ein paar gemeinsame Plattformen, denen dann die Label ihre eigenen Karosserien überstülpen können weiterlesen Kolumne Zeitsprünge | Volkswagen Touareg V6 TSI 4Motion