V8 Werk im Classic Trader Händlerportrait

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In den Classic Trader Händlerportraits stellen wir Ihnen regelmäßig ausgewählte Oldtimer-Händler vor, die unser standardisiertes Interview bestehend aus 15 Fragen beantworten.

15 FRAGEN AN Susanne Herbrig VOm V8 Werk


Bitte stellen Sie sich und Ihr Unternehmen kurz vor. Was ist das Spezialgebiet Ihres Unternehmens? 

Das V8 Werk ist eine Restaurationswerkstatt für amerikanische Klassiker in Altenberg OT Bärenstein in Sachsen. Ins Leben gerufen wurde das V8 Werk im Jahr 2012 und ist seit 2014 eigenständig als GmbH & Co. Mit insgesamt 9 Mitarbeitern restaurieren wir auf 8 Hebebühnen US Cars detailgetreu und versetzen die Oldtimer zurück in ihren Originalzustand, führen Resto-Mod Aufbauten durch oder nehmen an Fahrzeugen individuelle Veränderungen vor. Unser Leistungsspektrum umfasst zudem auch Wartung und Service, Unfallwiederherstellung und Import von US Cars.

Als Besonderheit bieten wir außerdem zwei 1966er Ford Mustang Cabrios und einen 1955er Ford Thunderbird zur Vermietung zum Selbstfahren an, so dass auch Neulinge einmal das Fahrgefühl in einem amerikanischen Klassiker erleben können.

Wann sind Sie dem „Virus“ klassischer Fahrzeuge verfallen? Gab es ein Schlüsselerlebnis in Ihrer Kindheit / Jugend, das Sie zum Oldtimer-Enthusiasten gemacht hat?

Der „Virus“ hat zunächst meinen Mann Christoph Herbrig befallen, der sich noch während seiner Studienzeit den ersten Mustang kaufte.

Ich selbst bin das erste Mal mit den Fahrzeugen auf einem USA-Urlaub in Berührung gekommen. Damals haben mich die sportlichen, „bulligen“ Formen der modernen US-Cars besonders beeindruckt. Als studierte Archäologin habe ich mich dann aber schnell besonders für die älteren Modelle begeistern können.


V8 Werk werkstatt


Was mögen Sie an Ihrem Job am meisten – was am wenigsten?

Es ist immer wieder mit viel Baukribbeln und Stolz für uns verbunden, wenn die Restauration eines Fahrzeugs in die Zielgerade einbiegt und der Motor eines Fahrzeugs zum ersten Mal gestartet wird. Herausforderungen sind für uns hingegen oft die Ersatzteile. Zwar gibt es (besonders für den Mustang) inzwischen fast jedes Teil in den USA zu kaufen, doch die Passform besonders der Karosseriebleche ist oft miserabel, so dass wir viel Zeit aufwenden müssen, damit die Spaltmaße am Ende unseren hohen Maßstäben entsprechen.

Welche Marke(n) hat / haben es Ihnen angetan? Welches sind Ihre drei Lieblingsklassiker und warum?

Unsere Lieblinksklassiker sind die amerikanischen Muscle-Cars und Sportwagen – hauptsächlich Ford Mustang der ersten Generation und Chevrolet Corvette der ersten und zweiten Generation. Diese Fahrzeuge sind für amerikanische Verhältnisse relativ kompakt, sehr gut motorisiert und repräsentieren das amerikanische Lebensgefühl der damaligen Zeit. Da beide Marken auch heute noch auf dem Automobilmarkt vertreten sind, besitzen die Oldtimer große Bekanntheit und haben dementsprechend einen großen Wiedererkennungswert. Weitere „Lieblingsklassiker“ sind die Ford Thunderbirds (Classic Birds), die bei Markteiführung Mitte der 50er das gleiche Konzept verfolgten wie die Corvette, aber – zumindest in den ersten Jahren – wesentlich größeren Absatz fanden. Mein Mann würde jetzt noch zusätzlich den DeLorean aufzählen.

Was war das außergewöhnlichste Fahrzeug, mit dem Sie es bisher zu tun hatten?

DAS außergewöhnlichste Fahrzeug gibt es bei uns nicht, da wir ständig spannende Restaurationen durchführen.

Ein besonderes Fahrzeug ist der modifizierte 67er Mustang „ELEANOR“ welcher durch den 2000er Film „Nur noch 60 Sekunden“ bekannt geworden ist. Unsere Kunden können sich in unserer Werkstatt einen Ford Mustang „ELEANOR“ aufbauen lassen, den sie vorher unter www.eleanor.de selbst konfigurieren können, wie man es von modernen Fahrzeugen gewöhnt ist. Unabhängig davon kommen viele Kunden zu uns, die sich ihren eigenen persönlichen Traumwagen bauen lassen wollen und bereits vorab eine klare Vorstellung davon im Kopf haben, welche Eigenschaften und Bauteile der Wagen haben soll. Auch hier unterstützt unser Konfigurator für klassische Fastbacks www.1967mustang.de den Kunden bei der Findung seines Traumwagens. Aktuell stellen wir einen außergewöhnlichen Resto-Mod auf die Räder – optisch ein 1979er Camaro aber mit einem modernen 6,2 Liter Motor und allen Annehmlichkeiten eines modernen Wagens ausgestattet.

Gleichzeitig sind wir ständig auf der Suche nach seltenen, wertvollen Fahrzeugen für den Import aus den USA. So gehört zum V8 Werk „Fuhrpark“ inzwischen ein pinker 1957 Ford Thunderbird, ein DeLorean DMC-12 von 1983 (einer der letzten, die noch aus Teilen der Insolvenzmasse gebaut wurden), eine 1963er Corvette C2 SplitWindow und als besonderes Highlight ein echten 1967 Mustang Shelby GT 500 mit Rennhistorie.



Thema Wertsteigerung / -erhalt: Auf welches Pferd sollte man jetzt setzen? Wie glauben Sie wird es mit der Wertentwicklung in den nächsten Jahren weitergehen?

Die Wertentwicklung der Muscle Cars zeigt in den letzten Jahren eine konstant positive Entwicklung. Nach unserer Einschätzung wird sich der Trend in Zukunft besonders bei den bekannten Marken fortsetzen.

Welches ist der aus Ihrer Sicht am meisten unterschätzte oder überschätze Klassiker und warum?

Die Frage ist ja immer die, warum möchte man ein klassisches Fahrzeug besitzen. Möchte man die Fahrfreude genießen, möchte man einen Vermögenserhalt, seinen Kindheitstraum erfüllen? Daher gibt es meiner Meinung nach das überschätzte Auto nicht, lediglich Wagen die am Markt gefragt bzw. weniger gefragt sind. Da kann es schon sein, dass man in die Restauration eines großen 4 Türigen Sedan aus den 50ern schnell mehrere 10.000 EUR investiert, die der Wagen am Markt aktuell nicht erzielt. Im Gegensatz dazu freuen sich viele langjährige Besitzer eines Mustang Fastbacks von 1967/68 welche Preise heutzutage für die Fahrzeuge aufgerufen werden.

Sehen Sie einen personellen Generationswechsel im Markt für klassische Fahrzeuge? Wenn ja, wie stehen Sie dazu?

Wir haben glücklicherweise ein sehr junges Team im Durchschnittsalter von ca. 35 Jahren, welches aber bereits viele Jahre Erfahrung im Bereich Oldtimer aufweisen kann. Wie wir bei der Neugewinnung von Mitarbeitern festgestellt haben, fehlt vielen frisch ausgebildeten Mechanikern/Mechatronikern (m/w) die Geduld bzw. Ausdauer, sich selbstständig und langfristig in Projekte einzuarbeiten, da das im modernen Berufsfeld in Zeiten der Auslesesoftware und des einfachen und passgenauen Teileaustauschs nicht mehr gefordert wird.

Was ist für Sie ein absolutes „Tabu“ in Sachen Klassiker?

Wir lehnen immer wieder Aufträge ab, wenn Kunden ihre Fahrzeuge „schnell mal durch den TÜV bringen“ möchten. Flickschusterei und Pfusch ist nicht unser Anspruch.



Wo hört für Sie das Thema „Klassiker“ auf und vor allem warum?

Klassisch sind allgemein Dinge, die einen großen Wiedererkennungswert besitzen und als mustergültig und bleibend angesehen werden. Insofern zählen für uns als Klassiker hauptsächlich Fahrzeuge, die ein Stück Kulturgeschichte darstellen und weniger die unbekannten Exoten. Obwohl z.B. aus Exoten im Nachhinein auch Klassiker werden können, wie der DeLorean beweist, der zur damaligen Zeit eher unbekannt war und seinen Klassiker-Status dem Film „Zurück in die Zukunft“ verdankt.

Welche modernen Fahrzeuge haben für Sie das Potenzial, in 30 Jahren ein wirklicher Oldtimer zu werden?

Es gibt viele Fahrzeuge mit Potential – z.B. Supersportwagen wie den Bugatti.

Auch die Vorreiter der Elektromobilität wie Tesla Model S, das gleichzeitig auch ein ansprechendes Design besitzt, werden sicher auch in Zukunft noch Interesse wecken – obwohl hier evtl. die Elektronik der Zukunft der Fahrzeuge als Oldtimer im Weg stehen wird, da die Modelle schnelllebiger geworden sind und nicht mehr so lange halten wie die robusten alten V8 Motoren.

Wie sehen Sie die Zukunft des Klassikerhandels und welche Herausforderungen gibt es?

Es bleibt abzuwarten, wie beispielsweise Handelsabkommen wie TTIP den Markt beeinflussen werden. Hinzu kommt die Frage, wann der chinesische Oldtimermarkt liberalisiert wird.



Welches Fahrzeug möchten Sie unbedingt noch einmal fahren und vor allem warum?

Cadillac V 16 (1930-1940) – das Fahrgefühl mit dem „König der Motoren“ mit 16 Zylindern möchte ich gern einmal erleben

Was sind Ihrer Meinung nach die schönsten Strecken, die man mit einem Oldtimer „erfahren“ kann?

Sehr schöne Strecken bieten gut geplante Oldtimerrallyes (wie bei uns lokal die Rallye Elbflorenz oder die bekannten Motor Klassik Rallyes, wie die Sachsen Classic). Die Teilnahme lohnt sich, um im Oldtimer idyllische Landschaften zu kennen zu lernen und die Ausfahrt gleichzeitig mit ein wenig Nervenkitzel beim Bestehen der Wertungsprüfungen zu würzen.

Was würden Sie einem „Oldtimer-Neuling“ am liebsten mit auf den Weg geben?

Nehmen Sie sich Zeit und recherchieren Sie vor dem Oldtimer-Kauf genau. Entscheiden Sie sich lieber für ein gepflegtes und teureres Exemplar, mit guter Service-Historie, anstatt für ein billiges Fahrzeug mit einer großen Mängelliste, da dort unkalkulierbare Kosten auf Sie zukommen können.


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Kontakt zum V8 Werk

Susanne Herbrig
V8 Werk GmbH & Co. KG
Müglitztalstr. 10-12
01773 Altenberg

Telefon: +49(0)35054/22 359
Mobil:    +49(0)160/97379675


Text Susanne Herbrig // Fotos V8 Werk GmbH & Co. KG


Autor: Classic Trader

Die Classic Trader Redaktion besteht aus Oldtimer-Enthusiasten, die Euch mit spannenden Geschichten versorgen. Kaufberatungen, unsere Traum Klassiker, Händlerportraits und Erfahrungsberichte von Messen, Rallyes und Events. #drivenbydesire

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