Das Classic Center Hannover im Classic Trader Händlerportrait

Classic Center Hannover

In den Classic Trader Händlerportraits stellen wir Ihnen regelmäßig ausgewählte Oldtimer-Händler und -Spezialisten vor, die unser aus 15 Fragen bestehende Interview beantworten. Dieses mal sprechen wir mit Salvatore Marceddu vom Classic Center Hannover.

15 FRAGEN AN SALVATORE MARCEDDu vom Classic Center Hannover


Bitte stellen Sie sich und Ihr Unternehmen kurz vor. Was ist das Spezialgebiet Ihres Unternehmens?

Das Classic-Center-Hannover ist eine Abteilung der Mercedes-Benz AG der Niederlassung Hannover. Wir gehören zusammen mit den Standorten Hamburg, Bremen und Lübeck zur Vertriebsregion Nord der Daimler AG.

Das Classic Center Hannover beschäftigt uns ausschließlich mit Klassikern unserer Marke aus den Baujahren von 1960 bis 1990, im Ausnahmefall bei besonderen Modellen darf es auch etwas jünger sein.

Wann sind Sie dem „Virus“ klassischer Fahrzeuge verfallen? Gab es ein Schlüsselerlebnis in Ihrer Kindheit / Jugend, das Sie zum Oldtimer-Enthusiasten gemacht hat?

Daran kann ich mich sehr genau erinnern. Als kleiner Junge, erst ungefähr 10 Jahre „jung“, durfte ich das erste Mal auf dem Schoß meines Vaters am großen Lenkrad eines VW Busses aus dem Baujahr 1970 (T2A) die ersten Meter-natürlich mit der Unterstützung meines Vaters- „fahren“. Fortan habe ich mich um diesen roten Bus mit viel Mühe und Zuneigung gekümmert. So begann für mich das Interesse für klassische Fahrzeuge. Bis heute verfolge ich mit großem Enthusiasmus und einer eigenen Sammlung von 6 Fahrzeugen diese Leidenschaft.

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Was mögen Sie an Ihrem Job am meisten – was am wenigsten?

Nach wie vor freue ich mich bis heute und schätze es sehr jeden Tag ins Büro zu fahren und mit großer Begeisterung meinen Tätigkeiten nachzugehen. Das spüren auch meine Kollegen und Kunden, die sich gerne davon anstecken lassen. Mich mit Gleichgesinnten oder interessierten Kunden auszutauschen und sie über unsere besonderen Klassiker im Classic Center beraten zu dürfen, macht mir sehr viel Spaß.

Welche Marke(n) hat / haben es Ihnen angetan? Welches sind Ihre drei Lieblingsklassiker und warum?

Als Italiener muss ich gestehen, dass ich von der italienischen Eleganz und umfangreichen Fantasie in Verbindung mit der geschwungenen Silhouette der sportlichen Karosserien einfach nur fasziniert bin. Wie die etwa von Bertone, Pininfarina, Giugiaro, Zagato, Vignale oder Scaglietti, um nur einige zu nennen.

Als kleiner Junge habe ich aber auch von einem Porsche 356 Cabriolet geträumt. Heute besitze ich ein solches Modell.

Als begeisterter Fan von klassischen Fahrzeugen und sogenannten „Youngtimern“ konnte ich in den letzten 25 Jahren sehr viel dazulernen. Ich habe festgestellt, dass ich, aber auch meine Kunden immer mehr Wert auf Zuverlässigkeit, Innovation und Qualität legen. All das zu Recht, wie ich finde und ohne auf Eleganz und Ästhetik zu verzichten, konnte ich in den Mercedes-Benz Fahrzeugen wiederfinden.

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Was war das außergewöhnlichste Fahrzeug, mit dem Sie es bisher zu tun hatten?

Daran kann ich mich sehr gut erinnern. Das war ein Mercedes Benz 300 SL (Flügeltürer) aus dem Baujahr 1955. Ein faszinierendes Fahrzeug im Handling und einer beeindruckenden Motorenleistung.

Thema Wertsteigerung / -erhalt: Auf welches Pferd sollte man jetzt setzen? Wie glauben Sie wird es mit der Wertentwicklung in den nächsten Jahren weitergehen?

Diese Frage stellen sich wohl alle Beteiligten in der Oldtimer-Szene. Bei Immobilien wird immer gesagt es wären drei Faktoren entscheidend: Die Lage, die Lage und die Lage. Auf klassische Autos übertragen könnte man folgern: Die Marke, die Marke und die Marke. Aber so einfach ist das nicht. Hier gilt es die Vorlieben der aktuellen wie künftigen Interessenten zu berücksichtigen. Hat man in der Vergangenheit noch liebevoll vom “ Schnauferl “ gesprochen, dem sympathischen kleinen Auto, das niemanden erschrecken kann, sehe ich den Trend eher in eine andere Richtung: In Zukunft dürften bei den „Gebrauchs-Klassikern “ vermehrt sportliche Autos im Fokus stehen, die neben ausreichender Leistung gepaart mit problemloser Handhabung auch gern noch den Nimbus einer großen Marke mitbringen dürfen. Die Sammlerautos werden weiterhin ihren bekannten Spielregeln folgen.

Die überdurchschnittlich positive Kurve der Wertentwicklung hat sich bekanntlich in den letzten zwei Jahren etwas abgeflacht. Einige “ Überflieger “ haben auch Korrekturen nach unten hinnehmen müssen. Eigentlich kein ungewöhnlicher Effekt und als
Gesamtergebnis für die im Trend liegenden Modelle kein Anlass zur Besorgnis. Kritischer bewerte ich zum Beispiel leistungsschwache Limousinen unbekannter oder wenig charismatischer Marken. Hier kann es zu Wertverlusten kommen. Im Gegenzug gewinnen Fahrzeuge immer mehr an Interesse, die in früheren Jahren niemand auf dem Radar hatte.

Diese sind zum Beispiel die Mercedes-Benz Modellreihen 124, /8, W 126 oder W 201, um nur einige zu nennen. Ich bin überzeugt, dass diese Modelle die neue Generation der klassischen Fahrzeuge sein werden. Weiterhin wird zu berücksichtigen sein, dass vermehrt Autos aus altersbedingten Sammlungsauflösungen auf den Markt kommen werden. Ein größer werdendes Angebot hat immer Preisveränderungen zur Folge gehabt.

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Welches ist der aus Ihrer Sicht am meisten unterschätzte oder überschätze Klassiker und warum?

Noch unterschätzte Klassiker gibt es sicherlich viele. Ich möchte ein Beispiel aus unserem Hause benennen Die SL der Baureihe 129 – oft auch als “ Sacco-SL“ betitelt haben gerade die Schwelle zum Klassiker überschritten. Sehr gut erhaltene Exemplare mit üppiger Ausstattung sind derzeit für 25.000 EUR zu haben. In Anbetracht eines so komplexen Autos mit erheblichen Spaßfaktor, ist das ein beinahe unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis.

Das Gegenteil sind für mich die Ferrari 250 GTO. Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich finde das Auto grandios, charismatisch und sehr cool. Dazu ist es extrem selten, nur 36 wurden gebaut. Sollte einmal ein GTO zum Verkauf stehen, sind derzeit mindestens 50 Millionen Dollar fällig. Eine Summe weit außerhalb einer realistischen Preisvorstellung für knapp 900kg Auto. Aber vermutlich genau das macht es am Ende
aus und für die “ ganz Großen auf dem Spielfeld “ ist das ganz sicher kein Kriterium. Die gesamte Szene sollte sich glücklich schätzen, dass es diese Ferraris gibt, irgendwie sind sie weit entfernte Orientierungspunkte für uns.

Sehen Sie einen personellen Generationswechsel im Markt für klassische Fahrzeuge? Wenn ja, wie stehen Sie dazu?

Als „Generationswechsel“ würde ich die Entwicklung in der Oldtimer-Szene nicht bezeichnen. Eher findet eine permanente Regeneration dieser Zielgruppe statt. Aktuell sind auffällig viele unserer Kunden etwa 40 Jahre alt, die sich für völlig andere Modelle interessieren als die heute 60-70-Jährigen, die vor circa 30 Jahren in dieses Thema eingestiegen sind. Ein Generationswechsel betrifft eher die Autos, wobei hier die bessere Bezeichnung “ Modellwechsel “ wäre. Bei uns ist festzustellen, dass die Nachfrage nach Autos aus den 40er und 50er Baujahren etwas zurückgegangen ist und für die Modelle der 70er, 80er und 90er Jahre deutlich angestiegen ist. Wie damals die Älteren orientieren sich auch heute die jüngeren Liebhaber an den Traumautos ihrer Jugend. Ein ganz normaler Vorgang, auf den man sich im Handel problemlos einstellen kann.

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Was ist für Sie ein absolutes „Tabu“ in Sachen Klassiker?

Natürlich jede Art von Fehlbehandlung, unsachgemäße Instandsetzung sowie falsche Angaben zur Historie. Auch wenn man Autos mit Komponenten aufbaut oder bestückt, die entweder nicht zeitgenössisch oder nicht modellspezifisch sind. Beispielsweise sieht man hin und wieder 230 SL „Pagode“ die mit 280 SE Limousinen-Motoren umgerüstet wurden und auf Leichtmetallfelgen stehen, oder Cabrios der Baureihe 111 die ursprünglich einmal Coupés waren. Da lassen sich viele Beispiele finden.

Wo hört für Sie das Thema „Klassiker“ auf und vor allem warum?

Dies ist eine fließende Grenze. Zunächst kann man einen zeitlichen Korridor setzten und sich an der H-Kennzeichen Regelung orientieren. Hier sehe ich allerdings einige Fahrzeug-Volumen-Typen wie z.B. einen 30 Jahre alten VW Golf oder Opel Kadett nicht unbedingt als Klassiker, sondern eher als Gebrauchtwagen die sich hinter der Bezeichnung “ Youngtimer “ verstecken, während ein gleichaltriger Ferrari Testarossa den Status sicherlich erfüllt. Das führt uns zu exklusiven Herstellern und geringen produzierten Stückzahlen. Nur : Demzufolge hätte ein Mercedes 300SL der Baureihe 107 nicht das Zeug zum Klassiker. Aber diesen Status hat das Modell zweifelsfrei bereits erreicht.

Ich denke, es hängt von der Akzeptanz ab, die die einzelnen Fahrzeugtypen bei den Liebhabern genießen. Klare Grenzen gibt es hier nicht, das Thema soll Freude bereiten und das wiederum hat etwas mit der freien Entfaltung der beteiligten Personen zu tun.

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Welche modernen Fahrzeuge haben für Sie das Potenzial, in 30 Jahren ein wirklicher Oldtimer zu werden?

Gute Voraussetzungen dafür sind in meinen Augen drei Punkte: Erstens die Exklusivität des jeweiligen Modells oder gar limitierte Stückzahlen; zweitens das Prestige des Modells oder des namhaften Herstellers oder drittens die Emotionen oder die besondere Ästhetik, die das Fahrzeug vermittelt, unterstützt durch exklusive Ausstattung und Komfort.

Wie sehen Sie die Zukunft des Klassikerhandels und welche Herausforderungen gibt es?

Ich sehe den Handel mit klassischen Fahrzeugen in Zukunft weiterhin sehr positiv. Gerade das große Angebot der verschiedenen Hersteller und Modelle belebt das Geschäft. Nur durch den Vergleich kann der Kunde feststellen, wer bei dieser Vielzahl der kompetenteste Anbieter mit dem fairsten Angebot ist. Als Herausforderung für mich sehe ich dabei, die kontinuierlich wechselnden Bedürfnisse der Kunden zu erkennen und das passende Fahrzeug anzubieten zu können oder es auch zu finden.

Welches Fahrzeug möchten Sie unbedingt noch einmal fahren und vor allem warum?

Das ist für mich nicht einfach, weil mir sehr viele klassische Fahrzeuge einfallen würden. Ich hatte vor einigen Jahren das Glück einen Ferrari 250 GT Berlinetta Passo Corto fahren zu dürfen. Mit diesem für mich besonderen Sportcoupé aus dem Jahre 1959 würde ich sehr gerne einmal die weltbekannte Klassiker Rally Mille Miglia fahren, um den V-Acht Motor mit seinem besonderen Motorsound zu erleben.

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Was sind Ihrer Meinung nach die schönsten Strecken, die man mit einem Oldtimer „erfahren“ kann?

Die malerischen Landschaften und die Stimmung in der Toscana sind wie geschaffen für eine Ausfahrt mit dem klassischen Fahrzeug. Die Bergwelt und die Pässe der Schweiz sind ebenso großes Kino. Dann noch die kilometerlangen Traumstrände auf Sardinien lassen keinen Wunsch offen. Wenn man das noch paart mit dem Lebensgefühl der italienischen „dolce vita“, wird jeder Ausflug zu einem Erlebnis.

Was würden Sie einem „Oldtimer-Neuling“ am liebsten mit auf den Weg geben?

Eine gewisse Vorabrecherche ist bei der Vielfältigkeit des Angebots ganz sicher hilfreich. Der neue Interessent sollte sein Wunschauto hinsichtlich der gewünschten Qualität und seinem finanziellen Rahmen auf eine überschaubare Auswahl eingrenzen. Eine zu geringe Anzahl kann zu einer voreiligen Entscheidung führen, eine zu hohe Anzahl führt leicht zur Verwirrung. Bei Unsicherheit in technischer Hinsicht empfiehlt sich auch der Rat eines Oldtimer-Sachverständigen, um einen Fehlkauf zu vermeiden. Es Sollten auch die Möglichkeiten der Weiterbetreuung durch eine Werkstatt des Vertrauens geprüft sein, sofern man nicht selbst „Schrauber“ ist.

KONTAKT ZUM CLASSIC CENTER HANNOVER

Classic Center Hannover
Herr Salvatore Marceddu
Podbielskistraße 293
30655 Hannover

Tel.: +49 511 546 51 08
[email protected]
www.classic-center-hannover.de


Fotos Classic-Center Hannover

Autor: Classic Trader

Die Classic Trader Redaktion besteht aus Oldtimer-Enthusiasten, die Euch mit spannenden Geschichten versorgen. Kaufberatungen, unsere Traum Klassiker, Händlerportraits und Erfahrungsberichte von Messen, Rallyes und Events. #drivenbydesire

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