Citroën DS Kaufberatung – Schweben wie Gott in Frankreich

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Bei der Vorstellung 1955 begeisterte die Citroën DS die Massen. Heute ist der Reiz – ob aus ästhetischen oder technischen Gründen – ungebrochen. Beim Kauf eines DS- oder ID-Modells gilt es auch bei einer Göttin, genau hinzuschauen.

Wenn man den Bauzeitraum als Maßstab für den Erfolg eines Modelles heranzieht, müsste Citroën als einer der größten Hersteller, nicht nur der Grande Nation, gelten. Traction Avant und 2 CV wurden über Jahrzehnte gebaut. Über diesen beiden Modellen schwebt nur noch eine, die DS, die Déesse, die Göttin.

Sicher, rein nach dem Produktionszeitraum gesehen, steht die Citroën DS nicht vor ihren Geschwistern anzusiedeln. Aber im Gesamtzusammenhang schwebt dieses Modell mit seiner Hydropneumatik, dem Design und den großen und kleinen Geschichten über den Dingen. Es ist auch in gewissem Maße eine Auszeichnung für ein Automobil, wenn es zwanzig Jahre lang im Kern ähnlich gebaut wird. Und es ist gleichermaßen auch ein Indiz dafür, dass man bei Citroën, auch was Innovation in Technik und Aerodynamik angeht, beim Start 1955 seiner Zeit weit voraus war und ein Auto für die nächsten Jahrzehnte auf die Straßen brachte. Man muss sich den ersten Auftritt auch mal vor Augen halten: mitten in den 50er-Jahren mit ihren barocken Ponton-Karossen platzt dieses Raumschiff hinein. Die Legende von den zehntausenden Bestellungen während der Messe mag vom Hersteller gestreut worden sein; die polarisierende, aber auch begeisternde Wirkung beim Publikum ist aber unbestritten. Zumal das avantgardistische Äußere nur die eine Wahrheit ist, vielmehr sind gerade unter dem Blechkleid eine Vielzahl von Innovationen verborgen.

Citroën DS – Innovationen in Serie

Vor allem die von Paul Magès entwickelte Hydropneumatik ist da an erster Stelle zu nennen. Ein zentrales hydraulisches System regelte Federung, Bremsen, Schaltung und Servolenkung. Allein die innovative Federung machte schon genug Eindruck. Im Stand senkt sich die Karosserie bis zum tiefsten Punkt und setzt auf Gummipuffern auf. Bei Starten des Motors erhebt sie sich um mehrere Zentimeter und hält die Bodenfreiheit konstant, egal bei welcher Beladung und welchem Fahrzustand. Man muss es selbst im Innenraum bei einer Fahrt erlebt haben, um diesen leichten Schwebezustand nachvollziehen zu können.

Die Hydropneumatik sorgt übrigens auch dafür, dass bei einem Radwechsel kein Wagenheber nötig ist. Man fahre das Fahrzeug nach oben, stelle den mitgelieferten Unterstellbock unter und schon kann man das Rad wechseln. Bei den hinteren verdeckten Reifen muss mit wenigen Handgriffen noch die Abdeckung abgenommen werden. 1962 rettete diese Technik auch Präsident Charles de Gaulle das Leben, als bei einem Attentat unter anderem ein Reifen zerschossen wurde. Die Citroën DS brachte seine Frau und ihn aber sicher auf drei Rädern zum rettenden Flugplatz.

Auch Lenkung und Bremse nutzen die Hydraulik. Gerade beim Bremspilz in den früheren Modellen mussten sich Fahrer aber noch an die neue Technik gewöhnen. Schon ein leichter Kontakt führte dazu, dass das Fahrzeug beherzt in die Eisen ging.

Unter der Haube verrichten ausschließlich Vierzylindermotoren ihren Dienst. Zunächst war auch mindestens eine Version mit Sechszylinder angedacht, aber wieder verworfen. Die Motoren leisten mindestens 58 PS/43 kW in der einfachen ID 19, ab 1972 in der Topversion DS 23 mit dem Einspritzmotor 126 PS/93 kW.

Zu Beginn war nur eine Halb-Automatik verfügbar, mit dem Wechsel zum konventionellen Bremspedal war auch eine konventionelle Handschaltung wählbar. Später folgte noch eine Borg-Warner-Automatik.

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Citroën DS – Tipps zum Kauf

Zwanzig Jahre wurden Citroën DS und ID gebaut, fast 1,5 Millionen Fahrzeuge liefen vom Band, zahlreiche Motorisierungen, Karosserieformen und Ausstattungsvarianten waren verfügbar. Nur welche ist heute die Richtige, wenn man sich sein neues Auto bei Classic Trader aussucht?

Karosserie

Machen wir uns nichts vor, Rost ist einer der großen Schwachstellen. Neuralgische Punkte sollten daher genau unter die Lupe genommen werden. Die Schweller mit den mehrlagigen Blechen sind dabei die mit am häufigsten betroffenen Stellen. Sollten dort Schäden offensichtlich sein, fällt das nicht nur bei der Hauptuntersuchung auf, sondern schadet der gesamten Fahrzeugstabilität. Aber auch vordere und hintere Kotflügel sowie Bodenwannen sind häufig betroffen. Die Türen eigentlich fast immer. Daher werden Sie wohl kaum ein Exemplar mit originalen, unversehrten Türen finden. Aber dann sollte man tunlichst darauf achten, dass die Arbeiten sorgfältig ausgeführt wurden. Das Dach ist aus Kunststoff, daher immun gegen die braune Pest.

Allerdings wird das Problem nur nach unten verlagert. Durch das von Sonneneinstrahlung und Alter möglicherweise porös gewordene Dach dringt Feuchtigkeit an den Stahlrahmen, mit dem es verklebt ist, insbesondere am Übergang zur Windschutzscheibe. Aber auch die C-Säule und die Bodenbleche im Kofferraum können durch Wassereinbruch in Mitleidenschaft gezogen werden.

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Motor

Nach den schweren Rost-Themen kann man sich in aller Ruhe dem Motor widmen. Sämtliche verbaute Aggregate sind zuverlässige und biedere Gesellen, die ursprünglich vom 11 CV abstammen und auf robuste Vorkriegstechnik bauen. Irgendwie kurios, dass die Citroën DS ein derart avantgardistisches Fahrzeug ist, aber unter der Haube auf recht altbackene Technik gesetzt wurde. Aus heutiger Sicht natürlich ein Segen, da auf diesem Gebiet kaum Kummer erzeugt wird.

Bis auf ein paar gelegentliche Ölundichtigkeiten sollten sie solide ihren Dienst verrichten. Die ID 19 Normale, das Sparmodell mit 58 PS/43 kW ist aus Leistungssicht vielleicht etwas schwach auf der Brust, aber mit den stärkeren Motoren sollte man unkompliziert im Straßenverkehr mitschwimmen können. Die stärkste Variante DS 23 ie belastetet einige Komponenten allerdings mechanisch etwas stärker, daher kann es mitunter zu verschlissenen Pleuel- und Kurbelwellenlagern kommen.

Getriebe

Beim Getriebe hat man die Wahl zwischen manueller Vier- und Fünfgang-Lenkradschaltung, Halb-Automatik und Borg-Warner-Vollautomatik. Letztere gilt als etwas anfällig, die Halb-Automatik weniger. Allerdings beherrscht nicht jede Werkstatt heute mehr dessen Instandhaltung. Daher sollte man selbst mit möglichen Reparaturen umgehen können oder eine Fachwerkstatt an der Hand haben. Die manuelle Schaltung ist bisweilen etwas hakelig und bei höheren Laufleistung macht der fünfte Gang gelegentlich Geräusche.

Elektrik

Auch wenn man anderes vermuten könnte, ist die Elektrik nicht so komplex. Allerdings sind die wenigen elektrischen Bestandteile derart wild verbaut, dass man diesem Aspekt angemessene Aufmerksamkeit schenken sollte, um nicht früher oder später den kompletten Kabelbaum austauschen zu müssen. Frei liegende Kabel und Glas-Sicherungen sorgen für Kontaktprobleme und korrodierte Anschlüsse.

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Fahrwerk

Man sollte meinen, das innovative hydropneumatische Fahrwerk sei der kapriziöse Schwachpunkt der Citroën DS. Aber weit gefehlt: es ist weniger anfällig, an man meinen möchte. Gewiss, gute Pflege und Wartung sind Voraussetzung, aber gemeinhin ist es nicht nur innovativ, sondern auch solide. Lediglich die stickstoffgefüllten Federkugeln sind dem Verschleiß unterworfen. Sie können aber relativ leicht gewechselt werden und sind als Neu- oder aufgearbeitete Ersatzteile vorhanden. Bei der Hydraulikflüssigkeit ist die ab 1966 verwendete mineralische im Vorteil, weil die hygroskopische Wasser zieht und unter anderem bei der Bremse Korrosionsprobleme verursachen kann.

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Preis

Die Preise für DS/ID-Modelle reichen von circa 10.000 EUR bis 60.000 EUR, die Cabriolets, Coupés und Sonderkarosserien mal ausgeklammert. Zustand und Nachfrage sorgen für die große Kluft. Wenn man sich vor Augen hält, was die Instandsetzung einer restaurierungsbedürftigen Göttin verschlingen kann, sind die Abstufungen mehr als gerechtfertigt.

Citroën DS – Fazit

Das Angebot ist derart weit gefächert und die Vielfalt der einzelnen Generationen ist so groß, dass man schnell den Überblick verlieren kann. Neben dem persönlichen Geschmack und Erwartungen an das Auto gibt es einige Punkte, die man beachten sollte und die empfehlenswert sind. Wie die Vorzüge der mineralischen Hydraulikflüssigkeit ab 1966 oder die Nachteile der Vollautomatik gegenüber den Handschaltern oder der Halbautomatik. Aber ansonsten gilt das, was nahezu in jeder Kaufberatung steht: Augen auf beim Autokauf! Ein Schnäppchen für ein gutes Fahrzeug wird es kaum geben. Daher genau die heiklen Karosseriepunkte untersuchen, die Hydraulik und die Elektrik prüfen und dann sollten immer noch genügend gute Modelle für einen angemessenen Preis auf dem Markt sein, mit denen man dann nonchalant und ruhigen Gewissens davonschweben kann.

Fotos Citroën Deutschland GmbH

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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