Chapron – Göttinnendämmerung

Chapron

Im Laufe der Automobilgeschichte gab und gibt es viele Unternehmen, die man als „Veredler“ bezeichnet. Was aber ist dann die Beschreibung für einen Karosseriebauer, der Hand an ein Auto anlegt, das schon ab Werk den Beinamen „Déesse“, die Göttin, hatte? Ist es Blasphemie oder einfach große französische Ingenieurs- und Designkunst?

Chapron und Citroën – Eine Symbiose

Die Umbauten der Citroën DS bildeten gewiss den Höhepunkt der Ateliers Henri Chapron. Die Geschichte der Chapron-Modelle begann aber deutlich früher und steht durch alle gesellschaftlichen und politischen Höhepunkte und Krisen des 20. Jahrhunderts für ein Stück Zeitgeschichte. Der aus einem Vorort von Paris stammende Henri Chapron gründete sein Unternehmen 1919. In den ersten Jahren seines Bestehens war das Kerngeschäft der Umbau von Militärfahrzeugen zur zivilen Nutzung. Erst ab 1923 baute Chapron Aufbauten für das Model T von Ford, in der Folge für Delage. Das Wachstum des Unternehmens nahm in der Weltwirtschaftkrise ein jähes Ende, dem findigen Unternehmergeist von Chapron war es zu verdanken, dass man sich davon wieder einigermaßen erholen konnte. Vor allem dessen ausgehandelten Verträge mit Delage und Delahaye sicherten die Existenz in den 30er Jahren.


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Im zweiten Weltkrieg kam die Produktion zum Erliegen, Chapron versteckte seine Werkzeuge und nicht fertiggestellten Blechteile und konnte somit nach dem Krieg die Produktion wieder aufnehmen. Allerdings sah sich sein Unternehmen mit neuen Schwierigkeiten konfrontiert: Die Nachfrage nach exklusiven Luxusfahrzeugen im Nachkriegs-Frankreich war sehr begrenzt, einige seiner Partnerunternehmen wie Delage und Delahaye stellten die Automobilproduktion ein und der Übergang zu selbsttragenden Karosserien setzte ihm enge Grenzen in der Produktion von Umbauten.

Erst mit der revolutionären Citroën DS begann der Wende- und zugleich Höhepunkt in Chaprons Schaffen. Ab 1958 fertigte er unter eigenem Namen Cabriolets und Coupés an, ab 1961 entwickelte er im Auftrag von Citroën Werkscabriolets, die offiziell von Händlern unter der Bezeichnung „Usine“ vertrieben wurden. Parallel hier erschienen weiterhin stilvolle Cabrios und Coupés, die mit nicht minder stilvollen Namen wie La Croisette, Concorde oder Le Dandy die Designlinien Chaprons widerspiegeln.

Mit dem Ende der DS-Produktion war auch das nahende Ende der Ateliers Henry Chapron eingeleitet. Man fertigte noch Sonderformen für den Citroën SM und CX an, die geringen Stückzahlen konnten die Insolvenz 1985 aber nicht verhindern. Henry Chapron erlebte dieses Ende nicht mehr, er verstarb bereits 1978.


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Text Paolo Ollig // Fotos Classic Trader, Citroën


Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL Roadster. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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