Bullitt Reunion – Das Duell zweier Filmstars

Bullitt Reunion Ford Mustang Dodge Charger 4

Im Film, auf der Rennstrecke oder auch im Leben: Oft spitzt es sich auf zwei Widersacher zu und mündet in einem Duell als finalem Showdown. Eine zweite Chance gibt es meist nicht. Am Donnerstag, den 12. Juli 2018, wird aber nun eines der großen automobilen Duelle wieder auf der Rennstrecke ausgetragen bei der Bullitt Reunion im Rahmen des Goodwood Festival of Speed.

Bullitt Reunion – Ford Mustang GT vs. Dodge Charger R/T

In zwei Läufen am Donnerstag stehen sich ein 1968er Ford Mustang GT Fastback aus privater Hand und ein Dodge Charger R/T, ebenfalls Baujahr 1968, aus dem Bestand von ChromeCars gegenüber. Es ist aber nicht nur ein Präsentationsrennen zweier amerikanischer Kraftprotze, sondern viel mehr als das, vor allem für Filmfans. Der Ursprung liegt wie die Autos im Jahr 1968, aber nicht auf der Straße, sondern auf der Leinwand. Der Film Bullitt mit Steve McQueen in der Hauptrolle und unter der Regie von Peter Yates schlug wie eine Bombe bei Cineasten weltweit ein. Basierend auf dem Kriminalroman Mute Witness von Robert L. Pike entstand ein actionreicher und spannender Kriminalfilm, in dem Lieutenant Frank Bullitt vom San Francisco Police Department gegen das organisierte Verbrechen ankämpft. Actionfilme gibt es viele, aber Bullitt hat mit einer Szene Maßstäbe gesetzt: Der Verfolgungsjagd zwischen Frank Bullitt und den auf ihn angesetzten Killern. Bullitt wird im Ford Mustang GT von den Schurken im Dodge Charger verfolgt, er kann zunächst entkommen, taucht dann aber wieder hinter dem Charger auf und verfolgt sie seinerseits. Nach einer hochrasanten Verfolgungsjagd inklusive Schusswechsel kommen die Killer schließlich von der Fahrbahn ab und rasen in eine Tankstelle, die spektakulär explodiert.

Die Szene dauert zwar nur circa zehn Minuten, sie ist aber nicht nur für den Film von entscheidender Bedeutung, sondern auch für das Genre an sich stilbildend. So rasant, so explosiv und so authentisch dank dem passionierten Rennfahrer Steve McQueen wurde noch keine Verfolgungsjagd auf Zelluloid gebannt. Und so übt dieses Duell zwischen dem Ford und dem Dodge bis heute einen so großen Reiz aus, dass es schließlich 2018 endlich zur großen Bullitt Reunion in Goodwood kommt.

Bullitt Reunion – Die lange Suche nach den Hero Cars

Der Weg dahin war aber auch zugegeben steinig. Für die Filmarbeiten wurden wie üblich jeweils zwei Fahrzeuge eingesetzt, ein Jump Car, das in den Stuntszenen auch schon mal schwer leiden konnte; und das Hero Car für die Nahaufnahmen. Nur die Hero Cars haben überlebt, waren aber beide recht lange verschollen. Nach dem Ford Mustang GT suchten Enthusiasten lange vergeblich, denn das Auto war nicht auf dem Markt auffindbar, sondern war schlicht über die ganzen Jahre die in privatem Besitz derselben Familie, die weder Interesse hatte, das Auto abzugeben, noch irgendwie in die Öffentlichkeit zu treten. Erst im vergangenen Jahr hat der Eigentümer Sean Kiernan, der den Mustang von seinem Vater Bob 2014 geerbt hatte, sich an Ford-Konzern gewandt, nachdem er den Wagen restauriert hatte. Ford bestätigte die Historie des Fahrzeugs und ermutigte Kiernan, das Auto der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Bullitt Reunion Ford Mustang Dodge Charger 7

Der Gegenspieler des Ford, der Dodge Charger R/T wurde bereits 2015 von ChromeCars erwoben. Die „Automotive Archeologists“ aus Jena beweisen seit Jahren, dass sie nicht nur die Spürnase haben, Fahrzeuge mit einzigartiger Historie aufzuspüren, sondern auch die Hartnäckigkeit, diese zu erwerben. Man denke an die Original-Eleanor aus „Gone in 60 seconds“, den Brabham-Rennwagen von Jochen Rindt oder die beiden Futurliner, die ChromeCars auftreiben konnte.

Was aber vor allem Anerkennung verdient, ist die Tatsache, dass die Fahrzeuge nicht in anonymen Tiefgarage von potenten Sammlern verschwinden, sondern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, so wie bei der Bullitt Reunion in Goodwood. Man darf gespannt sein, wie sich die beiden Veteranen 50 Jahre später auf der Rennstrecke machen. Dass sich ein halbes Jahrhundert nach dem Film die beiden Hauptprotagonisten – neben Steve McQueen vielleicht – nach einem eigentlich schon entschiedenen Duell auf der Straße wiedersehen, ist nicht nur für tolles Ereignis für Automobil- und Filmfans gleichermaßen, sondern auch eine würdige Reminiszenz an Mr. Cool himself, Steve McQueen.


Fotos Roman Rätzke / ChromeCars

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL Roadster. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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