Buchtipp | Landy Love – Freund und Partner

Landy Love 1967 Land Rover 88 (1)

Visitenkarte, Therapie, Hobby – für Fassadenmaler Mike McDougall ist sein Landy viel mehr als nur ein Dienstfahrzeug. Ihm verdankt er nicht nur neue Aufträge, sondern auch frischen Lebensmut.

Mike McDougall verbindet seinen 1967er Land Rover für immer mit dem wichtigsten Wendepunkt in seinem Leben. Seit zwölf Jahren besitzt der schottische Malermeister seinen Kumpel mit vier Rädern. Genauso lange, wie er sich der Verschönerung der Häuser in Perthshire widmet. Die Anschaffung des Land Rovers war gleichzeitig das Signal zum Neubeginn. „Ich war nicht immer Maler“, sagt der sympathische Schotte.

Mike McDougall ist gelernter Metzger und war als Fleischbeschauer tätig. Bis der damals 37-Jährige eine schockierende Diagnose erhielt. „2004 wurde bei mir eine äußerst gefährliche Krankheit entdeckt. Das hat mich aus der Bahn geworfen. Ich wurde mehrfach operiert, musste immer wieder in die Reha und hatte viel Zeit, mir zu überlegen, wie ich künftig leben wollte.“

Mike entschied, dass es Zeit für eine Veränderung sei. „Ich habe schon immer gerne handwerklich gearbeitet. Als Maler konnte ich hier in meiner Heimat bleiben und hatte viel mit Menschen zu tun. Und trotz allem war ich auch noch mein eigener Herr.“

Die Entscheidung war gefallen: Mike machte sich selbstständig als Anstreicher. Zu einem solchen Job gehörte natürlich auch das passende Fahrzeug. „Mit einem weißen Lieferwagen können viele kommen, da fällt man nicht auf. Und Spaß macht es auch nicht. Und weil viele meiner Kunden in den manchmal verschneiten Bergen von Perthshire wohnen, habe ich mir für 450 Pfund diesen 1967er Series II gekauft. Damit komme ich zu jeder Jahreszeit jederzeit überall hin.“

Landy Love 1967 Land Rover 88 (3)

Der Landy vom Landarzt

Vor dem Kauf hatte Mikes 88er mehr als 25 Jahre in Perthshire auf einer Farm verbracht. Davor gehörte er einem Landarzt, der ihn für Hausbesuche nutzte. Bevor es zum ersten Einsatz gehen konnte, musste Maler McDougall den 88er erst einmal von sechs Schichten Farbe befreien. „Jeder Farbton, den du dir vorstellen kannst, war da drauf. Ganz unten leuchtete es dann marineblau, ein klassischer 60er-Jahre-Farbton, der mir gut gefiel.“ Dach und Felgen wurden in „Lime“ abgesetzt, und Mikes Firmenname und Telefonnummer prangten fortan auf allen drei Türen. Seither tut der Series II tagaus, tagein im schottischen Comrie am Fuße der Highlands als Malerfahrzeug seinen Dienst.

Hier kennt und erkennt man ihn sofort. Viele Aufträge bekommt Mike so, während er unterwegs ist. „Da brauchen die Leute gar nicht anzurufen, sie erkennen meinen Landy und sprechen mich an“, sagt er. Die neue Lackierung erlaubt auch einen sehr guten Blick auf die originalen Details wie zum Beispiel die Nieten um den Benzineinfüllstutzen und im Heckbereich. „Das war alles so mit Farbe zugeschmiert, dass man nichts vom Original mehr erkennen konnte, das wollte ich nicht. Jetzt sieht er wieder so aus, wie ihn der Doktor fuhr“, sagt Mike.

Heute treffen wir ihn und seinen Land Rover vor Drumonie House, einem von Comries größten Häusern. Mike soll die gesamte Außenwand neu streichen, und das sonnige Wetter ist ideal für diese Aufgabe. Er hat seinen „cherry picker“ dabei, eine Arbeitsbühne, mit der auch die höchsten Dächer des Dorfes erreichbar werden. Die Hebebühne wird vorn am Land Rover an einer extra angebrachten Kupplung befestigt. So kann Mike sie perfekt auf den Punkt manövrieren. Gleichzeitig wird die Deichsel dadurch unten gehalten, während hinten zwei Ausleger garantieren, dass das Gestell nicht umfällt. Natürlich ist auch der cherry picker marineblau, so wie der Werkzeuganhänger, den Mike ebenfalls besitzt. „Als Maler muss die Optik meines Gespanns sitzen, das ist ja meine Visitenkarte“, sagt er.

Erst von oben erkennen wir, wie kurz so ein 88er ist. Mit nur 3,62 Metern Länge ist er fast 20 Zentimeter kürzer als ein neuer Mini und ungefähr so groß wie der erste Volkswagen Polo.

Für Maler Mike reicht das, denn hinter den Vordersitzen ist nur Laderaum, also ausreichend Platz für Farbeimer und Werkzeug. Lange Leitern kommen eh oben aufs Dach. Der Dachträger hat eine eigene Geschichte. Er hat – anders als das Auto – schon einmal die Sahara gesehen. Der Vorbesitzer hatte ihn eigens für die Durchquerung des afrikanischen Kontinents bauen lassen und nach der Rückkehr an Mike verkauft, der ihn auf dem 88er montierte.

Originaler Series II Landy

Vorn trägt der Series II noch stolz das Gesicht des Urmodells mit seinen innenliegenden Scheinwerfern, die uns Kindern der Sechziger noch so vertraut sind von den „Daktari“-Folgen im Fernsehen. Später wanderten die Scheinwerfer in die Kotflügel, die beim 88er nur die Blinker und Seitenleuchten aufnehmen müssen. Bei Mike sitzt vorn noch eine Batterie Zusatzscheinwerfer, die er alle auf Teilemärkten besorgt und originalgetreu angebracht hat.

Auf dem rechten Kotflügel prangt das quadratische Kennzeichen. „Original“, sagt Mike mit einem Grinsen. Das Schild trägt die Spuren unzähliger Steinschläge. „Den Kühlergrill kann man abnehmen und tatsächlich fürs Barbecue benutzen. Hab ich aber noch nie gemacht.“

Auf dem linken Kotflügel zeugt eine Delle von einem Gefecht mit einem örtlichen Lieferwagen, der Mike in seinen stehenden Landy gefahren ist. „Ich war sehr aufgeregt, als der da rückwärts auf mich draufgefahren ist. Das wäre doch sowieso ein altes Auto, ich solle mich nicht so haben, sagte der Crashpilot schnippisch. Darauf ich: „Das ist ein Original, das gibt’s so gar nicht mehr.“ Ich hab’s dann so gelassen, sonst hätte ich wieder alles neu lackieren müssen.“

Der 2,25-Liter-Vierzylinder-Benziner mit seinen 80 PS ist leise und verhältnismäßig komfortabel. So sehr, dass er ab Ende der 1950er-Jahre sogar in die Rover-P4- Limousinen eingebaut wurde. „Heute sind alle Defender Diesel“, sagt Mike, „die sind laut, und man hört sie schon von Weitem. Der Benziner verbraucht zwar mehr, ist dafür aber leiser und angenehmer. Und ich fahre ja nicht weit.“

Landy Love 1967 Land Rover 88 (2)

In seinen insgesamt 49 Jahren hat der 88er nur 86.000 Meilen abgespult. Jede Woche kommen rund 100 Meilen hinzu. Manchmal hat Mike auch seinen jungen Dalmatiner Poppy dabei, ein äußerst schöner, aber scheuer Hund. Der Schwarzweiße thront dann zufrieden auf dem Beifahrersitz und genießt die Gegend. „Wenn ich lange weg bin und zu Hause niemand auf ihn aufpassen kann, dann darf er mit, sitzt aber dann im Auto. Und wenn er genug hat, legt er sich vorn einfach auf die Querbank.“

Nach Feierabend und an Wochenenden widmet sich Mike gern seinem Hobby, alten Autos. Neben dem Landy besitzt er noch einen 1967er MGB. Sein Vater Terry hat noch zwei alte Jaguar, einen 3,4-litre Saloon und einen Mk IX. Gern sehen Vater und Sohn auch bei Mikes Land Rover nach dem Rechten. „Viel muss man da aber nicht machen“, sagt Mike. „Die Mechanik ist sehr robust. Man sollte nur regelmäßig die Schmierstoffe wechseln, dann geht auch nichts kaputt.“

Für Vater Terry ist der alte Land Rover ein gelungenes Gegenstück zu seinen beiden luxuriösen Limousinen. „Es ist alles so simpel“, schwärmt Terry, „leicht erreichbar, gut zu erkennen und einfach zu pflegen.“ Und wenn Mike von vier Rädern genug hat, setzt er sich auf seine Honda Gold Wing. Die selbstverständlich ebenfalls speziallackierte Gold Wing ist auch schon 16 Jahre alt, wirkt aber neben dem Land Rover beinahe so futuristisch wie ein Raumschiff. Mike weiß beides zu genießen.

„Auf meinen Landy möchte ich nie mehr verzichten. Den habe ich mir damals gekauft, als ich beinahe gestorben wäre. Die Arbeit am Land Rover hat mir auch von der Seele her sehr geholfen. Jetzt gehört er zur Familie. So sehr, dass meine Kinder schon Bedarf angemeldet haben, wenn ich nicht mehr da bin.“ Mike wirft die Tür ins Schloss und fährt davon. Als er auf die Hauptstraße einbiegt, muss er noch einmal anhalten. Jemand hat ihn erkannt und bietet ihm einen Auftrag an. Mike grinst uns an, winkt und ruft: „Seht ihr?“.

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„Freund und Partner“ ist im Buch „Landy Love since 1948“ von Nadja Kleissler (Herausgeberin) bei Delius Klasing erschienen. Zahlreiche weitere spannende, abwechslungsreiche und nicht zuletzt emotionale Geschichte aus aller Welt finden sich in diesem Bilder- und Geschichtenbuch zum Lesen, Lachen und Träumen für jeden Landy-Fan.

Nadja Kleissler: Landy Love since 1948, Delius Klasing, Bielefeld 2017

Landy Love since 1948 Delius Klasing Cover

1. Auflage 2017
ISBN 978-3-667-10687-2
Preis 59,90 €

Landy Love ist im Buchhandel Ihres Vertrauens oder direkt bei Delius Klasing verfügbar.


Text Axel E. Catton Fotos Lynn Duke

Autor: Delius Klasing

Delius Klasing zählt zu den führenden Special Interest-Verlagen Europas. 1911 in Berlin gegründet, blickt man am heutigen Unternehmenssitz Bielefeld auf mehr als ein Jahrhundert Verlagsgeschichte zurück. Das Programm umfasst etwa 1300 lieferbare Buchtitel, jährlich kommen etwa 120 Neuerscheinungen hinzu.

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