Auf einen Espresso mit Kaffeemaschine Custom Motorcycles

Kaffeemaschine Custom Motorcycles 2

Viele meinen, Axel Budde baue bei Kaffeemaschine Custom Motorcycles die vielleicht schönsten Guzzi-Klassiker der Welt. Wir blicken hinter die Kulissen des Handwerkers aus Hamburg, der Kaffeemaschinen ins Rollen bringt.

Am liebsten arbeitet er im Verborgenen. Axel Budde, der Kopf hinter Kaffeemaschine Custom Motorcycles, ist kein Mann für die große Bühne – oder publikumswirksame Auftritte. Lieber erschafft der bescheidene, schlanke Mann in seiner Werkstatt im wenig glamourösen Hamburg-Wilhelmsburg Maschinen, die für sich selbst sprechen. Bis sie aus den breiten Toren seines sorgsam eingerichteten Refugiums rollen und mit dem ersten Brüllen ein akustisches Statement setzen vergeht viel Zeit. Zuvor, hinter den Kulissen, dort wo die Blicke Fremder selten und die Konzentration des Handwerkers Budde allgegenwärtig sind, genau dort geschieht die Magie. Denn die Guzzi-Umbauten aus dem Hause Kaffeemaschine machen die verstaubte Grandezza der Maschinen wieder sichtbar.

Moto Guzzis standen einst für den Inbegriff solider Sportlichkeit und italienischen Flairs, verbunden mit viel technischer Stringenz. Man kann die großen Modelle wie V7, Le Mans oder T3 durchaus als italophile Gegenentwürfe zu urdeutschen BMW-Motorrädern verstehen. Doch Axel Budde, der sein Motorradleben auf einer BMW /5 begann, war weitgehend resistent gegen den Charme der bajuwarischen Boxer. Umso mehr verliebte er sich in die manchmal verächtlich als Traktoren bezeichneten V2-Motorräder aus Italien: „Guzzis haben einfach mehr Rasse als Boxer. Sie sind wirklich technische Wesen. Und ich kann mich wunderbar mit ihnen auseinandersetzen“. Der 42-jährige stolperte in seiner Jugend zufällig über einen Scheunenfund aus dem schönen Mandello del Lario, der Heimat von Moto Guzzi. Seither ist nichts mehr wie es war.

Kaffeemaschine Custom Motorcycles – Neuanfang mit altem Blech

Denn die Motorräder wurden nach ein paar Umwegen zum Inhalt seines Lebenswerks als Autodidakt und Liebhaber analoger Technik. Früher war Axel Budde Fotograf – zu einer Zeit, als man noch Filme in der Dunkelkammer entwickelte. Als der digitale Fortschritt aber schon bald seinen Job revolutionierte, kehrte Budde dem Kreativberuf den Rücken zu und baute eine Zeit lang spezielles Equipment für Fotoshootings der Film- und Werbeindustrie. Doch damit wurde er nicht glücklich. Die Erlösung fand er schließlich im Aufbau einer eigenen Werkstatt. Seine Leidenschaft als Beruf, das Handwerk als Berufung. Die Marke Kaffeemaschine wurde geboren.

Heute ist, lebt und atmet Axel Budde das Thema Moto Guzzi wie kaum ein Zweiter. Seine individuelle Handschrift beim Umbau der Maschinen im Stil der 60er- bis 80er-Jahre fand seither unzählige Bewunderer – in ganz Deutschland und sogar weltweit. Und das nicht ohne Grund. Denn der Mann baut Motorräder, die in ihrer Essenz kaum konzentrierter sein könnten. Sie stehen für eine auf den Punkt gebrachte Balance zwischen Klarheit, Eleganz und Effizienz. Ihr Design ist schlicht und geht respektvoll mit dem Vermächtnis der einst so erfolgreichen Marke um. Ihr Sound ist eine kräftige Wortmeldung fast schon archaischer Mechanik. Kaum jemand, der sich dieser Faszination entziehen kann…

Kaffeemaschine Custom Motorcycles – Nomen est omen

Die meisten Kreationen aus dem Hause Kaffeemaschine finden ihren stilistischen Ursprung im Dunstkreis britischer Café Racer. Daher auch der Firmenname. Doch nicht nur sportliche Bauteile, reduziertes Design und ungefilterter Motorsound prägen ihr Auftreten. Es ist auch die im Zahnrad arrangierten Bohne als Logo – eine Anspielung auf Buddes zweite Leidenschaft, den Kaffee. Bei der Restaurierung und Optimierung der bis zu 50 Jahre alten Guzzis gehen nämlich auch etliche Kilogramm feinster Röstung drauf. Budde baut nicht nur Café Racer in Perfektion, sondern zaubert auch aus Gerösteten etwas Unvergleichliches. Immer wieder schlendert er während der Arbeit an den Motorrädern in die kleine Küche seiner Werkstatt, befüttert die glänzende Pavoni mit frisch gemahlenem Pulver und zelebriert die Kunst des Kaffeekochens. Die kleine Maschine röchelt, dampft und pfeift, ähnlich lebendig wie die großen Zweizylinder, die Budde so liebt. Für all das lässt er sich Zeit, denn Hektik ist nicht sein Ding. Jeder Griff sitzt, völlig ruhig und konzentriert. Die Arbeit an den Bikes vollzieht er mit gleicher Hingabe.

Über 20 Motorräder sind so bereits bei Kaffeemaschine Custom Motorcycles in Hamburg entstanden. Weil unfassbar viel Arbeit in jedes noch so kleine Detail fließt, sind mehr als drei oder vier Fahrzeuge pro Jahr allerdings nicht drin. Das ist echte Exklusivität! Durch viele Jahre der Routine kann Budde die Maschinen aber im Schlaf zerlegen, verpasst ihnen eine optimierte Elektrik, magert sie auf gut 180 Kilogramm herunter und haucht ihnen 90 PS ein. Für die alten Zweiventiler mit Stoßstangen, zentraler Nockenwelle und wunderschönen Kühlrippen ist das ein durchaus achtbarer Wert. Lack, Leder und motorisches Feintuning erledigen Spezialisten, auf die er vertrauen kann. Alles andere kommt aus seinen Händen. Das Design der Kaffee-Maschinen entsteht über viele Monate in Buddes Kopf. Die Wahl von Materialien, Kompositionen und Farbkonzepten reift über Monate. Er zeichnet Lichtmaschinendeckel, fräst Buchsen, optimiert und komponiert alles bis zur Perfektion. Rahmen lackiert er gern zweifarbig, im Sinne einer schlankeren Linie. Und er gießt lieber ein paar Teile, statt das Motorrad mit kühlem CNC-Look zu verunstalten.

Am Ende entstehen so durchaus kompetente Motorräder, die besser funktionieren als damals, aber immer noch den Charme vergangener Zeiten ausstrahlen. Sie beweisen, dass alte Moto Guzzis echte Rohdiamanten sind. Mit Gefühl und etwas Feinschliff haben sie das Zeug zu absoluter Brillanz, dank Axel Budde und Kaffeemaschine Custom Motorcycles.

Kaffeemaschine Custom Motorcycles 19


Text und Fotos Sven Wedemeyer

Autor: Sven Wedemeyer

Auf einem Bein kann man nicht stehen, weiß der Volksmund. Deshalb schreibt Sven Wedemeyer nicht nur spannende Berichte für Classic Trader oder Lifestyle- und Fachmagazine, sondern blickt als Fotojournalist auch gern durch den Sucher seiner Kamera. Im Fokus hat der Petrol Head vor allem automobile Klassiker und besondere Motorräder // Traum-Klassiker: Bugatti 35B // Aktueller Klassiker: MGB GT V8

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