Andreas Böttcher im Classic Trader Portrait

Andreas Böttcher Ferrari Dashboards Titel

In den Classic Trader Portraits stellen wir Ihnen regelmäßig ausgewählte Oldtimer-Enthusiasten vor. Dieses Mal mit Fotograf und Foto-Designer Andreas Böttcher.

Bitte stellen Sie sich kurz vor. Beschäftigen Sie sich privat oder beruflich mit Oldtimern?

Beides. Meine beiden Passionen – meine Profession als Photo-Designer und meine Leidenschaft für klassische Autos – habe ich nach meinem Besuch des Concorso d’Eleganza Villa d’Este 2013 aktiv miteinander verbunden. Dort war Ralph Lauren mit seinem Bugatti 57SC zu Gast. Zuvor hatte ich einen Teil seiner Sammlung in der Ausstellung L’Art de L’Automobile im Musée des arts décoratifs in Paris gesehen. Die ungewöhnliche Ästhetik, der künstlerische Aspekt des Events und der Ausstellung haben mich stark beeindruckt, und in der Folge habe ich mein Projekt Classic Cars Photography ins Leben gerufen.

Auf der Suche nach einem innovativen Konzept hat mich ein Freund auf das Thema „Dashboards“ gebracht, und ich habe es visuell weiterentwickelt. Eine Bildidee, die in dieser Form noch nicht realisiert wurde: Mein Projekt „Classic Cars Dashboards“ ist eine Foto-Dokumentation, die das Cockpit-Design aus der Sicht des Fahrers zeigt. Die Kamera nimmt exakt die Position des Fahrers und somit seinen erweiterten Blickwinkel ein, aus der er das Armaturenbrett von der linken bis zur rechten A-Säule vollständig wahrnehmen kann. Durch diese ungewöhnliche Visualisierung wird dem Betrachter das abwechslungsreiche Design und die handwerkliche Ausführung dieser Automobile sozusagen vor Augen geführt.

Im Rahmen meiner Arbeit ist der Kalender „Ferrari Dashboards 2020“ als Auszug entstanden. Die Bilder repräsentieren die technische Entwicklung der Fahrzeuge aus Maranello innerhalb eines Zeitraums von circa 60 Jahren.

Derzeit arbeite ich an einer Foto-Dokumentation der 500 bedeutendsten Classic Cars, die das Kulturgut Automobil und die Kunstwerke des Automobilbaus repräsentieren soll.

Andreas Böttcher Ferrari Dashboards (4)

Wann sind Sie dem „Virus“ klassischer Fahrzeuge verfallen? Gab es ein Schlüsselerlebnis in Ihrer Kindheit / Jugend, das Sie zum Oldtimer-Enthusiasten gemacht hat?

Mein Vater war Sportjournalist und schenkte mir das im Jahre 1962 erschienene Buch “Im Weißen Overall.“ Das bewirkte, dass ich im Alter von acht Jahren begann mich intensiv mit klassischen Rennwagen zu beschäftigen. Meine zahlreichen Jerry-Cotton-Romane ließen mich dann von einem Jaguar E-Type Coupé Serie 1 träumen! Der orange-rote Porsche 904 GTS war mein absoluter Favorit auf meiner Carrera-Bahn. Er hat überlebt. Meinem grünen Unimog mit Anhänger der Firma Tippco trauere ich auch heute noch etwas nach.

Worin liegt für Sie der Reiz an klassischen Fahrzeugen?

Für mich – als Photo-Designer – sind klassische Automobile im wahrsten Wortsinn Designobjekte. Das individuelle Design der Fahrzeuge verbunden mit der handwerklichen Technik hat eine zeitlose Wertigkeit.

In diesem Jahr fragte mich Stephan Musfeld im Pantheon Basel nach einem Titelvorschlag für seine Ausstellung, in der „Alt und Neu“ gegenübergestellt werden sollte. Ich habe ihm „Ikonen und Boliden“ vorgeschlagen, und als ich dann die Ausstellung besuchte, schlug mein Herz gänzlich für die Ikonen. Sie wecken Emotionen in uns – ob nun als frühere Traumwagen oder als Zeitzeugen der Geschichte.
Die Ausstellung „Sportwagen-Design der 1950er-1970er Jahre“ im Düsseldorfer Kunstpalast 2018 hatte den wunderbaren Titel „PS: ICH LIEBE DICH!“. Das passte schon sehr.

Welche Marke(n) hat / haben es Ihnen angetan? Welches sind Ihre drei Lieblingsklassiker und warum?

1. Das Uhlenhaut Coupé Mercedes-Benz 300 SLR – einzig- bzw. zweiartig, sagenhaft schnell und gänzlich kompromisslos in seiner Zeit. Schon der W 196 mit Stromlinienkarosserie ist eine Augenweide, aber beim SLR ist die Verbindung zwischen Renn- und Sportwagen mehr als gelungen. Um diesen „Dienstwagen“ war Rudolf Uhlenhaut in jeder Hinsicht zu beneiden.

2. Der Maserati A6G Zagato – wunderschönes Design in seiner ganzen Schlichtheit und dazu ein Dashboard, das überzeugend beweist: „Weniger ist mehr“.

3. Der Ferrari 250 GT SWB – oder der GTO? Der SWB ist elegant und reduziert auf das Wesentliche, mit und ohne Stoßstangen. Da hat Pininfarina ein Meisterstück entworfen, Colombo einen wunderbaren 12-Zylinder-Motor entwickelt und Scaglietti eine Karosserie gebaut – vom Feinsten.

Andreas Böttcher Ferrari Dashboards (12)

Was war das außergewöhnlichste Fahrzeug, mit dem Sie es bisher zu tun hatten?

Das außergewöhnlichste Fahrzeug war und ist für mich das Uhlenhaut Coupé. Der Mercedes-Benz 300 SLR ist Teil der Dokumentation „Classic Cars Dashboards“. Insofern hat meine Kamera auf dem Fahrersitz Platz genommen, und ich hatte die Gelegenheit dieses Kunstwerk ausgiebig von innen und außen zu sehen. Wenn ich einen Picasso, Bacon, Rothko, Rauschenberg, Lichtenstein, Warhol betrachte… sehe ich hier vielleicht die Mona Lisa des Automobilbaus?

Können Sie bestimmte Oldtimerveranstaltungen, Events oder Ausfahrten empfehlen?

Ja. Goodwood in Südengland ist eine Reise wert und immer wieder die wechselnden Sonderausstellungen im Pantheon in Basel. Italien hat viel zu bieten: Das Museo Casa Enzo Ferrari und die Collezione Umberto Panini in Modena oder das Museo Storico Alfa Romeo in Arese. Das Louwman Museum in Den Haag ist interessant, und wenn man in Deutschland unterwegs ist, natürlich die beiden großartigen Museen in Stuttgart: Mercedes-Benz und Porsche.

Welches ist der aus Ihrer Sicht am meisten unterschätzte oder überschätze Klassiker und warum?

Unterschätzt wird meines Erachtens der Mercedes-Benz SL der Baureihe R 129 vor der „MoPf“, ein gutes Design von Bruno Sacco. Und für überschätzt halte ich den Porsche 911. Obwohl ich meinen Käfer damals sehr mochte.

Schrauben Sie selber am Oldtimer oder werden Reparaturen extern durchgeführt?

Die Wartung und Pflege mache ich sehr gerne selber. Aber bei ernsthaften Reparaturen vertraue ich auf erfahrene Fachleuten, da habe ich mein bewährtes Team.

In welchem Fahrzeug haben Sie fahren gelernt?

Ich habe in einem VW Käfer 1303 fahren gelernt. Und dann war ich die nächsten 85.000 km in meinem eigenen weißen VW 1300 mit roten Kunststoffsitzen unterwegs. Hier hat auch das Schrauben Spaß gemacht.

Welches Fahrzeug möchten Sie unbedingt noch einmal fahren und vor allem warum?

Ich würde gerne einen Facel Vega HK 500 mit dem “bemalten Holz-Dashboard“ und dieser großen Frontscheibe fahren. Es ist stilvoller französischer Luxus gepaart mit amerikanischer Kraft. Gegensätze ziehen sich an – dieses Automobil ist so anders und besonders. Er ist halt auch ein Jugendtraum aus dem Auto-Quartett mit 390 PS. Zudem habe ich sehr gerne Albert Camus gelesen.

Was sind Ihrer Meinung nach die schönsten Strecken, die man mit einem Oldtimer „erfahren“ kann?

Ich würde in die Region Emilia-Romagna fahren und die Automuseen in Norditalien besuchen. Ansonsten genieße ich die Fahrten zu interessanten Classic Cars Dashboards, egal, wo ich sie gerade finden kann. Sehr beeindruckt hat mich kürzlich ein Talbot Lago Record T 26 mit Graber-Karosserie in Basel – ein Genuss!

Andreas Böttcher Mercedes Benz Dashboards


CLASSIC CARS PHOTOGRAPHY

www.classic-cars-photography.com

Andreas Böttcher
Im Heimgarten 5
60389 Frankfurt am Main

Phone +49 69 49 49 29
[email protected]


Fotos Andreas Böttcher

Autor: Classic Trader

Die Classic Trader Redaktion besteht aus Oldtimer-Enthusiasten, die Euch mit spannenden Geschichten versorgen. Kaufberatungen, unsere Traum Klassiker, Händlerportraits und Erfahrungsberichte von Messen, Rallyes und Events. #drivenbydesire

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