ALPINA – Sportler im Nadelstreifenanzug

Alpina BMW 5er E34 B10 BITURBO

Nach landläufiger Meinung gibt es zwei Arten von Menschen: die einen halten Alpina für weiße Farbe oder eine Skibrille und die anderen heben wissend und anerkennend die Augenbrauen, wenn das Gespräch auf diese exklusiven Automobile kommt.

Gegründet wurde die Firma bereits vor über 50 Jahren zu einer Zeit, als beeindruckende Leistungsdaten lediglich mit Porsche, Ferrari oder Lamborghini in Verbindung gebracht wurden. Anfang der 80er Jahre war ein Porsche 911 eine seltene Erscheinung und seine technischen Daten legten die Messlatte für einen Sportwagen auf 3,0l Hubraum bei einer Leistung von 204 PS und 225 km/h Höchstgeschwindigkeit. Im direkten Vergleich zur deutschen Sportwagen-Ikone wird deutlich, wie beispielsweise die bei ALPINA veredelte BMW 5er Limousine der Baureihe E28 mit 3,5l Hubraum und beeindruckenden 245 PS verstanden werden wollte, nämlich als reinrassiger Sportwagen, der es als fünfsitziger 4-Türer in Sachen Temperament und Fahrsicherheit mit Porsche aufnehmen konnte.

Alpina BMW 5er E28 B9 3.5

ALPINA – Nur echt mit fortlaufender Produktionsnummer

Ein ALPINA ist exklusiv. Allerdings entsteht die Exklusivität nicht durch die beispielsweise in der Automobilindustrie durchaus übliche Marketingaktion der künstlichen Limitierung, um die Attraktivität des Produktes zu stärken.  Sie zeigt sich vielmehr in der Nummerierung jedes einzelnen Automobils, das beim Verlassen des Werksgeländes die Kleinstserien ziert. Die ALPINA Burkard Bovensiepen GmbH + Co. KG ist seit 1983 beim Kraftfahrt-Bundesamt eingetragener Automobilhersteller und das Produktionsschild im Innenraum macht dies sichtbar. Befindet sich im Innenraum kein Herstellerschild mit Produktionsnummer bedeutet dies, es ist kein ALPINA. Die Modellbezeichnungen der BMW-ALPINA aus den 80er Jahren waren noch nicht so einfach wie heute. C1 oder C2 gefolgt von der Angabe des Hubraums auf Basis eines frühen BMW 3ers bezieht sich auf die Motorengeneration und der am meisten gesuchte ALPINA der BMW 3er-Baureihe E30 mit dem 3,5 Liter Sechszylinder trägt das Kürzel B6 3,5.

Zur Erinnerung: ein BMW M3 hatte bei seiner Markteinführung Anfang 1986 zwar den rennerprobten 2,3 Liter Vierzylinder-Vierventil-Motor mit 200 PS, aber bezüglich Laufruhe galt das Gesetz, Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch mehr Hubraum. Der lediglich 218mal gebaute B6 3,5 konnte mit seinen 261 PS  bereits im Jahr 1985 die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erreichen.

Seltene Eintracht zwischen BMW und ALPINA

Die Sportwagen aus Buchloe tragen bis heute das BMW Emblem auf Motorhaube und Kofferraumdeckel. Es ist auch das Symbol für die Partnerschaft des Premium-Herstellers aus München mit dem familiengeführten mittelständischen Unternehmen aus dem Ostallgäu, eine in der Automobilindustrie einmalige Symbiose und Erfolgsgeschichte. Prangt hingegen ein den Stolz des Besitzers ausdrückendes ALPINA-Emblem auf Motorhaube oder Kofferraumdeckel, so handelt es sich nicht um ein Originalteil. Es wird in Buchloe weder montiert, noch auf besonderen Kundenwunsch geliefert – es ist gar nicht im Angebot. Aber das Emblem findet sich an anderen prominenten Stellen auf dem Automobil, zum Beispiel in der Mitte des Lenkrads und auf den klassischen 20-Speichen-Felgen. Die Leichtmetallfelgen sind sowohl technisch als auch markenspezifisch etwas ganz Besonderes und für das ungeübte Auge bieten Sie aus der Ferne die Möglichkeit, einen ALPINA zu erkennen. Die 20 Speichen und das filigrane Design sind geschützt und begehrt. So machen sich die 16-Zoll-Räder auch schon mal auf einem schwarzen E30 BMW 325i Cabrio ausgesprochen gut, denn sie passen nicht nur gut auf die Serienfahrzeuge von BMW, sondern waren auch im Handel erhältlich – heute sind sie allerdings nicht mehr für den E30 lieferbar.

Gehört man zur zweiten Art von Menschen, dann erkennt man den ALPINA auf Anhieb anhand seiner optischen Details, auch ohne dass man ihn gefahren hat. Wer aber selbst einmal in den Genuss gekommen ist, einen ALPINA zu fahren, ist überrascht von dem ganz eigenen Charakter. Er fährt sich unaufgeregt, lässt sich schnell und dabei sehr komfortabel bewegen. Das macht ihn neben seiner Seltenheit zu einem ganz besonderen, begehrenswerten Klassiker, am besten mit offiziellem Zertifikat vom Gründer selbst unterschrieben.

Fotos ALPINA Burkard Bovensiepen GmbH + Co. KG

Autor: Martin Sölter

Martin Sölter schreibt für das Classic Trader Magazin. Für das Thema Classic Cars ist er als Berater und als Dozent an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) im Studiengang Automotive Management tätig. Traumklassiker: Lamborghini Miura. Eigener Klassiker: Porsche 911 WTL von 1985.

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