Alles Gute zum 90. Geburtstag Hans Herrmann!

Hans Herrmann Portrait Mercedes Benz 1

Am heutigen 23. Februar 2018 feiert Hans Herrmann seinen 90. Geburtstag. Mit dem Begriff „Legende“ sollte man vorsichtig umgehen, aber den gebürtigen Stuttgarter kann man getrost als Rennsportlegende titulieren. Wenn sich mit Porsche und Mercedes-Benz gleich zwei große Hersteller entschließen, ihm zum 90. eine Party im Mercedes-Benz Classic Center in Fellbach zu geben, muss er sich wahrlich große Verdienst um den Motorsport in Deutschland und darüber hinaus verdient haben.

Der Stern von Hans Herrmann ging 1952 auf, als ein in seinem privaten Porsche bei einem Rundstreckenrennen am Nürburgring antrat und es gewann. Im folgenden Jahr gehörte er zum Porsche-Werksteam und ging bei der Mille Miglia an den Start. Beim selben Rennen 1954 machte Hermann erstmal spektakuläre Schlagzeilen. Als sich die Schranke an einem Bahnübergang schloss und Hans Hermann abschätzen konnte, dass der Wagen nicht rechtzeitig zum Stehen kommen würde, duckten sich er uns sein Beifahrer Herbert Linge in ihrem flachen Porsche 550 Spyder und schlüpften noch rechtzeitig vor dem herannahenden Schnellzug unter der Schranke hindurch.

Hans Herrmann – Sportliche Heimat bei Mercedes und Porsche

Neben Porsche war er zu Beginn und im Laufe seiner Karriere auch eng mit dem Stern verbunden. So lud ihn Mercedes-Benz Rennleiter Alfred Neubauer 1953 zu Testfahrten an den Nürburgring ein. Der 25-jährige Rennfahrer, der im Vorjahr bereits mit gelungenen Auftritten bei der Mille Miglia und den 24 Stunden von Le Mans auf sich aufmerksam machte, konnte auch bei den Testfahrten überzeugen. Mit dem 300 SL Rennsportwagen (W 194) ist Herrmann schon am ersten Tag Zweitschnellster – in einem Feld mit deutlich erfahreneren Motorsportlern. Am zweiten Tag fährt er die schnellste Runde. Weitere Versuchsfahrten in Monza folgen, und danach steht fest: Der junge Stuttgarter wird neben Juan Manuel Fangio und Karl Kling in die Werksmannschaft aufgenommen.

Beim Großen Preis von Frankreich am 4. Juli 1954 in Reims haben die neuen Silberpfeile Premiere. Fangio und Kling holen einen souveränen Doppelsieg. Hans Herrmann konnte mit der schnellsten Rundenzeit punkten. In dieser Saison erringt Hans Herrmann zwei Podiumsplatzierungen bei Grand-Prix-Rennen: Im Großen Preis der Schweiz 1954 und im Rennen auf der Berliner AVUS 1954 kommt er jeweils auf den 3. Platz. Mercedes-Benz setzt das Engagement des jungen Rennfahrers in der Saison 1955 fort, nun zusätzlich zur Formel 1 auch bei internationalen Sportwagenrennen mit dem 300 SLR (W 196 S).

Hans Herrmann – Die großen Erfolge

Ohnehin sind die Sportwagen und Langstreckenrennen das erfolgreichste Terrain von Hans Herrmann. Neben Mercedes und Porsche mit fuhr er unter anderem Maserati, Cooper, BRM und Abarth. Die größten Erfolge sind sicherlich die Gesamtsiege bei der Targa Florio 1960 mit Joakim Bonnier im Porsche 718, den 24 Stunden von Daytona 1968 im Porsche 907 und den 24 Stunden von Le Mans 1970 mit Richard Attwood im Porsche 917 K. Der Sieg in Le Mans war die Krönung nimmt in doppelter Hinsicht eine besondere Stellung in Herrmanns Rennfahrerkarriere ein: es war der erste Gesamtsieg von Porsche beim Traditionsrennen und gleichzeitig das letzte Rennen von Hans Herrmann. Er hatte für sich selbst entschieden, 1970 seine aktive Karriere zu beenden. Kurz vor dem Rennen hatte er seiner Frau zudem mit einem Augenzwinkern versprochen, direkt aus dem Cockpit zu steigen, wenn er in Frankreich gewinnt. Als Ehrenmann setze er dieses Versprechen in die Tat um, wobei er, wie er später zugab, auch ohne den Sieg abgetreten wäre.

Seine nachhaltige Wirkung auf den Motorsport und die Anerkennung und Sympathie der Szene verdient sich Hans Herrmann aber nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch daneben, als untadeliger und authentischer Repräsentant des Motorsports aus einer anderen Epoche. In diesem Sinne, alle Gute, Hans Herrmann!


Fotos Daimler AG, Porsche AG

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 600. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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